Baden Baden. Die Entscheidung ist gefallen: München wird der deutsche Bewerber um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 – mit Kiel als Segelstandort.
Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war es ein spannendes Rennen. Zur Wahl standen die Olympiakonzepte aus München und Köln-Rhein-Ruhr.
Sechs Landesseglerverbände, die 75% der deutschen Segler*innen vertreten, hatten sich für Kiel als Austragungsort der Segelwettbewerbe ausgesprochen. „München und Kiel sind ein perfektes Match. Das gemeinsame Doppel von 1972 lebt wieder auf – Süd und Nord machen gemeinsame Sache. Beide Standorte stehen für hohe Qualität und internationale Strahlkraft. Kiel ist eine Top-Adresse im Segeln und München ist eine der weltweit besten Sportstädte überhaupt“, hatte Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder am Montag vor der DOSB-Entscheidung verkündet. Er ist sicher: „München und Kiel bieten das beste Gesamtpaket für international erfolgreiche Spiele.“
42 olympische Sportverbände sowie das Präsidium und persönliche Mitglieder des DOSB, 141 Stimmen, hatten die Wahl. Bereits im ersten Wahlgang fiel die Entscheidung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Chef Thomas Weikert verkündeten das Ergebnis: Deutschland bewirbt sich mit München um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Die Entscheidung fiel mit 91:50 Stimmen, wie der DOSB im Nachgang auf der Pressekonferenz verkündete. Ein klares Votum für München und Kiel.
Die Entscheidung wurde in der ARD und im Livestream der Sportschau verkündet.
„Diese Entscheidung ist fantastisch. Was für ein großartiger Erfolg und Vertrauensbeweis“, so Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther in Baden-Baden, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland zitiert. „Wenn die deutsche Bewerbung erfolgreich ist, werden auf der Kieler Förde wieder olympische und hoffentlich auch erstmals paralympische Segelwettbewerbe ausgetragen. Mit Kiel ist der Standort gewählt, an dem der Segelsport in Deutschland zu Hause ist.“
Im April hatte sich eine Mehrheit von 63,5 Prozent der Kielerinnen und Kieler in einem Bürgerentscheid für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Der olympische Segelsport hat in Schleswig-Holstein Tradition – Kiel war bereits zweimal Austragungsort der Wettkämpfe. Hinzu komme die bis heute herausragende internationale Segelsportkompetenz Kiels, sagte der Ministerpräsident: „Mit dem Olympiazentrum Schilksee und dem Bundesstützpunkt bietet Kiel hervorragende Voraussetzungen.“ Darüber hinaus zeige die Kieler Woche jedes Jahr, wie viel Erfahrung und Begeisterung für den Segelsport hier zusammenkommen. „Kiel hat sich als Austragungsort hochklassiger internationaler Wettbewerbe bewährt – und ist eine Stadt, die die Welt zum Segeln einlädt“, so Daniel Günther
Landtagspräsidentin Kristina Herbst betonte gemäß NDR: „Die Entscheidung ist eine große Chance, unsere lange olympische und maritime Tradition fortzuschreiben und zugleich ein neues Kapitel aufzuschlagen. Besonders freut mich, dass nicht nur alle Fraktionen des Schleswig-Holsteinischen Landtages, sondern auch so viele Menschen in Kiel hinter der Bewerbung stehen und damit deutlich gemacht haben: Wir wollen die Olympischen und Paralympischen Spiele und wir trauen uns zu, Gastgeber für die Welt zu sein.“
„Das ist ein großartiger Tag für Kiel und für ganz Deutschland! Wir haben in den vergangenen Jahren mit großer Leidenschaft und viel Engagement für Olympia in Kiel gekämpft – und jetzt ist der Traum Wirklichkeit geworden“, zitiert „Zeit online“ Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz.
Im Kieler Yacht-Club versammelten sich Segler*innen, Mitglieder und Gäste, um die Live-Übertragung aus Baden-Baden gemeinsam zu verfolgen. „Am Anfang habe ich gedacht, dass die Entscheidung ja schon feststeht. Dann war ich aber schon aufgeregt“, so 49er-Segler Frederik Schwall in den Kieler Nachrichten. Nun ist der Segler voll motiviert und hofft, olympisches Segeln an der Förde zu erleben: „Ich glaube, das wird mega.“ 49erFX-Seglerin und SailGP-Strategin und Anna Barth sagte im Kieler Yacht-Club gemäß Yacht: „Wir kennen es vom SailGP in Sassnitz. Da bebt die Tribüne, wenn wir vor heimischen Fans segeln. Ich glaube, dass wir ein ähnliches Feuer in Kiel entfachen können. Man hat es ja schon beim Start zum Ocean Race Europe sehen können, wie viele Menschen sich das an der Promenade angeschaut haben. Das wird auf jeden Fall gigantisch.”
Auch Heiko Kröger, Goldmedaillengewinner im paralympischen Segeln, freute sich über die Entscheidung des DOSB. „München hat international im Vergleich zum Standort Rhein-Ruhr einfach ein größeres Standing und einen größeren Bekanntheitsgrad“, so Kröger in den Kieler Nachrichten. „Zusammen mit Kiel ist es für mich das erfolgversprechendste Paket, das man für die Bewerbung ins Rennen werfen kann.“
2029 will das Internationale Olympische Komitee (IOC) über den Ausrichter für die Spiele 2036 entscheiden. Wann die Entscheidung zum Austragungsort der Spiele 2040 und 2044 fällt, steht noch nicht fest.
Vor der Bekanntgabe des siegreichen Kandidaten rief Bundespräsident Steinmeier dazu auf, Sport und Ehrenamt in Deutschland zu fördern. „Nutzen wir den Schwung der Bewerbung aber auch, um zu bekräftigen, wer wir sind und was wir bleiben wollen: ein weltoffenes, liberales und demokratisches Land“, zitiert die Tagesschau: „Ein Land, das die Erinnerung wachhält und sich der Verantwortung bewusst ist, die aus der Geschichte erwächst. Ein Land, das für das geeinte Europa, für internationale Verständigung eintritt, für Begegnung, Fairness und Respekt – und immer auch für die verbindende Kraft des Sports.“
Text: Carina Wegner