Navigation und Service

Fahrtensegeln

Im Winterquartier der 12er

Gern folgen wir der Einladung Oliver Berkings zu einem Besuch des Robbe & Berking Heritage Centers. Sein Vortrag am 2. Schiffertisch im Februar hat uns überzeugt. Pünktlich gegen 11:30 Uhr treffen ca. 50 KYC-Mitglieder mit dem Bus im Flensburger Industriehafen ein, wo sich das Mekka der Klassischen Yachten, das Museum Robbe & Berking Heritage Centre mit der Werft Robbe & Berking Classics befindet.

Oliver Berking begrüßt uns persönlich am Eingang des eindrucksvollen Gebäudes aus Stahl und Glas mit der gläsernen Werfthalle, durch deren Scheiben wir die Risse der eingelagerten Zwölfer bereits erblicken. Inmitten der neun Riva-Yachten, Motoryachten aus glänzendem Mahagoni und poliertem Edelstahl des Konstrukteurs Carlo Riva, stehen wir in der Ausstellungshalle und lauschen den Ausführungen Berkings. Nirgendwo auf der Welt stehen so viele 12er zusammen. Die Schiffe sind schon vor 80 Jahren gegeneinander gesegelt. Nun genießen sie die Wartung für die nächste Saison. Unterhalb des Geländers der Galerie, auf der sich die über 8.500 Bände starke Fachbibliothek befindet, stehen die Formel für die Zwölfer und ihre Namen mit Baujahr.
Begleitet von seinem engsten Mitarbeiter Jakob Franze, Bootsbaumeister und Yachtmakler, führt uns Oliver Berking in das Allerheiligste, die Werft. In zwei Gruppen werden wir durch die Hallen geführt. Hier dürfen wir nicht fotografieren, weil die Eigner dies nicht wünschen. Aber wir dürfen schauen von unten und von oben: Jetzt stehen wir unter der »Sphinx« und können den mächtigen Rumpf und den langgestreckten Bug bestaunen. Die Sphinx wurde 1939 von Abeking & Rasmussen als letzter von 10 Zwölfern gebaut. Mit ihr, damals unter dem Namen »Ostwind«, begann die Geschichte von Robbe & Berking Classics. Wir steigen ein Treppe hinauf zum kleinen Konferenzraum mit dem alten Teakdeck der »Sphinx« als Konferenztisch. Von hier oben sehen wir sie alle auf einen Blick: Teakdeck neben Teakdeck, die Masten liegen in der Mastenhalle mit Werkstatt, die Deckshäuser und andere Aufbauten sind ausgebaut und werden in der Schreinerei frisch lackiert. Direkt vor uns die »Vim«, 1939 in New York gebaut, mit den Zweigang-Coffeegrindern, den Alumast sehen wir später im Mastenlager.  Unweit davon die «Jenetta«, die 2008 im Pitt Lake nahe Vancouver gesunken war und deren Wrackteile - von Oliver Berking 2010 gehoben – an der Wand in der Halle liegen: Nach 1 ½ Jahren Bauzeit mit 22.000 Arbeitsstunden wird sie in acht Wochen fertig sein, ein Nachbau nach den Originalplänen des Konstrukteurs Alfred Mylne. Jetzt besteigen wir die Arbeitsbühne längsseits der »Baruna«, jener legendäre Bermuda-Racer, 1938 von Olin Stephens gebaut, die jetzt einem Amerikaner gehört. Der Rumpf der «Baruna« wurde als Decksfracht von San Diego nach Zeebrügge verschifft, wo Oliver Berking und Jakob Franze das Schiff in Empfang nahmen. Sie bauten kurzerhand einen acht Meter hohen Behelfsmast aus Dachlatten aus dem Baumarkt und segelten das marode Schiff mit einem Stützsegel und unter Motor mit ständig laufenden Lenzpumpen auf eigenem Kiel nach Flensburg.
…*
Oliver Berking verabschiedet sich von uns mit dem Hinweis auf die nächste Ausstellung im Frühsommer zum Thema „America’s Cup“: Mit zahlreichen Exponaten aus der ganzen Welt möchte die Ausstellung Segelinteressierte für die Geschichte des America’s Cup begeistern und in der Hall of Fame Frauen und Männer ehren, die sich um diese Regatta verdient gemacht haben.
Wir sind alle sehr beeindruckt von der Leidenschaft und der Exzellenz, mit der hier gearbeitet und gestaltet wird. Wir werden allen davon erzählen und wiederkommen.

Herzlichen Dank an Oliver Berking und sein Team.
Herzlichen Dank auch an Klaus Kalkreuth und Patrick Schmidt für die Organisation dieses Ausflugs.

* Lesen Sie den Bericht in voller Länge im nächsten Mitteilungsblatt.

Text: Krista Volles
Fotos: Stefan Anker/ Ina Steinhusen/ R&B; Klaus Kalkreuth/ KYC