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Schiffertisch: Moanas Grand Tour

Kiel. Dafür erhielt die Crew der Marten 49 „Moana“ den Schlüsselpreis der Stadt Bremen. Am 06. März nahmen Dr. Hanno Ziehm und sein Sohn Robert die Gäste des Schiffertisches mit auf ihre Grand Tour: Ein Regatta- und Fahrtenabenteuer über den Atlantik und zurück nach Schilksee.

Robert (li.) und Hanno (re.) Ziehm nehmen die Gäste des Schiffertisches mit auf die Grand Tour ihrer Moana (c) Carina Wegner/ KYC

Am Blücherplatz wurde die Idee geboren: Einmal auf große Fahrt mit der „Moana“. Bis jetzt hat sich die Marten 49 vorwiegend bei den Middle Sea Races gemessen. Nun kann der Performance Cruiser zeigen, was in ihm steckt!
Nach dem Middle Sea Race 2023 geht es nicht zurück ins südfranzösische Cogolin, sondern weiter nach Lanzarote – Ziel: Grenada, Karibik.
Als sie im Spätsommer 2025 in Schilksee ankommen haben sie rund 13.000 sm auf der Logge. Rund zwei Jahre war die „Moana“ unterwegs – und hat kaum eine Herausforderung ausgelassen: Sieben Regatten standen auf dem Plan, zwei Atlantikquerungen. Die Crew: Familie, Freunde und junge Segler*innen, u.a. aus dem Kieler Yacht-Club. „Wir segeln aus Prinzip nicht mit Profis“, erzählt der Eigner, Dr. Hanno Ziehm. Gemeinsam kümmert die Crew sich um die „Moana“, in Teams übernehmen sie Aufgaben wie Proviantierung und Bootspflege. „Eines unserer wichtigsten Crewmitglieder in den vergangenen Jahren war Tom Wehde. Er ist ein begnadetet Bootsbauer“, so Hanno Ziehm weiter über den SG-ler und ehemaligen Yachtschüler. Auch Nis Hamer aus der Schulungs­gruppe ist seit langen Jahren Teil der Crew.

Im Januar 2024 fällt der Startschuss fürs 10. RORC Transatlantic Race. Die „Moana“ startet erstmals über den „großen Teich“ – ohne Robert Ziehm. „Ich hatte mich so gefreut, mit meinem Sohn dieser Reise machen zu können“, erzählt Hanno Ziehm. Bei der Abschlussfeier für die Transatlantiksegler war es passiert: „Robert brach sich den Arm, konnte nicht mit.“ Ein Rückschlag, aber kein K.O. für die große Tour.
Die Wetterprognose für die kurze Nordpassage war herausfordernd. Navigator Hanno Ziehm empfahl einen südlichen Kurs, erst auf Höhe der Kapverden ging es mit dem Passat gen Westen. „Bis zu den Kapverden hatten wir viel Schiffsverkehr, viele ohne AIS. Sobald wir den Passat erreicht hatten, waren wir allein“, erzählt der Eigner. Dann fiel auch die Iridium-Verbindung aus. „Nach einigen Stunden entdeckten wir einen Tanker auf dem AIS, in 70 sm Entfernung. Über Funk baten wir sie, eine Mail nach Deutschland zu schicken“, so der Eigner weiter. Das half. Die „Moana“ hatte wieder Netz – Wetterprognosen und die Chance auf Kontakt zu den Lieben daheim.
Wieder und wieder fängt sich Seegras im Propeller, gefährdet das Weiterkommen. Fliegende Fische, Astronautennahrung und Reparaturen von Windgeber bis Spifall – 14 Tage, 13 Stunden und 49 Minuten später erreicht die Crew der „Moana“ als zweite ihrer Gruppe Grenada. [Der RORC berichtet im Moana-Feature und auf seinem Youtube-Kanal.]- Klar ist: Der Propeller muss gehen! Flugs wird ein Wechsel arrangiert.

Geschafft! Die Moana-Crew im Ziel des RORC Transatlantic Race (c) Arthur Daniel/ RORC

Von dort geht es nach Guadeloupe, zum großen Wiedersehen mit Familie und Freunden. „Wenn die Deutschen kamen, legten sie Abba auf“, lächelt Hanno Ziehm in Erinnerung an den nächsten Stopp, Antigua. Von dort startet die „Moana“ ins RORC Caribbean 600, 600 Seemeilen offshore um elf karibische Inseln mit 500 Aktiven aus 26 Ländern. Gute Karten hat, wer sich vor Ort auskennt. „Wir waren froh, mit einem Teil der Crew hier beim Lord Nelson Cup etwas Erfahrung gesammelt haben zu können“, sagt Hanno Ziehm.

Nächstes Ziel: Die Offshore-WM vor Newport. Robert Ziehm übernimmt das Steuer für die Überführung in die Staaten. In Windeseile schirrt er mit seiner Crew das Schiff vom Racer zum Cruiser: Der Container hat lange auf sich warten lassen. – Fahrtensegelgarderobe, Anker, Tische und Türen, Proviant an Bord? Leinen los!
„In der Karibik habe ich den Schengen-Raum noch einmal ganz neu schätzen gelernt“, erzählt Robert Ziehm: So klein die Sprünge von Insel zu Insel, so umfangreich die Formalitäten: „Es dauerte jedes Mal Stunden, bis wir einklariert waren“, so der junge Skipper. Bei einem nächsten Mal würde er wohl längere Schläge fahren.
Die US-Ostküste ist nicht unbedingt auf Segler eingerichtet. Das lernt Robert schnell, als er in Miami festmachen will. Erst nach Polizeieinsatz und fünf Stunden Verhandlungen über Funk kann die Mannschaft dort an Land gehen.

Hanno Ziehm und seine neue Crew übernehmen, segeln die US-Ostküste hoch. In Charleston treffen sie auf Melwin Fink und Lennart Burke, neben ihnen die einzige deutsche Crew im Caribbean 600. – Eine schicksalhafte Begegnung: „Tom und die beiden haben sich hier das erste Mal getroffen“, erzählt der Eigner. – Im Dezember entscheidet sich dann: Tom Wehde nimmt Kurs aufs Mini-Transat 2027 – im Verbund mit Melwins und Lennarts Projekt „Next Generation Sailing“.

„Ein echtes Highlight war dann unser Liegeplatz in New York: Brooklyn mit einem Blick auf Downtown Manhattan“, schwärmt Hanno Ziehm. Von dort geht es ins Mekka des Segelsports, nach Newport, zur ORC-WM, veranstaltet vom New York Yacht Club. Die „Moana“ hat inzwischen ihren dritten Propeller: Der zweite hat sich auf der Fahrt verabschiedet, die Marten 49 vorübergehend zum reinen Segelschiff werden lassen.
Erst zum Start des Transatlantic Race aber öffnen sich für die „Moana“-Crew dann die Türen des 1844 gegründeten Clubs. Wer an dem Rennen über den Atlantik teilnimmt, qualifiziert sich, anders als die Offshore-WM-Segler, für den Empfang, lernen Hanno Ziehm und seine Crew.
„Wir wünschen euch eine gute Fahrt, nehmen dann in Cowes gern eure Leinen an“, verabschiedet sich die Crew der Haspa forsch. Es soll ein spannendes Rennen werden. Im 4er-Wachsystem schießt die „Moana“ über den Atlantik. In der Flaute holen die Verfolger auf. Wieder und wieder. Am Ende kommt die Moana eine Minute, vierzig Sekunden vor ihrem Verfolger ins Ziel. „Rund zehn Minuten später kam die Haspa an“, lächelt Hanno Ziehm. Der Gruppensieg war ihnen sicher. [Der RORC berichtet.]

Die Moana GER 5549 2025 beim Transatlantic Race 2025 (c) Paul Wyeth/ RORC

Cowes? Ja, hier startet das Rolex Fastnet Race. Wen wundert’s, dass die „Moana“-Crew auch das nicht auslässt – spontan unterstützt von ex-Yachtschulleiter Niklas Schubert, der Mastbruch-bedingt nicht wie geplant auf der „Red Bandit“ starten kann – bevor sie sich auf den Weg zurück nach Schilksee macht?

Die „großartige Mannschaftsleistung“ der „jungen Amateur-Crew (Altersdurchschnitt 27,2 Jahre) um Hanno Ziehm“, insbesondere beim Transatlantic Race, findet Anerkennung: „Es ist ein toller Erfolg über die lange Distanz von mehr als 3.000 sm, von Newport (USA) nach Cowes (UK), über zwei Wochen hinweg das Boot, immer konzentriert am Limit zu segeln und am Ende mit dem Sieg in der Gruppe IRC-1 belohnt zu werden, ohne dabei auf die Dienste bezahlter Profisegler zu setzen“, lobt der Preisausschuss des „Schlüssel-Preises der Freien Hansestadt Bremen“ im Herbst 2025. Der Preis wird für Spitzenleistungen deutscher Yachten bei Hochsee-Regatten im Ausland verliehen.

Aisgezeichnet: Die Crew der Moana mit dem Schlüsselpreis der Hansestadt Bremen beim Hochseeseglerabend 2025 (c) Carsten Heidmann/ SKWB

Anerkennung finden die „Grand Tour“ und die unterhaltsam erzählten Geschichten auch bei den Gästen des Schiffertisches. Nach dem Vortrag nehmen Hanno und Robert Ziehm sich im Kaisersaal und in der Lounge Zeit für die Fragen der Gäste. Ihre nächsten Pläne? Gotland Runt, von Helsinki aus das RORC Baltic Sea Race und das 400 Islands bzw. Tanis von der Mosel Race. „Wir könnten noch ein, zwei Segler*innen mehr mitnehmen“, lächelt der Hanno Ziehm. Ob dafür wieder Yachtschüler oder SG-ler ihren Hut in den Ring werfen?

Zum zweiten Mal präsentieren sich auf dem Schiffertisch auch Firmen aus dem maritimen Bereich, die SPW GmbH aus Bremerhaven, bekannt für ihre Drehflügelpropeller, sowie die Motorenwerkstatt MWA Augustin GmbH aus Kiel, beide Anzeigenkunden des Mitteilungs­blatts.

Text: Carina Wegner

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