Dieses Jahr war ich viel weniger in der Europe zu finden als in den letzten Jahren: vielleicht haben es einige bereits mitbekommen – auch mich hat das Wingfoil-Fieber gepackt. Wingfoilen ist ganz anders als das Segeln in der Europe, aber ich glaube, dass mir das Lernen dieser neuen Sportart auch fürs Segeln viel bringt. Es macht total viel Spaß, sich dieser neuen Herausforderung zu stellen.
Trotzdem bleibe ich der Europe treu. Ein paar Regatten im Jahr müssen einfach sein. Zwar habe ich auch beim Wingen schon an ein paar Regatten teilgenommen, aber hier stehe ich noch ganz am Anfang: mein Ziel hier ist es, auf dem Foil zu bleiben. Taktisches Segeln fehlt mir hier bisher und gerade das macht mir beim Europesegeln so viel Spaß.
Und so stand ich Anfang Oktober in Röbel an der Müritz bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft am Start. Es hat wieder richtig Spaß gemacht zu racen. Die Bedingungen waren alles andere als einfach. Am ersten Tag herrschte Flaute – kein Wind, dafür Sonne und ein entspannter Tag mit Warten an Land.
Auch der zweite Wettfahrttag begann wieder mit Warten aufgrund von mangelndem Wind. Aber nach zwei Stunden hatten wir Glück und es war genug Wind, sodass wir rausfahren konnten. Der Wind hat sehr viel gedreht und war sehr böig. In den Löchern musste man teilweise im Boot sitzen. Im ersten Lauf dachte ich, es wäre smart, in der Mitte mit den Drehern zu segeln – keine gute Idee, denn wer weit nach rechts fuhr, bekam kurz vor der Luvtonne den entscheidenden Rechtsdreher. Diese Erfahrung konnte ich in den nächsten Rennen nutzen: Nach Platz 7 zum Auftakt folgten die Plätze 3, 3 und 1. Trotz des leichten Winds merkte man, dass der Herbst angekommen war – uns allen war richtig kalt. Nach einem langen Rückweg in den Hafen mussten wir uns an Land erst einmal aufwärmen, bevor es ein sehr leckeres Championship Dinner beim RSVM gab.
Im Gegensatz zu den ersten beiden sonnigen Leichtwindtagen, startete der letzte Tag nass, grau und sehr stürmisch. Und wieder mussten wir an Land warten – diesmal aber aufgrund von zu viel Wind. Gegen 15 Uhr ging es dann endlich los. Ich lag punktgleich mit Fabienne Oster auf Platz drei und wollte alles auf dieses Rennen setzen. Leider war mir so kalt, dass ich auf der Startkreuz nicht ganz konzentriert war. Es lief zunächst sehr gut, mein Speed war gut, aber ich bin einmal zu lange gegen den Dreher gefahren und hab dadurch drei Boote kurz vor der Luvtonne durchgelassen. Ärgerlich, aber es war freies Pumpen und eigentlich ist der Vorwindkurs bei viel Wind meine Stärke. Aber auch hier war mir immer noch so kalt, dass ich mich immer noch nicht richtig bewegen konnte und so nicht so richtig in meinen Rhythmus gefunden habe. Zwar war ich im Ziel 4. und vor Fabienne, aber aufgrund des Streichers blieben wir punktgleich und sie somit weiterhin vor mir. Überraschend entschied die Wettfahrtleitung noch ein weiteres Rennen durchziehen. Zum Glück war mir jetzt wieder warm. Ich ging wieder als 4. um die Luvtonne, aber diesmal war ich schnell auf dem Vorwind. Im Ziel war ich dann klar mit solidem abstand erste. Damit war ich Vizemeisterin, zwei Punkte hinter Sophie Menke und drei Punkte vor Fabienne. Es war jetzt aber tatsächlich inzwischen so spät, dass wir bei Einbruch der Dunkelheit in den Hafen gekommen sind.
Ich bin sehr glücklich mit diesem versöhnlichen Saisonabschluss, nachdem ich im Sommer bei der WM krank gesegelt bin, und dementsprechend den eigentlichen Saisonhöhepunkt nicht so richtig genießen konnte.