Über 600 junge Seglerinnen und Segler aus 16 Nationen trotzen Hitze, Leichtwind und Zeitdruck: spannende Entscheidungen in sieben Klassen vor Kiel-Schilksee
Erst Stillstand in der Hitze, dann volle Bahnen, schließlich ein Finale gegen die Uhr: Die Young Europeans Sailing 2026 hat über Pfingsten vor Kiel-Schilksee einmal mehr alle Register eines großen Regattawochenendes gezogen. Mehr als 600 Nachwuchsseglerinnen und -segler aus 16 Nationen waren im Olympiazentrum am Start, um sich in den Einhand- und Zweihandklassen 29er, 420, Europe, ILCA 4, ILCA 6 Männer, ILCA 6 Frauen und ILCA 7 Männer zu messen. Was am Sonnabend noch als Geduldsspiel begann, entwickelte sich am Sonntag zum intensiven Segeltag und brachte am Montag trotz enger Zeitfenster verdiente Siegerinnen und Sieger hervor.
Der erste geplante Wettfahrttag verlangte zunächst vor allem Ausdauer. Hochsommerliche Temperaturen lagen über Schilksee, die Strander Bucht zeigte sich spiegelglatt und der wenige Wind, der sich überhaupt bemerkbar machte, drehte unaufhörlich. Mit dem Signal AP wurden die Rennen aller Klassen verschoben. Lediglich 0 bis 4 Knoten verzeichneten die ehrenamtlichen Wettfahrtteams des Kieler Yacht-Clubs und des Norddeutschen Regatta Vereins auf den Bahnen – zu wenig, um der großen Nachwuchsflotte faire Rennen zu bieten.
So wanderte der Schwerpunkt am Sonnabend zunächst vom Wasser an Land. Während die Boote im Bootspark warteten und die Crews regelmäßig den Blick auf die Förde und den Signalmast richteten, wurde die Aktionswiese zum Treffpunkt. Die Skimboard-Bahn war bei der Hitze schnell einer der beliebtesten Orte des Tages und sorgte für die passende Abkühlung. Auch die Aussteller und Partner der YES rutschten so bereits am Samstag in den Fokus der Segler und Seglerinnen, sowie der begleitenden Familien und Trainer.
Ganz ohne Rennen blieb der Auftakt aber nicht. Als am späten Nachmittag doch noch leichter Wind einsetzte, entschieden sich die Principal Race Officers Stephan Uden und Andreas Knospe gemeinsam mit ihren Teams, den Versuch auf dem Wasser zu wagen. Für die Einhandklassen Europe, ILCA 4, ILCA 6 und ILCA 7 reichte es noch zu jeweils einer Wettfahrt. Die Zweihandjollen 420 und 29er mussten dagegen weiter auf ihren ersten Ergebnissen warten. Aussagekraft hatten die Zwischenstände nach Tag eins daher kaum, und in allen Klassen noch völlig offen.
Am Abend übernahm dann das traditionelle Kickerturnier die Rolle des sportlichen Höhepunkts an Land. Unterstützt vom neuen YES-Partner Zhik wurde an den Tischen mit ähnlich viel Ehrgeiz gespielt wie sonst an der Startlinie – und mit vielen strahlenden Siegerinnen und Siegern gefeiert.
Für Zhik war die YES 2026 die Premiere als Partner der Nachwuchsregatta. Johannes Polgar, European Sales Manager, sah die Marke dabei am richtigen Ort: „Zhik war erstmals stolzer Partner der Young Europeans Sailing – einer Jugendnachwuchsregatta, die genau die Zielgruppe anspricht, die wir als Zukunft des Segelsports sehen. Die Ambitionen dieser jungen Seglerinnen und Segler passen perfekt zu unserem Anspruch an leistungsorientierte und innovative Produkte.“ Den späteren Gewinnerinnen und Gewinnern gratulierte er „herzlich zu ihren herausragenden Leistungen“.
Am Sonntag zeigte sich Kiel-Schilksee dann von seiner besten Segelseite. Neuer Tag, neues Glück – und dieses Mal passte es. Die großen Teilnehmerfelder der YES strömten raus auf den Regattabahnen, die Ergebnislisten füllten sich rasch, und aus dem Wartespiel wurde eine Regatta mit Tempo, Dichte und vielen Positionskämpfen. Besonders die 29er und 420er, die am Vortag noch leer ausgegangen waren, nutzten den Tag, um ihr Programm aufzuholen und Wettfahrten zu absolvieren.
Bei den 29er segelte das große Feld von 88 Booten in zwei Gruppen gleich vier Rennen. An die Spitze setzten sich die Schweden Henric Wigforss und William Drakenberg mit vier Netto-Punkten. Dahinter lagen die deutschen DTYC-Segler Lukas Wagner und Valentin Ziegler sowie die punktgleichen Polen Tomasz Zawadka/Tymon Sochaj aus Gdańsk mit jeweils fünf Netto-Punkten dicht beisammen. Für die 29er war die YES dabei mehr als nur die klassische Pfingstregatta. Sie markierte den Auftakt einer ganzen Kiel-Serie: Nach der YES folgt für viele Teams die Kieler Woche vom 20. bis 28. Juni, anschließend steht vom 2. bis 9. Juli die 29er-Weltmeisterschaft in Schilksee auf dem Programm. Die Teams machen sich also bereits jetzt mit dem Revier vertraut und trainieren fleißig.
Auch die 420er lieferten nach ihrem verzögerten Einstieg sofort Spannung. Nach drei Wettfahrten standen gleich drei Teams mit jeweils drei Netto-Punkten an der Spitze. Lasse Kliewe und Paul Gustav Kikker vom mitausrichtenden NRV führten vor den US-Amerikanern William Gandy/Eric Panebianco und den Berlinern Nikolaus Nagelstrasser/Johannes Schütz. Mit 90 Booten präsentierte sich die Klasse in Kiel-Schilksee erneut stark besetzt. Hier jedoch mit nahezu vollständiger deutscher Besetzung.
Eine makellose Vorstellung gelang in der Europe dem Franzosen Cyril Richard. Der Kenner des Kieler Reviers gewann die ersten vier Rennen und setzte sich damit klar an die Spitze des 30-Boote-Feldes. Dahinter segelte Marisa Roch vom ausrichtenden KYC bei ihrem Heimspiel auf Rang zwei, Fabienne Oster vom NSV folgte auf Rang drei.
In den ILCA-Klassen blieb die Leistungsdichte hoch. Im ILCA 4 übernahm Quirin Klapper vom MYC mit acht Netto-Punkten die Führung, gefolgt von Nikos Beckmann vom KYC und Cassandra Jansch vom MSC, die beide elf Netto-Punkte auf dem Konto hatten. Im 87 Boote starken Feld der ILCA 6 Männer zeigte Levian Büscher vom DYC mit drei Netto-Punkten eine souveräne Serie. Finn Köpsell vom YCBG und der Este Alexander Eberle hielten dahinter den Anschluss.
Bei den ILCA 6 Frauen blieb es ebenfalls zunächst eng. Clara Bonhagen vom Zwischenahner Segelklub führte nach den ersten beiden Tagen mit vier Netto-Punkten vor Pia Kuhlmann vom SLSV und der Dänin Maria Victoria Bøggild. In der ILCA 7 der Männer prägten die dänischen Segler das Bild. In dem Feld aus deutschen und dänischen Startern lag Mark Hestbæk vor Mads Wegener und Marius Hedegaard. Die Juniorenwertung der Internationalen Deutschen Juniorenmeisterschaft (IDJoM) führte nach dem zweiten Tag Max Stiff vom Segelclub Hansa Münster an. Hestbæk nahm die Bedingungen mit einem Lächeln und sah in der YES zugleich einen idealen Formtest: „Die YES war das perfekte Warm-up für die Kieler Woche – nicht nur, was die sommerlichen Temperaturen betrifft!“
Während auf dem Wasser um Positionen und Platzierungen gekämpft wurde, blieb auch das Landprogramm lebendig. Viele Helferinnen und Helfer packten beim Harbour- und Beach-Clean-up mit an. Für Carolin Junker, Projektleiterin Landorganisation der YES, gehörte die Aktion fest zum Selbstverständnis der Veranstaltung: „Wir wollen auf die Verunreinigung der Meere und Strände aufmerksam machen und bei den Aktiven frühzeitig ein Bewusstsein für Müllvermeidung und -beseitigung schaffen, um die natürliche Grundlage unseres Sports nachhaltig zu sichern.“ Später übernahm das Pubquiz des DSV-Juniorenteams die Bühne. Dort war Köpfchen gefragt – und das Um-die-Ecke-Denken erinnerte durchaus an manche Entscheidung auf dem Wasser.
Der Montag brachte schließlich das erwartete Finale mit offenem Ausgang. Der Wetterbericht hatte erneut schwache westliche Winde vorhergesagt, die sich im Laufe des Tages auf bis zu zwölf Knoten aufbauen sollten. Klang vielversprechend! Zugleich setzte der letztmögliche Start um 14 Uhr eine klare Grenze. Damit wurde der Schlusstag auch zu einem Rennen gegen die Zeit. Nicht alle Klassen bekamen noch eine zusätzliche Wettfahrt oder Finale: Europe, ILCA 4, ILCA 6 (men) und ILCA 7 (men) blieben ohne weitere Rennen.
Bei den 29ern konnte das geplante Finale im Gold- und Silver-Fleet stattfinden, ohne dass sich an der Spitze jedoch noch etwas änderte. So brachten die Schweden Henric Wigforss/William Drakenberg ihren Vorsprung ins Ziel und gewannen vor den Polen Tomasz Zawadka/Tymon Sochaj und Lukas Wagner/Valentin Ziegler. Anders verlief das Finale bei den 420ern: Dort gelang William Gandy/Eric Panebianco am Schlusstag der entscheidende Coup. Mit einem zweiten Platz im abschließenden Rennen sprangen die US-Amerikaner noch ganz nach vorn und verdrängten Lasse Kliewe/Paul Gustav Kikker auf Rang zwei. Nikolaus Nagelstrasser/Johannes Schütz komplettierten das Podium.
Auch bei den ILCA 6 (women) wurde das letzte Rennen noch einmal zur Entscheidung. Pia Kuhlmann nutzte ihre Chance, segelte auf Rang zwei und schob sich damit im Gesamtklassement an Clara Bonhagen vorbei. Johanna Brinkmann machte das Podium komplett. In den Klassen ohne weiteres Montagsrennen blieben die Führenden des Vortags vorn: Cyril Richard gewann die Europe, Quirin Klapper den ILCA 4, Levian Büscher den ILCA 6 der Männer und Mark Hestbæk den ILCA 7 der Männer. Weitere Ergebnisse unten.
Auch die Wettfahrtleitung zog trotz der schwierigen Windlage ein positives Fazit. „Die drei Veranstaltungstage waren von anspruchsvollen, zugleich aber spannenden Bedingungen für alle Beteiligten geprägt“, sagte Andreas Knospe, Principal Race Officer der YES. Die Wetterentwicklung sei wiederholt von den Prognosen abgewichen, umso wichtiger seien Flexibilität und professionelle Abläufe gewesen. Gemeinsam mit Stephan Uden habe die Wettfahrtleitung umfassende Maßnahmen geplant und umgesetzt, um unter den gegebenen Bedingungen erfolgreiche Wettfahrten auf dem Wasser zu ermöglichen. Gerade die leichten, drehenden Winde hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Bank vor Aufgaben gestellt, am Ende aber in allen Klassen verdiente Siegerinnen und Sieger hervorgebracht. „Alle Mitwirkenden haben sich den Herausforderungen mit großem Engagement gestellt“, so Knospe. Ein besonderer Dank der PROs ging an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie an die Wettfahrtteams des KYC und des NRV für ihre erneut herausragende Arbeit.
So endete die YES 2026 am Montag mit einer Siegerehrung, die zu diesem Pfingstwochenende passte: viel Applaus für sportliche Klasse, viel Anerkennung für Geduld und Durchhaltevermögen und ein Hafen voller junger Seglerinnen und Segler, für die Kiel-Schilksee in diesem Frühsommer noch lange nicht abgehakt ist. Für viele geht der Blick nun weiter zur Kieler Woche – und für die 29er wenig später sogar zur Weltmeisterschaft auf demselben Revier.
Endergebnisse
29er
- SWE 3254 Henric Wigforss/William Drakenberg (KSSS/BYC)
- POL 2963 Tomasz Zawadka/Tymon Sochaj (YC Gdansk)
- GER 3542 Lukas Wagner/Valentin Ziegler (DTYC)
420
- USA 57875 William Gandy/Eric Panebianco
- GER 57476 Lasse Kliewe/Paul Gustav Kikker (NRV)
- GER 56681 Nikolaus Nagelstrasser/Johannes Schütz (SV 03)
Europe
- FRA 5674 Cyril Richard (CVA)
- GER 94 Marisa Roch (KYC)
- GER 1647 Fabienne Oster (NSV)
ILCA 4
- GER 227760 Quirin Klapper (MYC)
- GER 220714 Nikos Beckmann (KYC)
- GER 225071 Cassandra Jansch (MSC)
ILCA 6 Männer
- GER 227602 Levian Büscher (DYC)
- GER 219674 Finn Köpsell (YCBG)
- EST 224867 Alexander Eberle (ROPK)
ILCA 6 Frauen / IDJoM
- GER 211211 Pia Kuhlmann (SLSV)
- GER 223433 Clara Bonhagen (ZSK)
- GER 223704 Johanna Brinkmann (YCL)
ILCA 7 Männer / IDJoM
- DEN 212566 Mark Hestbæk (VSK/HS)
- DEN 227215 Mads Wegener (Egå Sejlklub)
- DEN 225110 Marius Hedegaard (Fredericia Sejlklub)
Alle Ergebnisse online unter: https://www.manage2sail.com/de-DE/event/yes2026#!/results