Yachtschule

Segeln lernen durch gemeinsame Reisen

Eines der Highlights des Jahres ist immer unsere mehrwöchige Sommerreise in den Sommerferien auf der Zukunft IV – dieses Jahr ging es in die Nordsee bis nach Portsmouth! Daneben nutzen wir die langen Wochenenden, sowie die Oster- und Herbstferien für kleinere Touren aus.

Ein Bericht über die diesjährige Sommerreise:

Skipper: Volker Schmidt, Wachführer: Till Ritgen, Adele Horstmann. Crew: Pontus Lange, Rieke Ritgen, Laura Groninger, Jette Onnasch, Johanna Eitelwein, Jacob Hunger, Ole Kraus, Eva Stager, Mads Zuther.

In diesem Jahr verschlug es uns zur Kuhreise statt in die Ostsee in die Nordsee – für viele von unseren Yachtschüler*innen unbekannte Gewässer, denen wir mit großer Vorfreude, aber auch mit entsprechendem Respekt entgegenschauten. Neben dem gewöhnlichen Großeinkauf (wir waren zu zwölft, also vollbesetzt) gehörte in diesem Jahr also auch navigatorische Vorbereitung auf die Tidengewässer und die unbekannten Häfen dazu. Wir setzen uns im Vorfeld einige Male zusammen, um gemeinsam Tidennavigation zu üben, und den ganz Neuen unter uns die Grundlagen der Kartennavigation und Logbucheinträge näher zu bringen.

Dann ging es am 16.08.2025 zunächst einmal bis zur Schleuse und durch den NOK bis Brunsbüttel. Zwar haben wir noch keine Segel gesetzt, aber die Reiselust überkam uns alle: wir hatten schönsten Sonnenschein und machten abends die ersten Reisebekanntschaften. Die Zwei-Mann-Crew der „Camelan“ legte sich zu uns ins Päckchen, und mit zwei Bremern konnten wir uns über die Routenplanung der nächsten Tage austauschen. Für sie endete die Reise so langsam, für uns ging es gerade erst los!

Der erste Segeltag war ein kurzer Schlag bis Cuxhaven, wo wir volltanken wollten. Wir wurden zum ersten Mal auf dieser Reise ein Segelboot, und hatten dank Strom von achtern großen Spaß dabei. Wir beschlossen in Cuxhaven zu bleiben, denn es sollte danach mit einem langen Schlag bis in die Niederlande gehen. So konnten wir uns alle darauf vorbereiten: navigatorisch, aber auch mit genügend Schlaf. Es gab ein frühes Abendessen, und während wir alle zusammen um die Außenback herumsaßen lernten wir unseren Nachbarn, einen Köllner, kennen. Er erzählte uns im schönsten Kölsch einen Schwung aus seinem Leben uns brachte unserem immerhungrigen Wachführer eine Portion selbst gemachte Bolognese – damit blieb er uns die ganze Reise über in Erinnerung. 

Am nächsten Morgen legten wir dann ab; wir hatten gutes Wetter und wenig Wind, blieben also weiterhin von der Nordsee verschont und segelten entlang der Nordseeinseln und entlang des VTGs; so konnten wir uns tagsüber an den Verkehr gewöhnen, unter den sich sogar die Queen Mary mischte! Wir fuhren auch unser erstes MOB-Manöver, um einen großen, orangenen Gummistiefel zu bergen. Das konnten wir leider nicht bei jedem Müllstück tun, das aus dem VTG herübergeschwemmt wurde, aber zumindest der Stiefel begleitete uns dann auch auf der ersten Nachtfahrt unserer Reise: während des Sonnenunterganges gab es Couscous, dann wechselten wir ins Wachsystem und kamen mit der GII gut durch die Nacht. Auch wenn weitere Bekanntschaften nicht ausblieben; so hatte die Hundewache das Glück, einem lichterloh leuchtenden Bagger zu begegnen. 

Tagsüber konnten wir die GII noch ausbaumen, dann nahm der Wind und die Welle zu. Wir hatten eigentlich vor in Amsterdam anzulegen, diese Rechnung hatten wir aber ohne die „Amsterdam Sail“ gemacht. Natürlich waren alle Liegeplätze belegt, uns so segelten wir dann 30sm weiter bis Scheveningen (Den Haag). Trotz der eigentlichen Vorfreude auf Amsterdam war die Stimmung an Bord sehr gut, und wir kamen gut durch. Das Segelbergen vor Scheveningen war bei viel Wind und Welle dann entsprechend ruppig, im Bugkorb wurde Fahrstuhl gefahren und es waren am Ende bis auf den Rudergänger alle nass – aber auch zufrieden. Der Hafen lockte uns mit Duschen, es gab Carbonara, und am nächsten Tag einen Hafentag, den wir für kleinere Reparaturen an Bord, großes Klarschiffmachen an und unter Deck, und danach für einen ausgiebigen Landgang durch Den Haag nutzten. Abends testeten wir ein neues Yachtschulrezept, das Mads vorbereitet hatte (wir wechselten uns bei der Essensvorbereitung ab): Linsen-Dhal, das sogar Eva mochte! Außerdem brachte unser Skipper vom Segelausstatter eine Ausgabe des „North. V. Trimm“ (das nicht mehr aufgelegt wird) und einen Channel Pilot mit, und so vervollständigte sich unsere Bordbibliothek. 

Von Scheveningen aus ging es nach Zeebrügge: bei 15-20kn und viel Welle hatten nicht alle Spaß. Dazu kamen die ersten Erkältungen, und vor Rotterdam war die Navi unter Deck gepaart mit schwerem Seegang doch herausfordernd. Neben den Schwimmwesten, die beim Segeln immer getragen werden, hatten wir an solchen Tagen alle auch einen Lifebelt dabei. So konnten wir uns auch auf der Kante einpicken. Wir segelten gerefft und konnten im Vorhafen bergen. Es wurde geduscht, und einige von uns führte ein Landgang durch den Ort. Leider schafften wir es nicht mehr nach Brügge, am nächsten Morgen brachen wir wegen guter Winde dann doch wieder auf. 

Auf dem Weg nach Dunkerque/Dünkirchen, unserem ersten französischen Hafen, hatte wir dann wieder gutes Segelwetter und kamen mit der GII und Staysail weit durch den Tag. Anspruchsvoller war die Navigation, denn uns umgab neben einigen Untiefen auch viel Verkehr. Bis hierhin hatten wir sowieso schon gemerkt, wie viel Kommunikation auf der Nordsee nötig ist, auch den Hafen Dunkerque funkten wir vorher an, denn wir liefen erst in der Dämmerung ein (mit vorherigem Champagnersegeln durch den Sonnenuntergang, die Nordsee war wirklich gut zu uns). Schon während der Einfahrt beeindruckte uns die lange Mole, die an die Rettungsaktion des Zweiten Weltkriegs erinnert. 

In Dunkerque legten wir einen Hafentag ein, denn eigentlich sollte heute Jonas als Crewmitglied dazustoßen. Leider musste er krankheitsbedingt absagen, so wurde durch den Ort gebummelt, eingekauft, es ging zum Segelausstatter und auf Fahrradtour. Wieder einmal bekamen wir im Hafen die Gezeiten zu sehen: die Pollerspitze, die wir zwischendurch noch fast berühren konnten, befand sich wenige Stunden später meterweise über unseren Köpfen! Daran wie sich die Häfen über den Tag veränderten gewöhnten wir uns die ganze Reise über nicht. Abends gab es Burger und dann ging es früh in die Koje, denn morgens sollte es früh losgehen um vor Kippen des Stromes um das Cap vor Calais herumzukommen. 

Das hieß: um 0300Uhr aufstehen, was die Laune an Bord aber nicht langfristig minderte. Wir segelten bei Sonnenaufgang an den Steilküsten entlang, genossen die Aussicht, und kamen gut um das Cap herum. Immer noch begleitet vom VTG segelten wir die Küste herunter und steuerten eigentlich Dieppe an. Während des Segelns wurden aber auf die Wetterlagen betrachtet, und weil sich noch ein gutes Fenster auftat, bevor es dann richtig windig werden sollte, wurde die Route doch noch etwas angepasst. Es kam nämlich der Wunsch auf, es einmal nach England zu schaffen. Bei flauen Winden wurde also die Navigation nach Portsmouth gemacht, wir drehten noch ein Stück weit ab, um näher an die Küste mit genügend Netz auch die Einreise nach England zu organisieren. So war es unter Deck etwas stressig, die Border Control, etliche Formulare und alle Reisepässe mussten unter einen Hut gebracht werden. Währenddessen schien an Deck die Sonne, die Flaute wurde für eine kurze Badepause genutzt – es kann nicht jede*r von sich behaupten, einmal im Kanal baden gewesen zu sein! 

Und dann folgten wir dem Knick des VTGs, auch die Winde nahmen zu, wir konnten mit Gennaker in die Dämmerung segeln (und unser Glück kaum fassen, damit hätten wir nicht gerechnet). Der Genni wurde vor Wachbeginn geborgen, es gab wärmende Nudelsuppe und einige Granaten (Dosenraviolen), und dann ging es in die Nacht. Wir querten die Einfahrt/Ausfahrt des VTGs, und hatten also gut zu tun: wir standen in regem Funkverkehr mit den Schiffen, hielten auch an Deck Ausschau und übten uns in Lichterführung. Bis auf einen Zwischenfall wurde uns freundlich ausgewichen, wir passierten Greenwich (was unaufregender war als gedacht, aber unter Deck in der Navi trotzdem kurz Logbuch vermerkt wurde) und drehten dann im Sonnenaufgang bei, damit wir um 0800Uhr die Border Control anrufen konnte. Wir wurden etwas nervös, weil wir dort erst einmal niemanden erreichten, warteten dann aber erst einmal ab und hatten einen wunderschönen Morgen mit türkisem Wasser und Ausblick auf die Steilküsten der Isle Of Wight. Es ging dann (mit gehisster Quarantäne-Flagge) hinein nach Portmouth. Wir machten fest in Gosport und klarierten unter Deck hektisch das Gröbste, denn unser Boot sah aus, wie es nach einer Nachtfahrt mit 12 Menschen eben so aussieht – die Border Control, bestehend aus drei freundlichen Briten, blieb aber an Deck und probierten sich an der Aussprache unserer deutschen Namen. Sie schienen ebenso hungrig zu sein wie wir, aber noch war das Frühstück nicht bereit: Laura und Rieke kochten unter Deck köstlichen Milchreis (er wurde mit Sherry abgeschmeckt), währenddessen wurde der Liegeplatz geklärt. Wir lagen letztendlich auf dem Werftgelände, der Hafen war nämlich voll mit Clipper Racern, die sich auf ihre erste Etappe vorbereiteten. In der Werfthalle konnten wir Foils begutachten, waren duschen und hielten Mittagsschlaf und freuten uns auf eine weitere Yachtschultradition: das Schinkenbegräbnis, ein Auflauf, den es dann zum Abendessen gab. Des Weiteren machten wir Bekanntschaft mit der riesigen Werftspinne und sichteten Bananen auf einem Segelboot (wo gibt es denn sowas?). 

Am nächsten Morgen machte sich beinahe die ganze Crew auf den Weg nach Portsmouth, wir erlebten die Briten beim In-der-Schlange-stehen und tranken gemeinsam einen kleinen Kaffee. Dann rief die Schiffsführung an – statt eines Hafentages musste es wegen anstehendem starken Wind doch direkt wieder zurück nach Frankreich gehen. Wir verdauten die spontane Umplanung mit einem Abstecher ins Musto-Outlet, wo wir uns alle mit praktischen Hosen, Pullovern und Jacken eindeckten. Als best-dressed Crew ging es zurück zur Kuh, wo wir alle noch einen Moment schlafen und auch schon Curry vorkochen konnten, bis es abends wieder losging. 

Kurs war Dieppe, jetzt aber wirklich! Dieses Mal passierten wir die VTG-Mündung deutlich entspannter, es folgte ein schöner Segeltag bis nach Nordfrankreich. Auch hier erwartete uns eine Steilküste, und auch die Aussicht auf einige Hafentage. In Dieppe wetterten wir ab: wir machten Landgänge zu Burg, zum Strand (mit kurzer Badeeinheit, wegen der starken Wellen aber eher anstrengend), zu der einen Kirche und dann zur anderen, und immer wieder in kleine Boulangeries. In Dieppe ließ es sich gut aushalten: eines Morgens wurde die Crew hier sogar von der Schiffsführung mit Pfannkuchen beglückt, einige davon (wer mochte) mit Calvados verfeinert. Auch kam hier wieder einmal die große Espressokanne und der Milchschäumer zum Einsatz, an den ruhigen Morgenden gab es auf dieser Reise wirklich guten Kaffee! Außerdem wurden hier Haare geschnitten, wir lernten die lokalen Franzosen kennen, gingen zum Markt und auch ins Museum. Wenn man schon nicht segeln kann… 

Einmal ging es für uns dann doch noch auf’s Wasser: wir wollten die Kuh in Fécamp der nächsten Crew übergeben. Es war ein Segeltag mit nicht wenig Wind, wir kamen schnell voran und freuten uns – auf diesem Kurs standen sogar mal zwei Wenden an, Manöver waren auf dieser Reise ansonsten insgesamt eher wenige nötig. 

In Fécamp wurden wir von einem sehr schaukeligen Steg und am nächsten Morgen von einer dafür umso freundlicheren (und englischsprachigen!) Hafenmeisterin empfangen. Wir verbrachten den Tag mit einer großen Putzaktion an und unter Deck: hier widmeten wir uns auch ausgiebig der Bilge, und allem, was am Ende einer Reise eben so dazu gehört: als am Ende von Segellast bis Pantry alles blinkte und blitze konnten wir das Boot guten Gewissens weitergeben, verabschiedeten uns schweren Herzens von unserer Kuh und fuhren in den Autos, in denen die neue Crew ankam in Kolonne wieder zurück nach Kiel. Wir holten auf dem sogar unseren Landgang in Brügge nach, dort hielten wir kurz zum Abendessen an, und kamen dann nach dem einen oder anderen Schlenker (auf See navigieren wir einfach deutlich besser als an Land) alle gut wieder in Kiel an. 

Wir haben auf dieser Reise die Nordsee kennen- und auch etwas lieben gelernt, sind immer noch dankbar für die schöne Zeit die wir gemeinsam hatten und für das Wetter, das uns so feine Segeltage bescherte.

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