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Regatten

Paul Kohlhoff mit perfektem Einstieg in die Geburtstagsfeier - Kieler Woche 2019

Neue Klassen, neuer Wind: Mit dem Wechsel von den internationalen Klassen auf die olympischen Disziplinen zur Kieler Woche gab es auch eine Änderung des Wettersystems.

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer hatten zum Auftrakt der Regatta die Bugspitzen vorne. Foto: Kieler Woche / Sascha Klahn

Für die WM-Dritten des vergangenen Jahres, Tim Fischer und Fabian Graf, begann die Kieler Woche durchwachsen. Foto: Kieler Woche / Sascha Klahn

Das Hitzetief ist durchgezogen, eine Kaltfront wagte einen schwachen Angriff auf den deutschen Norden. Doch mit dem Einfluss eines Schottland-Hochs zerfiel die Front schnell. Das Resultat: Der Wind drehte von östlichen auf westliche Richtungen und baute sich zum Nachmittag hin zu einer stattlichen Brise auf. Was blieb, war die Sonne.

Die Segler der sechs olympischen Klassen knüpften damit nahtlos an den glanzvollen Auftritt der Akteure in den internationalen Klassen an. „Das war echt geil, habe ich gleich mehrfach gehört“, sagte Organisationsleiter Dirk Ramhorst. „Das ist hier die Champions League des Segelsports. Dass uns das Wetter so in die Karten spielt, ist großartig!“ Auch die Deutschen konnten sich in einigen Klassen gut in Szene setzen, in anderen gibt es noch Steigerungspotenzial.

Im 49er liegen die besten Deutschen, Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger, auf Rang 14. Den ehemaligen Europameistern Justus Schmidt/Max Boehme (Kieler Yacht-Club) gelang zwar zum Tagesabschluss ein Tagessieg. Mit den Plätzen 9 und 10 zuvor sind sie aber aktuell nur 17.

„Leider hatten wir ein paar strategische Fehleinschätzungen. Im letzten Rennen wussten wir dann, wie der Wind weht. Seit Oktober ordnen wir alles wieder dem Segeln unter, werden wohl auf 200 Tage auf dem Wasser im Jahr kommen“, so Schmidt, und Vorschoter Boehme ergänzte: „Wir setzen das Erfolgsprinzip der internen Zusammenarbeit von 2016 weiter fort und sind in der geilen Situation, dass wir nun vier Boote sind und uns pushen können. Auf dem Wasser wird um das Olympiaticket zwar mit dem Messer zwischen den Zähnen gekämpft. An Land sind wir aber alle gute Kumpel.“

Die WM-Dritten des vergangenen Jahres, Tim Fischer/Fabian Graf (Hamburg/Berlin), mussten sich in ihren Rennen immer erst durch das Feld arbeiten. „Wir haben die erste Kreuz nie richtig gut getroffen, waren eigentlich immer auf der falschen Seite“, berichtete Steuermann Fischer. „Auf den Downwind-Kursen haben wir aber aufgeholt, daher sind wir ganz zufrieden.“ In Platzierungen lautete das 5, 11, 4 und Gesamtrang 15.

Die Stimmung an Bord ist weiterhin gut. „Wir haben geklärt, was wir falsch gemacht haben und werden es morgen besser machen“, so Vorschoter Graf. Mit den wechselhaften Ergebnissen sind die Deutschen in guter Gesellschaft, denn auch die neuseeländischen Superstars Peter Burling/Blair Tuke müssen sich erst einfinden. Auch ihre Ergebnisse schwanken zwischen 1 und 9. Bei der Gesamtführung der Australier Will und Sam Phillips sind Burling/Tuke Vierte.

Auch bei den Skiff-Frauen üben sich die deutschen Starter noch in Zurückhaltung. Victoria Jurczok/Anika Lorenz sind Siebte, Tina Lutz/Susann Beucke Zehnte. An der Spitze steht ein schwedisches Doppel Vilma Bobeck/Malin Tengström führen vor Klara Wester/Rebecca Netzler.

Bei den Finns haben die beiden deutschen Asse, Max Kohlhoff (Kiel) und Phillip Kasüske (Berlin), nach einem intensiven Frühjahr zuletzt eine Pause eingelegt. Jetzt nehmen sie wieder Schwung für die zweite Saisonhälfte auf – mit dem Fokus auf der WM im Dezember in Melbourne.

Zum Wiedereinstieg sagte Kasüske: „Es ging so: ein zweiter und ein sechster Platz, den ich hoffentlich am Ende streichen kann. Es war schwierig heute, sehr drehend. Mal lief es links, mal rechts.“ Er selbst ist Vierter, aber das Feld ist eng beisammen. „Ich denke, die fünf an der Spitze werden das Rennen unter sich ausmachen“, so Kasüske.

Nach zwei Wettfahrten liegt Max Kohlhoff hinter dem Tschechen Ondrej Teply auf Platz zwei. „Damit kann ich zufrieden sein. Platz zwei ist gut, dann muss ich morgen nicht im pinken Shirt segeln. Und vielleicht geht es ja noch einen Platz nach oben.“ In den letzten drei Jahren haben die beiden deutschen Finn-Asse „Vollgas“ gegeben. „Segeln hatte die Priorität eins“, so Kohlhoff. „Wir machen unverändert weiter, denn die Mission ist noch nicht erfüllt. Im kommenden April haben wir in Genua noch eine Chance auf ein Olympia-Nationenticket.“

Die Weltspitze im Laser Standard ist bereits in Japan zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, so dass sich die zweite Reihe in Kiel in Szene kann. Dem Berliner Nico Naujock gelingt das bisher ganz gut. Der Deutsche Jugendmeister von 2017 rangiert hinter dem Briten Daniel Whiteley auf Platz zwei.

Für die deutschen Frauen im Laser Radial ist der Weg an die Spitze dagegen etwas weiter. Pia Kuhlmann (Schaumburg-Lippe) ist Siebte, Ex-Europameisterin Svenja Weger (Kiel), die eher leichtere Winde bevorzugt, Elfte. An der Spitze steht die Schwedin Josefin Olsson.

Für Paul Kohlhoff (Kiel) war das Geschehen bei den Nacra17-Katamarane der perfekte Auftakt für die Feier zu seinem 24. Geburtstag. Gemeinsam mit Vorschoterin Alica Stuhlemmer startete er mit einem Sieg, ließ einen vierten Platz folgen und setzte sich nach einem weiteren Sieg auf Platz eins des Gesamtrankings.

Schwerer in Fahrt kamen Johannes Polgar/Carolina Werner (Hamburg/Kiel). Nach intensivem Regatta-Frühjahr haben Polgar/Werner den Fokus in den vergangenen Wochen auf das Training gelenkt. „Es war wichtig, mal die Reißleine zu ziehen und sich auf die Basics zu konzentrieren. Jetzt freuen wir uns, in einem guten Feld wieder Rennen zu fahren“, so Polgar. Mit den Platzierungen 8, 11, 9 sind sie als Elfte direkt hinter den Top-Ten.

Den kompletten Tag auf dem Wasser verbrachte die kleine Flotte der Doublehand-Crews. Um 9.30 Uhr schickte die Wettfahrtleitung die vier Schiffe auf den Kurs, gegen 18.15 Uhr wurde die L30 „Sharifa“ von Rasmus Töpsch/Andreas Deubel (Strande) als erste Yacht am Kieler Leuchtturm gezeitet.