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Sturmfahrt für Citizen Scientists in spe. Forschen für alle - wie Boris Herrmann.

Kiel. Wir alle können wie Boris Herrmann wertvolle Daten für die Meereswissenschaft sammeln und so zum Klimaschutz beitragen. Das ist die Vision, die die GEOMAR-Forscher Dr. Toste Tanhua und Dr. Johannes Karstensen als Speaker des Gastkinos des Cinemare int. Meeresfilmfestivals Kiel mit zum Schiffertisch des Kieler Yacht-Club e.V. brachten. Nach dem Film „Sturmfahrt“ diskutierten die Forscher unterstützt von Tristan Sinnecker von SubCTech unter Moderation von CINEMARE-Filmfestivalbotschafterin Kristin Recke die Bedeutung von Datenerhebungen auf See und neue Ansätze für die Westliche Ostsee.

Boris Herrmann an Bord der Malizia - Seaexplorer mit der Oceanbox 2022 im französischen Lorient kurz vor Start zur Route du Rhum (c) Jimmy Horel/ Team Malizia

Vereint im Sinne der Meere: GEOMAR-Forscher Dr. Johannes Karstensen, CINEMARE-Festivalleiter Till Dietsche, CINEMARE-Botschafterin Kristin Recke, Heiner Kramer für den Fahrtenausschuss des Kieler Yacht-Clubs, GEOMAR-Forscher Dr. Toste Tanhua und Tristan Sinnecker von SubCTech (von links nach rechts) (c) Ulf Petersen/ KYC

Ob das nicht auch etwas für die Zukunft IV sein könnte? Tristan Sinnecker von SubCTech im Gespräch mit Virgil Berndt und Malte Ritgen von der Kieler Yachtschule (c) Carina Wegner/ KYC

Segeln im Dienste der Forschung? Die amtierende Deutsche Meisterin im ILCA VI, Pia Kuhlmann, wäre auf jeden Fall dabei (c) Carina Wegner/ KYC

CINEMARE trifft Segeln. CINEMARE-Leiter Till Dietsche und Festival-Botschafterin Kristin Recke zu Gast im Kieler Yacht-Club (c) Ulf Petersen/ KYC

An die 150 Gäste folgten der Einladung des Fahrtenausschusses im Kieler Yacht-Club e.V. (KYC) zum ersten Schiffertisch der Saison im Kaisersaal des Hotel Kieler Yacht-Club.

„Sturmfahrt“ im Kaisersaal  - Segeln für die Forschung
Von Les Sables d’Olonne über die drei Caps zum Point Nemo, dem abgelegensten Ort der Welt, und zurück. Über knapp 25.000 Seemeilen fiebern die Gäste beim Film „Sturmfahrt“, präsentiert von „CINEMARE Internationales Meeresfimfestival Kiel“, noch einmal mit KYC-Ehrenmitglied Boris Herrmann auf seinem emotionalen Ritt um die Welt bei der Vendée Globe 2020/21 mit. 
„A Race we must win. Climate Action now!“ ist das Motto, unter dem Boris startet. 2018 hatte er in Kiel an Bord der „Malizia“ das „Ocean Pack“ installieren lassen, ein in Kiel gebautes Messinstrument der Firma SubCTech. Seitdem sammelt er auf all seinen Regatten wertvolle Daten für die Forschung, wissenschaftlich begleitet vom Biogeochemiker Dr. Toste Tanhua vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Gemessen werden rund um die Uhr Salzgehalt, Temperatur und die CO2-Sättigung des Wassers. 

Ein Stöhnen geht durch den Kaisersaal, als die Gäste wieder die Kollision der Malizia mit einem Fischtrawler durchleben, die Boris  das Podium kostet, ein Aufatmen, als er am Ende glücklich das Ziel erreicht.

Die nächste Herausforderung: The Ocean Race 
Zwei Tage nach dem Schiffertisch stellt sich der Hochseesegler mit seinem Team Malizia auf der „Seaexplorer“ schon der  nächsten Herausforderung: The Ocean Race, ab Alicante um die Welt. Aus den Vorbereitungen für die Regatta begrüßt Boris‘ Frau und Verantwortliche für das Bildungsprogramm „My Ocean Challenge“ Birte Lorenzen-Herrmann die Gäste des KYC per Videobotschaft. Die Begeisterung für das prominente Clubmitglied ist groß, als Kristin Recke unter großem Jubel die Antwort nach Spanien schickt: „Now go and win this race!“

Das Ocean Pack: Unverzichtbare Daten über die Ozeane
Auch bei The Ocean Race wird wieder ein Ocean Pack an Bord sein. Erstmals wird auch der Gehalt von Spurenelementen wie Zink, Eisen, Kupfer und Mangan gemessen, die wichtig für das Planktonwachstum sind. Die Daten aus dem rasenden Schiffslabor sind für die Forschung äußerst wertvoll. „Das sind Informationen, an die wir sonst nicht rankommen“, so Dr. Toste Tanhua. 2018 „war das ein sehr exotischer Gedanke“, so Boris Herrmann 2021 im Gespräch mit dem GEOMAR, „aber inzwischen ist der Klimaschutz und der Wille, etwas dazu beizutragen, schon ein viel präsenteres Thema.“ 

GEOMAR, CINEMARE und Kieler Yacht-Club im Gespräch
Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Experten für physikalische Ozeanographie Dr. Johannes Karstensen, der unter anderem die Expeditionen von Arved Fuchs für die Forschung begleitet hat, lädt Toste Tanhua die Gäste in die Welt der Meeresforschung ein. Frisch zurück aus den Vorbereitungen für die nächste Messreihe bei The Ocean Race, war Tristan Sinnecker, im Gepäck ein Modell des Instruments, das an Bord der „Malizia“ um die Welt startet. NDR-Ostseereport Moderatorin Kristin Recke führt als Botschafterin des CINEMARE-Festivals durch den angeregten Austausch zwischen den Besucherinnen und Besuchern und den Experten von GEOMAR und SubCTech. 
Warum ist es überhaupt wichtig, zum Beispiel den Kohlendioxid-Gehalt des Ozeans zu kennen? Die Meere tragen dazu bei, die globale Erderwärmung abzuschwächen, indem sie CO2 aufnehmen – und zwar in großen Mengen, so Toste Tanhua. „Wie genau das Meer zum Beispiel CO2 aufnimmt, müssen wir exakt verstehen, um Klimamodelle zu verbessern. Das Engagement von Seglern wie Boris Herrmann und Arved Fuchs hilft uns hierbei enorm“, erklärt der Forscher. In Zukunft möchte er auch Seglerinnen und Segler auf der Ostsee als "Citizen Scientists" in die Messungen einbinden und hat dafür einen Projektantrag gestellt.

Feuer und Flamme für die Forschung
Im Saal findet die Idee große Zustimmung. „In der letzten Zeit bin ich viel zu wenig zum Segeln gekommen. So ein Projekt würde mich motivieren, wieder mehr aufs Wasser zu kommen“, so Pia Kuhlmann. Im Herbst hatte sie „just for fun“ ihren dritten Titel als Internationale Deutsche Meisterin im ILCA6 in Serie geholt. Jetzt liebäugelt sie mit der WM-Teilnahme. Auch Constanze Hofacker und Christian Kock aus der Schulungsgruppe des Kieler Yacht-Clubs sind Feuer und Flamme. „Vielleicht gibt es die Instrumente ja auch mal in Stickenhörn. Dann würden wir sie auf jeden Fall mit an Bord nehmen!“ Virgil Berndt, frisch gewählter Leiter der Kieler Yachtschule, der Jugendsparte des Clubs, und sein Obmannn Malte Ritgen, sind auch begeistert. Ob für die Zukunft IV nicht auch ein Ocean Pack, wie es Boris Herrmann an Bord hat, in Frage komme, überlegen sie gleich. Das Flaggschiff der Jugendsparte bietet mit seinen 52 Fuß sicher Platz auch für große Instrumente. Und 17 Kilo mehr oder weniger fallen bei 16 Tonnen ja gar nicht so stark ins Gewicht.  
„Vielleicht ist der Wettkampf dieses Jahr nicht, wer als erstes in Marstal ist, sondern wer die meisten Daten sammelt“, lächelt Toste Tanhua.

7. Cinemare int. Meeresfilmfestival im April in Kiel
Meeresfilme die begeistern, aber auch zum Denken anregen - so wie beim Schiffertisch ist es der Austausch zwischen Filmemachern, Abenteurern, Meeresschützern oder Wissenschaftlern und dem Publikum, der auch das 7. Cinemare Meeresfilmfestival vom 26.-30.April 2023 zu einer Plattform machen soll, die uns alle mit unserer Liebe zum Ozean vereint. Bei der Gastvorstellung im KYC ist es den Festivalmachern gelungen, die Leidenschaft fürs Segeln mit Wissenschaftskommunikation zu verbinden. Die Begeisterung für neue Lösungsmöglichkeiten war im Saal deutlich zu spüren. „Wenn Filme solche Emotionen auslösen und sich dadurch noch mehr Menschen für den Schutz unserer Ozeane interessieren und einsetzen, dann haben wir als Cinemare unser Ziel erreicht“, sagt Festivalbotschafterin Kristin Recke. Weitere Gastveranstaltungen gezielt für Jugendliche sind im Gespräch.