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Regatten

SYDBANK CUP 2018: Titelverteidiger mischen vorn mit

„Outsider“ schnell, „needles and pins“ vermessen schneller – „Halbtrocken 4.0“ und „Hinden“ wieder Spitze – Ein Junggesellenabschied der besonderen Art

Foto: Sven Jürgensen

Der letzte Startschuss zur Hinrunde des Sydbank Cups 2018 verhallte am Mittwoch, 15. August, um 19.25 Uhr über der Kieler Innenförde. Bei drei Gruppenstarts machten sich 36 Yachten bei Leichtwindbedingungen im Uhrzeigersinn um Seeland herum auf den Weg nach Kopenhagen. Mit von der Partie sind acht Double-Hand-Crews und 28 Yachten mit voller Crewstärke.
Bei glatter See, sommerlichen Temperaturen und einer schwachen Brise glitten die Yachten über die Startlinie. Noch lange waren die Boote am Horizont zuerkennen. Und der schwache Wind erforderte von den Crews Geduld, denn bis auf Höhe der dänischen Insel Langeland ging es nur langsam voran. Das Regattafeld blieb eng zusammen.
Dann hatte der Wettergott ein Einsehen mit den Langstreckenseglern und bescherte ihnen ein wenig mehr Wind. „Ab Langeland waren die Bedingungen gut – ein wirklich schöner Segeltörn”, berichtete die Crew der Swan 48 S „Big Easy III”. Die Windprognose von Wettfahrtleiter H.-Eckhard von der Mosel vor Regattabeginn war recht treffend: „Nicht genug Wind, dass es gefährlich wird, aber gerade genug, um es interessant zu machen.”  Angesichts der Leichtwindbedingungen rückte ein neuer Streckenrekord auf der Etappe Kiel-Kopenhagen allerdings frühzeitig in weite Ferne. Der Rekord der „UCA" (Klaus Murmann/Kiel/J/V 86) im Jahr 2008 von 13 Stunden 53 Minuten und 13 Sekunden bleibt ungebrochen. H.-Eckhard von der Mosel glaubte aber schon beim Start aus anderen Gründen nicht an einen neuen Rekord: „Da die Crews wegen eines aktiven Schießgebietes im Norden Seelands nicht den idealen Kurs segeln können, sondern einen kleinen Umweg nehmen müssen, sind neue Rekorde nicht möglich.” Auch für die Rückfahrt von Kopenhagen nach Kiel erwartet von der Mosel aufgrund der Wetterprognosen keinen Streckenrekord.
Mit einer kommoden Windrichtung mit viel Einsatz des Spinnakers auf der Hinfahrt rechnete der Skipper der X-41 „Sydbank”, Sven Christensen. Er sollte Recht behalten: Die Spinnaker der Yachten kamen auf dem Weg nach Kopenhagen relativ durchgängig zum Einsatz. „In unserer Gruppe sind viele gute Boote am Start. Das wird spannend”, sagte Christensen, der nicht nur beim Sydbank Cup mitsegelt, sondern als Geschäftsführer der Agentur Point of Sailing auch die Segelveranstaltung vermarktet. Als einen Favoriten im Rennen um den Sieg nannte er die TP52 „Outsider” mit einer Crew um den frisch gekürten Offshore Vize-Weltmeister Tilmar Hansen, der mit einer Last-Minute-Anmeldung überraschte.
Und mit seiner Einschätzung lag Christensen goldrichtig: Die „Outsider” überquerte am Donnerstag um 14.43 Uhr als erstes Schiff die Ziellinie vor Ålsgårde. Nach berechneter Zeit reichte es letztendlich aber nur für den zweiten Rang in der Gruppe. Danach kamen die Yachten in großen Abständen ins Ziel, da sich das Feld im Laufe des Rennens weit auseinander gezogen hatte.

Ursprünglich sollte die Ziellinie weiter südlich bei Rungsted liegen, doch aufgrund der Windverhältnisse hatte die Wettfahrtleitung die Bahn verkürzt und das Ziel vor Ålsgårde nördlich von Helsingør verlegt. „Die Vorverlegung der Ziellinie war genau die richtige Entscheidung, da die Boote schon in der ersten Nacht des Rennens nicht genug Speed hatten. Die ersten Segler haben sich noch über die Vorverlegung gewundert, die letzten waren froh darüber”, so von der Mosel. Das konnte Bo Teichmann von der „Outsider” nur bestätigen. „Für uns spielte die Verkürzung keine Rolle. Es wäre vermutlich sogar komfortabler gewesen weiter durchzusegeln, aber für die kleinen Boot war die Entscheidung genau richtig”, sagte Teichmann. 
Für internationales Flair sorgt beim Sydbank Cup 2018 die Crew des brasilianischen Skippers Cesar Gomez Neta. Gemeinsam mit sechs weiteren Seglern vom IATE Clube de Santa Catarina ist er extra aus Brasilien zum Langstreckenrennen nach Kiel angereist. Während eines Europaaufenthaltes im Frühjahr, bei dem er in Kopenhagen Verlobung feierte, erfuhr er vom Sydbank Cup. Daraufhin beschloss der Brasilianer, die Regatta für eine Art Junggesellenabschied der besonderen Art zu nutzen und mit seinen besten Freunden aus Jugendtagen zusammen anzutreten. Die Crew aus Südamerika geht mit der X41 “Ningxia” an den Start. Verstärkt wird die Crew durch den Dänen Jess Jørgensen (Assens Sejlklub/Fünen), der X-41-Yachten für Regatten und Regattatraining verchartert. Die Brasilianer haben bereits Regattaerfahrungen in den olympischen Bootsklassen Laser und 49er gesammelt, aber auch auf einem der X-41 ähnlichen Bootstyp. Vor dem Sydbank Cup haben sie zwei Stunden in Kiel auf der “Ningxia” trainiert. „Mit dem Boot haben wir gute Chancen beim Rennen, aber der Spaß steht bei uns im Vordergrund”, erklärte Cesar Gomez Neta vor dem Start. 
Dafür, dass die Brasilianer bei der Regatta in erster Linie Spaß haben wollten und die X-41 “Ningxia” kaum kannten, lieferten sie ein recht passables Segelergebnis auf der Hinrunde nach Kopenhagen ab. In der mittleren Gruppe landeten sie hinter Sven Christensen mit der “Sydbank” auf Platz fünf.
Hinrunden-Sieger der mittleren Gruppe ist der Titelverteidiger aus dem Vorjahr, Michael Berghorn, mit der X-41 „Halbtrocken 4.0”. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Christian Rönsch mit der J-111 „Piranha” und Alf Henryk Wulf mit der X-41 „Stardust”. Somit änderte sich an der Spitze des Feldes auf Platz eins und zwei im Vergleich zum Vorjahr nichts.
In der Gruppe ORC A gab es mehr Veränderungen auf den ersten drei Plätzen. Es siegte Andreas Rose mit der J-125 „needles und pins”. Platz zwei belegte die last-minute gemeldete TP52 „Outsider” mit Skipper Tilmar Hansen, die bereits am Start als einer der heimlichen Favoriten gehandelt wurde. Drittplatzierter ist Matthias Mier mit der Class 40 „Andasta”. „Für uns war es eine superschöne Regatta, die viel Spaß gemacht hat”, sagte Bo Teichmann von der „Outsider”. Am Anfang wäre es aufgrund der Windverhältnisse schwer gewesen, aus der Kieler Förde zu kommen, aber in der zweiten Hälfte des Rennens hätte die „Outsider” gut Druck im Segel gehabt. Für die Rücketappe nach Kiel hat sich die Outsider-Crew Einiges vorgenommen: „Wir hoffen, wieder das First Ship Home zu sein und vielleicht noch an der “needles und pins” vorbei auf Platz eins zu segeln.” 
Ein alter Bekannter aus dem Vorjahr siegte in der Gruppe ORC C, Titelverteidiger Jonas Hallberg mit der JPK 10.10 „Hinden”. Bereits im dritten Jahr in Folge hat Hallberg mit der „Hinden” in der Gruppe der kleinen Boote beim Sydbank Cup die Nase vorn. „Für uns lief es ganz gut. Der Knackpunkt war, dass wir nach dem Start schnell aus der Förde gekommen sind, und nördlich von Seeland kam dann nochmal ordentlich Wind”, erklärte  Hallberg. Bei guter Segelleistung blieb auf der „Hinden” die Geselligkeit während des Rennens nach Kopenhagen nicht auf der Strecke. Ein Crewmitglied feierte unterwegs seinen 40. Geburtstag, inklusive Kuchen mit Kerzen darauf. Der zweite Platz in der Gruppe der kleinen Yachten ging an Werner Lemmel mit der Swan 46 „Rarotonga”, der dritte an Frederik Linthout mit der Varianta 44 „Fredfisher”.
Auch in der Gruppe A der Kategorie Double Hand setzte sich der Titelverteidiger erneut an die Spitze. Es gewann der schwedische Skipper Rikard Roth mit Lars Jörnvi als Crew mit der XP-44  „XAR”. Auf Platz zwei folgt Jan Stähr mit der Figaro 2 „Gnaraloo”. Ein Boot unter französischem Stander brach das Rennen ab. „Es war ein exzellentes Rennen mit einem langsamen Anfang und einem sehr schnellen Ende. Als der Wind nachmittags zunahm, war es für uns fast ein wenig zuviel, aber das letzte Stück war dann wieder sehr entspannt”, fasste Rikard Roth die Etappe Kiel-Kopenhagen zusammen.
In der Gruppe B Double Hand siegten Skipper Carl Rasmus Richardsen und Lena Fetting mit der MAXFUN 35 „Tøsen”. Platz zwei belegen Skipper Dr. Lars Kyburg und Niels Töbke. Glück im Unglück hatte die Crew der X-99 mod T „Madame X”. Eine Patenthalse führte zum Mastbruch. Die Crew blieb unverletzt und konnte unbeschadet den nächsten Hafen anlaufen. 
Nach mittlerweile alter Tradition wurden die Segler des Sydbank Cups bei ihrer Ankunft in Tuborg Havn von der KYC-Crew mit von der Firma WeTreu gesponserten Hot Dogs und einem May & Olde und Budĕjovický Budvar Welcome Bier begrüßt. Da sich der Zieleinlauf der Yachten insgesamt über rund 14 Stunden hinzog, war es auch für das KYC-Team vor Ort eine lange Nacht. Erst um 3.30 Uhr am frühen Freitagmorgen waren die letzten Segler mit Hot Dogs und einem Welcome Bier versorgt. Das Engagement der KYC-Crew wurde von den Seglern sehr gelobt. Bo Teichmann: „Das ist immer ein toller und sehr persönlicher Empfang beim Sydbank Cup in Kopenhagen.”
Freitag spendierte der Sponsor May & Olde den Seglern ein wohlverdientes Frühstück im Tuborg Havn. Anschließend nutzten die Segler die Zeit für Bastelarbeiten an den Yachten, die Vorbereitungen für die zweite Etappe sowie ein wenig Sightseeing in der dänischen Hauptstadt, bevor die Sydbank als Eventsponsor am späten Nachmittag im Tuborg Havn zum Gin-Tasting einlud. Danach wurden im Hellerup Sejlklub die Sieger der Hinrunde des Südbank Cups geehrt, bevor die Langstreckensegler beim traditionellen BBQ ihre Erfahrungen der ersten Etappe der Regatta austauschten. Bei dem geselligen Beisammensein in dem dänischen Segelklub im Norden Kopenhagens gab die Sydbank 240 Liter Freibier für die Segler aus. 
Nach dem Ruhetag in Kopenhagen fällt Sonnabend um 10 Uhr vor Tuborg Havn der Startschuss für die Rückregatta, die KYC-Trophy. Der zu segelnde Kurs führt Richtung Gedser südlich um Seeland herum nach Strande (rund 150 sm), wo am Sonntag, 19. August, gegen 17 Uhr im Clubhaus des Kieler Yacht Clubs die Siegerehrung geplant ist.
 

 
Ergebnisse Sydbank Cup 2018, KDY-Trophy Kiel-Kopenhagen:
(Platz, Schiffsname, Bootstyp, Skipper/Eigner)
 
Double Hand:
Gruppe A:

<ol type="1" start="1">XAR, XP-44, Rikard Roth/Lars JörnviGNARALOO, FIGARO 2, Jan Stähr</ol>

 
Gruppe B:
1. Tøsen, MAXFUN 35, Carl Rasmus Richardsen/Lena Fetting

 

2. Ventus, Comfortina 42, Dr. Lars Kyburg/Niels Töbke
 
ORC Club Full Crew:
ORC A:

<ol type="1" start="1">needles and pins, J-125, Andreas RoseOutsider, TP52, Tilmar HansenAndasta, Class 40, Matthias Mier</ol>

 
ORC B:

<ol type="1" start="1">Halbtrocken 4.0, x-41, Michael BerghornPiranha, J-111, Christian RönschStardust, X-41, Alf Henryk Wulf</ol>

 
ORC C:

<ol type="1" start="1">Hinden, JPK 10.10, Jonas HallbergRarotonga, Swan 46, Werner LemmelFredfisher, Varianta 44, Frederik Linthout</ol>   Weitere Informationen über den Sydbank Cup und die Ergebnisse finden Sie unter www.manage2sail.com und auf der Seite des Kieler Yacht-Clubs unter www.kyc.de/de/regatten/sydbankcup/&nbsp; oder auf Facebook unter SydbankCup Weitere Informationen über den Sydbank Cup und die ersten Ergebnisse finden Sie unter www.manage2sail.com und auf der Seite des Kieler Yacht-Clubs unter www.kyc.de/de/regatten/sydbankcup/ oder auf Facebook unter Sydbank Cup. Unter folgendem Link erhalten Sie Fotos von dem Sydbank Cup 2018 zur redaktionellen Verwendung: https://www.dropbox.com/