Tschechien. Unser 29er Mixed-Team Charlotte Frobenius und Anton Lehmann berichten von einer lehrreichen EM. Für uns beide ist die bisherige Saison 2026 eher mäßig verlaufen: In unseren bisherigen Teams hatten wir mit den schwierigen Bedingungen zur Kieler Woche unsere Probleme und konnten die Starkwindbedingungen zur Heim-WM vor Schilksee auch nicht nutzen. Unser Coach Patrick Böhmer hatte die Idee, dass wir doch gemeinsam die Europameisterschaft am Lipno bestreiten könnten. Lipno? Nie gehört. Wikipedia weiß: Ist eine Talsperre, liegt in Tschechien – und zwar mitten im Böhmerwald. War ja klar, dass Patrick da hinwill. Also los, auf nach Tschechien.
Am Lipno gab es erstmal wenig zu sehen. Zumindest wenig Wasser: Da der See in Wirklichkeit eine Talsperre der Moldau ist, war der aktuelle Wassermangel am Lipno deutlich zu spüren – der Pegel lag etwa 1,5 Meter unter Normal, die Coachboote passten nur mit Mühe in den Hafen. Dazu kam der erwartete Schwachwind: Im Vortraining hatten wir noch meist durchgehend gute, segelbare Bedingungen, pünktlich zur Eröffnungszeremonie war davon aber nur noch wenig zu spüren. Am ersten Tag war der Wind noch okay. Mit Charlotte am Steuer sind wir einen super Start gefahren, haben danach fast keine Fehler gemacht und konnten unser erstes gemeinsames Rennen auf einem dritten Platz beenden.
Die nächsten Tage wurden für die Teams allerdings zum Resilienz-Workshop: Auf ein frühes Auslaufen folgten meist mehrere Versuche ein Rennen zu starten, die dann aufgrund von Winddrehern oder kompletter Flaute abgebrochen wurden. Dann Startverschiebung an Land bei Temperaturen um die 35 Grad, am Abend noch ein oder zwei Startversuche. Insgesamt haben wir auf diese Weise in sechs Tagen vier Rennen beendet, unzählige Stunden unter Holgis Markise verbracht, uns von unseren Eltern erzählen lassen, dass die Gegend landschaftlich wirklich schön sei und ziemlich viel Eis gegessen. Der letzte Wettfahrttag ermöglichte dann noch einmal halbwegs vernünftiges Segeln, was Nils und Louise sowie Maiken und Cidi nutzen konnten, um ein ganzes Stück im Gesamtklassement nach vorne zu kommen und so einen großen Beitrag zum Gewinn der Nationenpokals zu leisten. Wir konnten die Bronzemedaille in der U17-Mixed-Wertung sichern und sind super happy damit.
Was haben wir also in den zehn Tagen am Lipno über schwierige Binnenreviere gelernt?
1. Gute Starts sind einfach gut und fühlen sich unfassbar gut an. (Okay, wussten wir vorher auch schon, stimmt aber!)
2. Wenn man ganz okay positioniert ist, ist es besser, die Position auch einfach mal zu verteidigen als noch groß anzugreifen, sonst wird man ganz schnell nach ganz hinten durchgereicht. (Patrick hatte recht)
3. Am Lipno ist es landschaftlich schön.
4. Wir haben in Kiel einfach ein wundervolles Segelrevier direkt vor der Haustür.
Vielen Dank an die betreuenden Eltern, die gesamte KYC-Crew und vor allem an unsere Coaches Patrick und Alisa! Wir freuen uns jetzt auf Segeln vor der Haustür und die IDJM im September – am Chiemsee.