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Regatten

Kieler Woche gestartet

Für neun Tage blickt nicht nur die Segelwelt nach Kiel. Zur Kieler Woche wird Kiel-Schilksee vom 18. bis 26. Juni zum Schmelztigel des Segelsports, zum Treffpunkt der Spitzensegler und der Nachwuchselite.

Die Verabschiedung der Deutschen Segel-Nationalmannschaft am Dienstag ist der emotionale Höhepunkt. An dem Tag werden die Crews, die die deutschen Farben bei den Olympischen und Paralympischen Spielen vor Rio de Janeiro vertreten, auf der Bühne der Audi Sailing Arena in Schilksee (16 Uhr) und danach in der Lounge vom Kieler-Woche-Partner Audi verabschiedet. Ein Großteil dürfte danach noch an den Kieler-Woche-Regatten teilnehmen, bevor es nach Brasilien geht. Beim Kampf um die Kieler-Woche-Medaillen und das Preisgeld des Landes Schleswig-Holstein für die drei Erstplatzierten in den olympischen und paralympischen Klassen trifft die deutsche Spitze auf die Weltelite des Segelsports. Rund 4.000 Aktive aus über 50 Nationen werden neun Tage lang auf zehn Regattabahnen die gesamte Bandbreite des Segelsports präsentieren.

Neben dem Auftritt der deutschen Olympioniken hat die Kieler Woche 2016, die der Kieler Yacht-Club in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Regatta Verein, dem Hamburger Segel-Club und dem Verein Seglerhaus am Wannsee veranstaltet, noch eine ganze Reihe weiterer Höhepunkte im Programm.

„Wir werden einige Highlights bieten, die teilweise eine mehrjährige Vorbereitung erfordert haben. Ein Höhepunkt ist sicher der Super Sunday am letzten Wochenende, der uns auch eine professionelle Medialisierung des zweiten Teils ermöglicht“, so Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst bei der Pressekonferenz im Kieler Yacht-Club zur neuen Klassenaufteilung mit dem daraus entstehenden Spannungsbogen. So gehen im ersten Teil die internationalen Klassen an den Start, im zweiten Teil ab Mittwoch die olympischen und paralympischen Klassen sowie die Meisterschaftsklasse J/70 und die Nachwuchsklasse 420er, die Melges 24 und J/80. Mit dem Feuerwerk am Dienstagabend in Schilksee (23 Uhr) wird der Wechsel offiziell eingeläutet.

Den emotionalen Höhepunkt der Pressekonferenz lieferten Paul Kohlhoff und Carolina Werner (Kieler Yacht-Club). Die junge Nacra-17-Mixed-Crew hatte zwei Tage zuvor beim Sailing World Cup in Weymouth (England) die Kriterien zur Olympia-Nominierung in der Verlängerung geschafft. Nachdem die Kieler die ursprünglichen Kriterien des DSV/DOSB verpasst hatten, überzeugte das Nachwuchsteam in England mit einer nervenstarken und unbekümmerten Vorstellung in der Olympiaqualifikation-Nachspielzeit. „Wir haben einen Traum wahr werden lassen“, so Paul Kohlhoff, der mit seiner Vorschoterin um die Wette strahlte. Die Wonderkids hatten bereits 2014 ihr Ziel selbstbewußt angekündigt, nachdem sie ein Jahr zuvor aus dem 29er in den Nacra umgestiegen waren. Auch wenn der Deutsche Segler-Verband damals noch eher Richtung 2020 blickte, ließen sich Kohlhoff/Werner nicht beirren. Jetzt vertreten die Kieler voraussichtlich im August als jüngste deutsche DSV-Crew (20 und 22 Jahre) die deutschen Farben. Die Kriterien sind erfüllt, der Nominierung dürfte eigentlich nichts im Wege stehen.

Der Vorsitzende des Kieler Yacht-Club, Carsten Krage, gratulierte den Nachwuchsseglern zu ihrem Erfolg und freute sich, dass ein KYC-Team in Rio an den Start geht. Gleichzeitig konnte Krage mitteilen, dass 2017 die Europameisterschaft im Narca 17 zur Kieler Woche ausgetragen wird. Die internationale Klassenvereinigung hat vergangene Woche das Okay gegeben. Dann kommt es zu einem Heimspiel der frischgebackenen Olympioniken Kohlhoff/Werner, die diese Kieler Woche mit der integrierten Nacra-17-IDM jetzt selbstbewußt und locker angehen können.

Gemeinsam betonten Krage und Ramhorst, dass das „Nein“ zu Olympia zwar wehgetan habe, Kiel aus der Bewerbung jedoch gestärkt hervorgegangen sei. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt Kiel und dem Land Schleswig-Holstein ermöglicht uns Investitionen in die Zukunft des Segelsports in Kiel, für die wir sehr dankbar sind“, blickte Ramhorst zuversichtlich nach vorn.

Schleswig-Holsteins Staatssekretär im Ministerium für Inneres- und Bundesangelegenheiten Ralph Müller-Beck schlug in dieselbe Kerbe. „Wir haben nach der Bewerbung beschlossen, dass der Segelstandort in Kiel auch ohne Olympia gestärkt werden muss. Segeln und Kiel, Schleswig-Holstein und Wassersport - das gehört einfach zusammen. Sowohl bei den Wettbewerben auf dem Wasser als auch bei der Infrastruktur an Land haben wir investiert“, so Müller-Beck. Da am Standort Schilksee jetzt der Olympiastützpunkt mit Internat, der Bundesstützpunkt und ganz frisch auch der Deutsche Seglerverband zusammengezogen seien, werde das Land gemeinsam mit den Verbänden, mit der Stadt, aber auch mit der Bundesregierung sprechen, um den Spitzensportstandort zu sichern und auszubauen, ergänzte der 46-Jährige. „Eine weitere Million Euro wird im kommenden Jahr überwiegend in die Infrastruktur fließen. Es kommen aber noch Mittel der Stadt und hoffentlich auch des Bundesinnenministeriums hinzu“, unterstreicht der Staatssekretär in Hinblick auf die Zusage für das nächste Jahr. Einige infrastrukturelle Verbesserungen werden bereits in diesem Jahr sichtbar sein.

Auf dem Wasser wird derweil wie gewohnt Spitzensport der Extraklasse geboten. Dabei strahlen Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland) und Mathew Belcher/Will Ryan (Australien) olympischen Glanz und America’s Cup-Flair aus. Peter Burling/Blair Tuke haben im 49er den Nimbus der Unbesiegbaren. Die Neuseeländer beherrschen die 49er-Szene seit 2013 und haben seitdem keine Regattaserie verloren. In der Zweimann-Jolle 470er dominieren die Australier Mathew Belcher/Will Ryan. Von 2010 bis 2015 war Belcher ununterbrochen amtierender Weltmeister. Drei Titeln mit Vorschoter Malcom Page folgten drei WM-Siege mit Will Ryan. Zwar wurden Belcher/Ryan in diesem Jahr vor Argentinien entthront und mussten sich mit WM-Bronze zufriedengeben, doch die olympische Serie soll im August fortgesetzt werden. Nach der Goldmedaille mit Page (2012 in London) steht jetzt die Goldmedaille mit Ryan auf der Agenda.

Den Blick auf eine olympische Medaille richtet auch die deutsche Hoffnung im Laser, Philipp Buhl. Der in Kiel lebende Sonthofener gewann EM- und WM-Silber im Vorjahr und zeigt im rechten Moment immer eiserne Nerven. So zählt der 26-jährige Berufssoldat zu den deutschen Medaillenhoffnungen vor Rio de Janeiro. Kiel und dann ganz viel Segeln vor Rio – das sei der Plan bis zu den Olympischen Spielen (5. bis 21. August), bei denen ab dem 8. August die Laser an den Start gehen.

„Die Kieler Woche ist noch mal eine Wettkampf-Probe vor Olympia, danach werde ich noch einmal zehn Tage in Rio sein, um mir dann im Juli vor Kiel den letzten Schliff zu holen und die nötige Ruhe zu tanken“, so Buhl, der nach der Kieler Woche auch dem Medienrummeln entfliehen möchte. Für eine große deutsche Olympia-Hoffnung baut sich der Druck von allein auf. „Eigentlich kann ich gut mit Druck umgehen. Den habe ich ja nicht allein. Alle Favoriten haben ihn in gleicher Weise. Mir ist es auf jeden Fall lieber, als ein Mitfavorit mit Druck anzureisen als als Nobody ohne Druck. Kurz gesagt: Nur wenn ich zu den Favoriten zähle, fühle ich mich richtig vorbereitet“, erklärte Buhl im Rahmen der Pressekonferenz im Kieler Yacht-Club.

Aktuelle Ergebnisse der Regatten gibt es hier.

Live-Stream aus dem Olympiazentrum in Schilksee