Einen Tag vor Abschluss des olympischen Teils der Kieler Woche stand das Regattaessen des Kieler Yacht-Clubs ganz im Geiste der olympischen Idee. Rund 180 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport nahmen am Dinner im Kaisersaal an der Kiellinie teil. Ministerpräsident Daniel Günther und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer überbrachten die Grüße aus Stadt und Land, Tomasz Chamera, Vize-Präsident des Segelweltverbands World Sailing. Fred Hagedorn, Co-Founder der Sailing Grand Slam Series und olympischer Wegbereiter, gab in seiner Keynote Einblicke in die internationale Segelserie, die Vorbereitungen für Los Angeles 2028 und Tipps für eine deutsche Bewerbung.
„Über 1.600 Boote, bis zu 4.500 Aktive, über neun Tage – das ist die Kieler Woche 2025.
Die Regatta hat in diesem Jahr einiges zu bieten: 600 ILCA-Jollen mit einer Weltmeisterschaft, fast 100 iQFOiLer mit ihren Games am neuen Standort in Stein am Ostufer, top-besetzte Felder in 49er und 49erFX mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus über 65 Nationen“, berichtete der Vorsitzende des Kieler Yacht-Clubs, Dr. Hauke Berndt. „Und mit vier weiteren internationalen renommierten Regattaveranstaltungen sind wir Mitbegründer des neuen Sailing Grand Slams. Dies zeigt einmal mehr die Bedeutung der Kieler Woche im internationalen Vergleich“, betonte er.
„Wissen Sie, was fast auf den Tag genau vor 130 Jahren hier in Kiel gefeiert wurde“, fragte Hauke Berndt. Es war, erinnerte er, die Eröffnung des Kaiser-Willhelm Kanals. Wie auch die Olympischen Spiele 1972 ist der Kanal ein „sichtbares Zeichen dafür, welchen nachhaltigen Einfluss Infrastrukturprojekte auf eine Region haben können“, erläuterte der Vorsitzende. „Noch heute profitiert Kiel von dieser Infrastruktur, die Voraussetzung für die reibungslose Austragung der Kieler Woche sind“, unterstrich er.
„Kiel ist bereit für Olympia“
„Dies Jahr markiert einen Wendepunkt: Die offizielle Bewerbung Kiels als Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe hat begonnen. Unter dem Motto ‚Kiel ist bereit für Olympia‘ haben sich Land und Stadt mit vereinten Kräften positioniert. Ich danke Ministerpräsident Daniel Günther und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, dass ihr diesen Weg so geschlossen mitgeht – mit klaren Worten, aber auch mit klaren Taten, wie der Förderung einer zweiten Bootshalle“, lobte Hauke Berndt.
„Dass wir heute an einem Tisch sitzen – Vertreter von Stadt, Land, Sportverbänden, Partnern und Vereinen – ist kein Zufall. Es ist Ausdruck eines gemeinsamen Willens. Wir wissen: Das Nationale olympische Komitee wird 2026 entscheiden, mit welchen Austragungsorten Deutschland sich bewirbt – und ob Kiel Teil dieser Bewerbung wird. Wir wissen auch: Das ist kein Selbstläufer. Aber: Wir sind bereit und zeigen mit einer erfolgreichen Kieler Woche, dass wir Kiel Sailing City wirklich ernst meinen“, betonte Hauke Berndt.
„4.000 Sportlerinnen und Sportler – das ist das Zehnfache an Sportlerinnen und Sportlern die bei den olympischen Spielen an Segelwettbewerben teilnehmen“, strich Ministerpräsident Daniel Günther heraus.
Der Ministerpräsident untermauerte die Unterstützung der Landesregierung für die Idee, Olympia nach über 50 Jahren wieder nach Deutschland, in den Norden, zu holen. Das beste Segelrevier, sportbegeisterte Menschen, wie es das Pro-Olympia-Votum 2015 gezeigt hat: Kiel biete beste Voraussetzungen für eine erneute Austragung der Wettbewerbe. An Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer gewandt, schwärmte er vom Teamgeist im olympischen Dorf, träumte von der Chance mit einem friedlichen Wettbewerb ein starkes Signal in die Welt zu senden und versprach, gemeinsam mit der Landesregierung weiter dafür zu werben.

„Man bekommt Olympische Spiel nicht geschenkt“, mahnte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer angesichts der starken Wettbewerber um die Austragung der Spiele, zeigte sich aber dennoch überzeugt: „Wir werden das schaffen!“ Der Machergeist der Krusenkoppel, ein Event für alle, umsonst und draußen – was die Kieler Woche auszeichnet, soll auch für Olympia wirken, wünschte sich der Oberbürgermeister und träumte von einem Ereignis, hinter dem sich die ganze Nation versammelt. Dass Kiel das kann, zeige die Stadt neben der Kieler Woche auch mit anderen Großereignissen wie „The Ocean Race“ oder der Handball-WM 2027.
Tomasz Chamera, Vize-Präsident von World Sailing, betonte die Bedeutung, die die Zusammenarbeit mit der Kieler Woche für den Weltseglerverband hat. Die Kieler Woche wachse nun schon seit über hundert Jahren, biete fantastische Möglichkeiten für das Segeln, die Seglerinnen und Segler.
Hauke Berndt begrüßte den Keynote Speaker: Fred Hagedorn Co-Founder der Sailing Grand Slam Series und u.a. Leiter der Pan American Sailing Federation, Vorsitzender des US Sailing Olympic Committee und Mitglied des World Sailing Council, der die olympischen Spiele in Paris 2024, Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 US- und weltverbandsseitig vorangetrieben hat.
Fred Hagedorn dankte Dirk Ramhorst, für seine die Initiative zur Schaffung des Saíling Grand Slam. Der Sailing Grand Slam (SGS) verbindet fünf der bedeutendsten und renommiertesten Regatten im olympischen Segelkalender – Trofeo SAR Princesa Sofía auf Mallorca, die Semaine Olympique Française in Hyères, die Dutch Water Week in Almere sowie die Long Beach Olympic Classes Regatta in den USA – zu einer internationalen Serie.
Gemeinsam vereinen die Regatten mehr als 200 Jahre Erfahrung in der Veranstaltung namhafter Events für verschiedene Segelklassen auf sich, wie der Co-Founder betonte.
Im Netzwerk wollen sie einander helfen, voneinander lernen und durch die Kooperation besser werden, ohne den besonderen Charakter jedes einzelnen Events zu gefährden.
„Die Athleten, die in den kommenden Jahren an unseren Events teilnehmen, werden hier ihre Lust am Wettbewerb, ihr Ziel, die Besten zu sein und an den olympischen Spielen, die hoffentlich in einem dieser Jahre in Deutschland veranstaltet werden, teilzunehmen entdecken“, unterstrich der Keynote Speaker.
Los Angeles 2028 und die deutsche Bewerbung
Für die nächsten olympischen Spiele sind, wie der Vorsitzende des US Sailing Olympic Committes berichtete, nach wie vor zwei Standorte in der Diskussion, San Pedro und Long Beach. Fred Hagedorn betonte die Bedeutung von Planungssicherheit, die insbesondere Wassersportler bei der Vorbereitung auf Olympische Spiele brauchen, beruhigte aber sogleich: Faktisch werde das Segelrevier dasselbe sein, egal für welchen Standort an Land man sich entscheide, das etablierte Olympiarevier von 1932 und 1984.
Für eine deutsche Bewerbung bat Fred Hagedorn die Mitwirkenden eindringlich, darauf hinzuwirken, dass Segeln hier, wie bei allen bisherigen olympischen Spielen der Neuzeit, einen integralen Bestandteil darstellt.
„Wenn man ‚olympisches Segeln‘ und ‚Deutschland‘ sagt, ist das nächste Wort, dass jeder Segler auf der Welt assoziiert, ‚Kiel‘“, so das Mitglied des World Sailing Councils mit Blick auf die Wettbewerber um die Austragung der Segelwettbewerbe. „Ich wünsche Deutschland das Beste bei der Zusammenstellung einer Bewerbung. Ich wünsche Kiel die besten Möglichkeiten sicherzustellen, dass Segeln für die nächsten Spiele in Deutschland zurück nach Kiel kommt“, schloss er.