Der 27. blueribboncup in seinem 29. Jahr bot den teilnehmenden Crews auch in diesem Jahr alles, was den Reiz des Offshore-Segelns ausmacht: Flautenphasen, anspruchsvolle Windbedingungen, spannende Positionskämpfe und gesellige Abende an Land. Nach dem Start der Hinregatta von Kiel nach Aarhus am Mittwochabend und der Rückregatta am Samstagmorgen blickte der Veranstalter positiv auf ein ereignisreiches Regattawochenende zwischen Deutschland und Dänemark zurück.
Die Hinregatta war geprägt von zeitweise eher schwachen Winden. Besonders im kleinen Belt und auf den letzten Seemeilen vor Aarhus war bei einigen Crews viel Geduld gefragt. Eine ausgedehnte Flautenzone vor dem Ziel sorgte dafür, dass zahlreiche Yachten über längere Zeit nahezu auf der Stelle standen. Für zwei Crews wurde die Zeit schließlich knapp: Sie verpassten das Zeitlimit und konnten nicht mehr gewertet werden. Als erste Yacht erreichte die „Calypso“, GER 8088 von Dr. Gerhard Clausen den Zielhafen Aarhus. Mit dieser Leistung sicherte sich die Crew den Steuermannspreis von 1970 für die erste Yacht im Ziel der Wettfahrt Kiel-Aarhus. Die Siege in den ORC-Wertungen gingen an die „Elida“ von Daniel Baum in ORC I sowie an die „MarieJo“ von Tobias Brinkmann in ORC II.
Auch an Land kam die Regatta bestens an: Nach dem beliebten Hot-Dog-Empfang in Aarhus und das dänische Frühstücksbuffet am nächsten Tag, bildete das gemeinsame BBQ im Anschluss an die Siegerehrung am Freitagabend einen weiteren Höhepunkt des Rahmenprogramms. Bei bester Stimmung wurde noch bis spät in die Nacht gefeiert, bevor der Fokus wieder auf die anstehende Rückregatta gerichtet wurde.
Aufbruch nach Kiel: Die blueribboncup-Flotte verlässt Aarhus und nimmt Kurs auf die deutsche Ostseeküste. Foto: Point of Sailing
Mit viel Wind und sportlichen Bedingungen machte sich die Flotte von Aarhus aus auf den Weg zurück nach Kiel. Für die „Caelestia“ war das Rennen jedoch bereits kurz nach dem Start beendet. Die Crew informierte das Race Committee unmittelbar nach dem Start per Funk darüber, dass sie die Wettfahrt beenden musste, nachdem sich das Achterliek des Großsegels gelöst hatte. Besonders schade war dies, da das Team bei der Social-Media-Challenge zu den führenden Teilnehmern gehörte und dort beste Chancen auf eine Spitzenplatzierung hatte.
Auf der Rückregatta wartete eine völlig andere Herausforderung als noch auf der Hinregatta: Während auf dem Weg nach Aarhus wenig Wind und längere Flautenphasen das Geschehen bestimmten, zeigte sich die Ostsee auf dem Rückweg von ihrer raueren Seite. Kräftige Winde forderten von den Crews volle Konzentration und seglerisches Können. Wie hart die Bedingungen zeitweise waren, zeigte ein eher ungewöhnlicher Vorfall an Bord einer Yacht. Ein Crewmitglied verlor während der Rückregatta einen Zahn. Ein anderer Teilnehmer verzichtete angesichts der vorhergesagten Bedingungen sogar auf den Start und trat die Rückreise bereits am Freitag auf eigenem Kiel an.
Auf der Rückregatta nach Kiel setzte die „Vineta“ als schnellstes Schiff des Feldes ein Ausrufezeichen und erreichte bereits nach rund zehn Stunden Segelzeit die Ziellinie. Auch nach berechneter Zeit hatte die „Vineta“ von Wolf Scheder-Bieschin die Nase vorn und sicherte sich den Sieg in der ORC-I-Wertung. In ORC II bestätigte die „MarieJo“ von Tobias Brinkmann ihre starke Form und gewann nach ihrem Erfolg auf der Hinregatta auch die Rückfahrt nach Kiel.
Nicht alle der im Vorfeld gehandelten Favoriten konnten ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben. Dennoch zeigte sich, dass sich einige der genannten Crews erneut im Spitzenfeld behaupten konnten. Die „RED 2“ von Mathias Müller von Blumencron unterstrich ihre Ambitionen eindrucksvoll und segelte auf Platz drei der ORC-I-Wertung auf dem Weg nach Aarhus sowie auf Rang zwei der Rückregatta nach Kiel. Auch die Vorjahressiegerin „XENIA“ war wieder vorne mit dabei und segelte auf der Rückregatta auf Platz drei der ORC-I-Wertung. Die Titelverteidigung gelang jedoch nicht: Die großen Trophäen gingen in diesem Jahr an andere Crews. Während die „Elida“ die Wettfahrt von Kiel nach Aarhus sowie die damit verbundene Aarhus-Trophy gewann, krönte die „Vineta“ ihren Erfolg auf der Rückregatta mit dem Gewinn des prestigeträchtigen R.T. Dixon Challenge Cup für die beste Gesamtleistung nach ORC. Auch die Frage nach einer erfolgreichen Titelverteidigung der „OROMOCTO“ wurde nur teilweise beantwortet: Zwar reichte es nicht zum Sieg ihrer Klasse, mit Podiumsplätzen bei beiden Regatten und dem Gewinn des Zukunft-Preises der Jugend gehörte die Crew dennoch zu den prägenden Teams des diesjährigen blueribboncup.
Humor, Teamgeist und jede Menge kreativer Content: Die „Peggy“ und die „Störtebecker“ begeisterten mit ihren Beiträgen und gewannen gemeinsam die Social-Media-Challenge der Hinregatta. Foto: Point of Sailing
Mit großer Begeisterung wurde auch die diesjährige Social-Media-Challenge angenommen. Zahlreiche Crews dokumentierten ihre Erlebnisse auf See und gewährten humorvolle, kreative und oft sehr persönliche Einblicke in den Regattaalltag. Von spektakulären Gennaker-Aufnahmen über nächtliche Wachen bis hin zu selbstironischen Kommentaren und inzwischen legendären Bord-Memes entstand ein bunter Mix, der die Regatta auch für die Daheimgebliebenen erlebbar machte. Die Jury zeigte sich beeindruckt vom Einfallsreichtum der Teilnehmenden und sprach von „einer Freude“, die Crews auf ihrem Weg nach Aarhus und zurück begleiten zu können. Auf der Hinregatta fiel die Entscheidung besonders schwer. Am Ende teilten sich die Crews der „Peggy“ und der „Störtebecker“ den Sieg, nachdem beide mit Witz, Kreativität und originellen Beiträgen überzeugt hatten. Auf der Rückregatta setzte sich die „Störtebecker“ schließlich erneut durch. Die Jury lobte dabei nicht nur die seglerische Leistung der Crew, sondern auch die Leidenschaft, mit der ihre Geschichte erzählt wurde: „Wer bei knapp 20 Knoten Speed noch Videos schneidet, hat wirklich Freude am digitalen Erzählen.“ Eine bessere Werbung für den blueribboncup und den Offshore-Segelsport könne man sich kaum wünschen.
Organisatorisch wurden die Veranstalter in diesem Jahr vor Herausforderungen gestellt. Erstmals musste die Zahl der Meldungen begrenzt werden. Die Kapazitäten im Zielhafen Aarhus und die hohe Zahl voll besetzter Crews führten dazu, dass nicht alle gemeldeten Boote an die Startlinie gehen konnten. „Natürlich fällt es uns nicht leicht, treuen Teilnehmerinnen und Teilnehmern absagen zu müssen. Gleichzeitig freuen wir uns sehr über das große Interesse am blueribboncup. Es zeigt, dass sich die familiäre Idee der Regatta über die Jahre bewährt hat“, sagt Organisationsleiter Ecki von der Mosel. Die hohe Nachfrage unterstreicht einmal mehr die Bedeutung des blueribboncup als festen Treffpunkt der Offshore-Szene und bestätigt die besondere Mischung aus sportlichem Wettbewerb und familiärer Atmosphäre, die die Regatta seit vielen Jahren auszeichnet.
Nächster blueribboncup 1. September 2027!
Sieger Hinregatta Kiel-Aarhus
ORC I
- “ELIDA”, GER 7722, Daniel Baum
- “Störtebecker”, GER 7007, Cosima Cramer
- “Red 2”, GER 8500, Mathias Müller von Blumencron
ORC II
- “MarieJo”, GER 8778, Tobias Brinkmann
- “Oromocto”, GER 884, Kai Greten
- “Rentnerbank”, GER 8340, Lorenz Jensen
Sieger Rückregatta Aarhus-Kiel
ORC I
- “Vineta”, GER 8501, Wolf Scheder-Bieschin
- “Red 2”, GER 8500, Mathias Müller von Blumencron
- “Xenia” GER 6544, Ralf Lässig
ORC II
- “MarieJo”, GER 8778, Tobias Brinkmann
- “Rentnerbank”, GER 8340, Lorenz Jensen
- “Oromocto”, GER 884, Kai Greten
Die „Ewigen Wanderpreise“ gewannen
- Aarhus-Trophy für das beste Boot nach ORC der Wettfahrt Kiel – Aarhus: „Elida“
- Steuermannspreis von 1970 für die erste Yacht im Ziel bei der Wettfahrt Kiel – Aarhus: „Calypso“
- KYC-Trophy für das beste Boot nach ORC der Wettfahrt Aarhus – Kiel: „Vineta“
- R.T. Dixon Challenge Cup für den Kaiserlichen Yacht Club 1912 für das beste Boot nach ORC über alles: „Vineta“
- Carl-Grage-Gedächtnispreis von 1957 für die beste Gesamtzeit aus beiden Wettfahrten: „Störtebecker“
- Zukunft-Preis der Jugend für die Hin & Rückregatta: Verliehen an das schnellste Boot, dessen Besatzung (mit Ausnahme des Skippers & des Trainers) zum Zeitpunkt des Startdatums ausschließlich aus Seglern im Alter von 28 Jahren oder jünger besteht: „Oromocto“