Antigua. Melwin Finks „Sign For Com“ lieferte einen spannenden Segel-Krimi in der Class40 bei der Caribbean 600. Einziges weiteres deutsches Boot im 600-Seemeilen-Offshore-Rennen um elf karibische Inseln mit 500 Aktiven aus 26 Ländern war Hanno Ziehms KYC-Yacht „Moana“, die im RORC Transatlantic Race auf Platz zwei IRC Zero geholt hatte.
„Es war ein Rennen voller Höhen und Tiefen“, so die „Sign for Com“-Crew im Ziel nach drei Tagen und Nächten Non-Stop. Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein war der Startschuss gefallen – ganz wie es sich KYC-Mitglied Melwin Fink und Lennart Burke vorgestellt hatten. Das Class40-Duo von Next Generation Boating ging dieses Mal regattabedingt Vierhand an den Start, unterstützt von Nicolo Gamenara und Simon Koster. Den italienischen Gamenara hat Melwin in der Mini-Klasse schon mehrfach als Gegner auf dem Wasser getroffen. Koster, genannt Simi, schweizer Profisegler und Co-Skipper auf der IMOCA Hublot wurde zuletzt Vierter bei der Route de Rhum und Zweiter bei der letzten Transat Jacques Vabre auf seiner Class 40.
Mit ihrer Class40 „Sign for Com“ startete die frisch formierte Crew sicher, setzte sich stabil unter die vorderen Vier. Dann passierte es: Nach der Umrundung Saint-Martins rauschte das Großsegel nach unten: Der Knoten des Großfalls war geplatzt. Also: Kurs Kurs sein lassen und stabile Position fürs Fixing finden – auf in den Mast, Melwin! Erfolg! – Zurück auf Kurs – und aufholen!
Durch Flaute hinter Guadeloupe und Leichtwind vor Barbuda arbeitete die Crew sich wieder nach vorn – Richtung Podium. Vor Antigua dann entschied sich die führende Yacht für einen küstennahen Kurs. Die „Sign for Com“-Crew nahmen direkt Kurs aufs Ziel – und überholte auch sie. Nach 3 Tagen, 4 Stunden, 4 Minuten und 28 Sekunden querte die „Sign for Com“ als drittes Boot die Ziellinie. Nach Zeitstrafe stand fest: Platz zwei!
„Das Rennen war für unsere Pogo eigentlich nicht so gut,“ so Lennart Burke kurz nach der Zieleinfahrt. „Es gab viel Leichtwind und wir mussten oft am Wind segeln. Aber wir haben uns richtig gut durchgekämpft und Simi hat ‘ne richtig gute Navigation gemacht.“ Melwin ergänzte: „Er ist echt eine Waffe. Generell haben wir als Crew super gut funktioniert.“ „Und am Ende muss man sagen, lohnt es sich immer zu kämpfen. Niemals aufgeben!“, so Lennart mit einem glücklichen und sehr zufriedenen Lächeln.
Für Melwin und Lennart war die Caribbean 600 das erste Rennen im Regatta-Jahr 2024. Ihre nächsten Ziele: Der Atlantik Cup im Mai und die Transat Quebec Saint-Malo Ende Juni.
Hanno Ziehms KYC-Yacht „Moana“ hingegen ging schon mit frischer Regatta-Erfahrung an den Start. Im RORC Transatlantic Race hatte die Marten 49 im Januar nach 14 Tagen 13 Stunden 49 Minuten und 49 Sekunden auf See Platz zwei IRC Zero, Platz vier IRC Overall ersegelt. Lorenz Pinck, der die „Moana“ schon in Podiumsschnelle über den Atlantik gesteuert hatte, skipperte auch in der RORC Caribbean 600. Nach gesegelten 3 Tagen, 6 Stunden, 15 Minuten und 20 Sekunden segelte die Moana-Crew auf Platz 15 der IRC-Gesamtwertung und auf Platz acht in IRC Zero.
„Moana“-Skipper Lorenz Pinck ordnet ein: „Das exzellent organisierte Rennen hat seine Erwartungen in der Härte in der diesjährigen Edition eindeutig nicht bestätigt. Dafür haben wir drei sehr schöne Segeltage in den karibischen Gewässern genossen, jedoch mit etwas anderen Herausforderungen, gerade zum Ende hin war der immer schwächer werdende Wind eine große Anstrengung für die Nerven der sehr harmonierenden Crew auf Moana! Nahezu endlos zogen sich die letzten 35 NM bis in den späten Nachmittag des dritten Renntages hin. – Abgesehen von einem Kabelbruch am Windgeber haben wir das Rennen nichtsdestotrotz gut und unbeschadet überstanden. Dieser Defekt gestaltete insbesondere die Strecken hoch am Wind sowie die tiefen Genacker-Kurse sehr unangenehm und kostete uns wertvolle Minuten gegenüber der Konkurrenz.“
Der Navigator und Eigner der „Moana“ Hanno Ziehm ergänzt: „Beim RORC Transatlantic Race ging es darum die richtige Route zu wählen und ohne große Unterbrechungen das Schiff möglichst nah an/ über den Polardaten zu fahren. Das ist uns gelungen. Es gab keine größeren Havarien. Ein delaminierte Halterung vom Windgeber, ein gebrochenes Spifall und ein Tackbeschlag (spinnakerseitig) konnten rasch repariert werden.“
Das Caribbean 600 hingegen stellte „weitere Anforderungen an die Taktik, bei der ‚local knowledge‘ gefordert oder wenigstens hilfreich war“, erläutert er. „Wir waren froh, mit einem Teil der Crew hier beim in der Woche vor dem 600-Meilen-Rennen ausgetragenen Lord Nelson Cup etwas Erfahrung gesammelt haben zu können. Im Rennen selbst waren die großen Schiffe im Vorteil. Anders als üblich stand der Passat die Rennzeit nicht durch; nach zwei Tagen nahm der Wind ab und drehte über Süd bis West. So wurde aus dem 130 NM langen Reach in der Mitte des Rennens mit der Zeit eine volle Kreuz mit langer Flaute bei Guadeloupe. Die IRC Overall Platzierungsreihenfolge bildet bis auf wenige Ausnahmen die Teilnehmerliste von ‚Groß nach Klein‘ ab. Dort sind wir mit 15 aus 43 noch zufriedenstellend platziert. Es war ein vom RORC hervorragend organisiertes Event“, so der Eigner weiter.
Nach der Regattareihe heißt es erst einmal verschnaufen. Die „Moana“ bleibt über den Sommer zum Segeln an der US-Ostküste, im Rahmen des Transatlantikrennens 2025 geht es zurück nach Europa.
Text: Carina Wegner