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IMMAC FRAM – Unser Weg zum Silber

Bei Go4Speed starteten sie ins Training. Auf der Maior und den Pre-Worlds im Rahmen der Kieler Woche Sailing lieferten sie sich enge Zweikämpfe. Beim Marstrand Big Boat Race holten sie den Sieg. Und das war nur das Vorspiel für die eigentliche Herausforderung.

Steuermann Kai Mares berichtet zur Saison 2018 der Italia 9.98.

Für unser Team stand die Segelsaison 2018 ganz im Zeichen der ORCi- Weltmeisterschaft in Den Haag/Scheveningen (Holland). Somit starteten wir ab Ostern mit unseren Trainingspartnern vom Team ONE Spirit um Steuermann Gorden Nickel und den Trainern/ Mentoren Gunnar Bahr und Jochen Schümann unsere intensive Zusammenarbeit im Training. Beide Teams segeln in ORC III mit baugleichen ITALIA 9.98 Segelyachten mit einem nahezu gleichen ORC Rating.
Diese sehr intensive Zwei-Boot-Trainingsgemeinschaft legte den Grundstein für eine erfolgreiche Saison beider Teams. Als erster großer Test stand ein Wochenende vor den MAIOR-Regatten das Go for Speed-Seminar in Schilksee an. An dieser Stelle ein Tipp für ambitionierte Regattasegler, die noch nie an Go for Speed teilgenommen haben. Bitte meldet euch für dieses Jahr an.

Es lohnt sich wirklich! Die zweitägige Veranstaltung war durch viele Manöver- und Startrainings geprägt. Am Abend wurden die Teilnehmer durch professionelle Coaches anhand von Bildern und Videoanalysen auf Verbesserungen im Trimm und Handling des Schiffes hingewiesen. Rundum ein toller Einstieg in die Saison und eine ideale Vorbereitung auf die Anfang Mai stattfindenden MAIOR-Regatten in Schilksee.

Die MAIOR-Regatta stand vom Wetter her nicht unter einem besonders günstigen Stern. Daher trat die traditionell leistungsstarke ORC III-Klasse mit nur 19 Teilnehmern an. Die Regatta war durch Seenebel und wenig Wind an den ersten Tagen geprägt. Am letzten Tag stürmte es sogar mit bis zu 30 Knoten. Die Wettfahrtleitung entschied sich aufgrund des starken Windes in der Strander Bucht zu segeln. Ein stark geschrumpftes Teilnehmerfeld kämpfte sich durch den sehr windigen Tag. Wir hatten auf die ONE Spirit, unserem größten Konkurrenten, in den ersten Tagen einige Punkte liegen gelassen. Somit reichten auch keine zwei Tagessiege am letzten Tag aus. Wir beendeten daher die Regatta nur als zweite hinter der ONE Spirit und Michael Mollmann aus Dänemark.

Vom 25. bis 27. Mai wurde in Marstrand (Schweden) die nationale Meisterschaft im Rahmen des Marstrand Big Boat Race ausgetragen. Während ein Teil der deutschen Konkurrenz bei der Nordseewoche segelte, hatte sich das Team als eines von vier deutschen Booten für Marstrand entschieden. Denn es war das Ziel unseres Teams, gegen den aktuellen Europameister aus Danzig (Pro4U-SWE 88) in einem großen und gut besetzten Feld zu segeln. Zudem ist das Revier auch eine Herausforderung im Hinblick auf Strömungen und navigatorische Hindernisse und somit eine gute Vorbereitung auf die ORCi Worlds 2018 im Juli in Scheveningen (Holland).
Bereits am Donnerstag traf sich das Team in Marstrand, um vor dem ersten Start noch einige Trainingsschläge zu machen und sich an das Revier zu gewöhnen. Für Freitag waren zwei Langstrecken-Wettfahrten geplant, die die Crew entlang der schwedischen Küste führten. Der Kurs bestand sowohl aus festen Seezeichen als auch aus kleineren Inseln. Unser Team gewann beide Wettfahrten. Der Schlüssel zu diesem Erfolg lag insbesondere in den zahlreichen Manövern und der richtigen Segelauswahl.
Am Samstag herrschten zunächst Flaute und Winddreher. Gegen 12.30 Uhr konnte dann die erste Wettfahrt des Tages gesegelt werden. In den drei Wettfahrten (alles Up & Down-Kurse) konnte das Team jedoch nicht an die besten Manöverleistungen von den MAIOR-Regatten anknüpfen. Dennoch sicherte sich das Team mit den Einzelplatzierungen fünf, zwei und zwei über Nacht den zweiten Platz in der Klasse mit 37 Teilnehmern. 
Mit den Einzelplatzierungen eins, zwei und zwei konnte das IMMAC FRAM- Team um Steuermann Kai Mares (Dänischenhagen/ Kiel) dann am letzten Tag trotz eines 180 Grad-Winddrehers in der zweiten Wettfahrt des Tages den ersten Platz verteidigen. Wie bereits am Vortag, endete die letzte Wettfahrt des Tages mit einem Hafenrennen. Hierbei galt es, durch eine Engstelle zwischen zwei Inseln zu navigieren und dabei nicht in die Windabdeckung zu fahren.
Unser Team blickt somit zufrieden auf das Marstrand Big Boat Race zurück. In knapp drei Wochen erwartete das Team die Konkurrenz vom Wochenende für ein Re-Match auf dem Stollergrund.

Nach einigen Trainingswochenenden stand die Kieler Woche für uns auf dem Programm. Die Kieler Woche war dieses Jahr aufgrund der WM in Holland als Pre- Worlds-Regatta ausgeschrieben und sollte daher auch für uns der erste großer Test für die WM in Holland sein. Der Europameister hatte sich bereits angekündigt.Das Teilnehmerfeld war mit 17 Yachten übersichtlich aber die internationale Konkurrenz aus Dänemark, Schweden, Litauen und Deutschland war groß.
Wie bereits zu den MAIOR- Regatten lieferten wir uns einen sehr engen Zweikampf mit dem Team der ONE Spirit. Leider hatten wir in der letzten Wettfahrt ein größeres technisches Problem und die ONE Spirit Crew gewann mit einem Punkt Vorsprung die Kieler Woche. Der amtierende Europameister aus Schweden, dass Team Pro4U belegte den dritten Platz. Die Kieler Woche war für uns eine ideale Vorbereitung auf die bevorstehende Weltmeisterschaft.

Anfang Juli ging es auf nach Holland zur Weltmeisterschaft, unserem Saisonhöhepunkt. In unserer ORC- Klasse III erwarteten uns 50 Teilnehmer. Dies war auch die vom Veranstalter festgelegte Teilnehmerobergrenze. Ein hochkarätiges internationales Feld mit zahlreichen Profis an Bord hatte sich angemeldet. Den Haag/ Scheveningen, der Austragungsort war gleichzeitig auch der letzte Zielankunftshafen der Volvo Ocean Racer. Dadurch gewann das Event noch mehr an Charme. Zugleich war die ORCi- WM, die erste Weltmeisterschaft, die mit zwei verschiedenen Ratingsystemen ausgetragen wurde. Nach ORC und nach IRC, was die eigene Leistungseinschätzung nicht einfacher machte. Die ersten Tage nutzten wir, um uns mit dem anspruchsvollem Strömungsrevier vertraut zu machen und um die Vermessung vom Schiff und Segeln hinter uns zu bekommen. Beides lief ohne große Probleme ab.
Am Montag begann die Weltmeisterschaft traditionell mit einer 250 sm langen Langstrecke. Sehr leichter Wind und starke Strömung waren vorausgesagt. Beste Voraussetzungen, um die nicht streichbare und doppeltgewertete Langstrecke nicht kalkulierbar zu machen. Nach gutem Start in die Langstrecke trieben wir durch den starken Strom bei einem engen Tonnenmanöver an diese und verloren wertvolle Meter. Es folgte eine Aufholjagt in die Nacht hinein. Der Wind wehte konstant um die 10 Knoten und hielt bis zum Morgen auch so durch. Auf dem Rückweg standen wir vor der taktischen Entscheidung bei abflauendem Wind bis hin zu keinem Wind unter Land zu segeln oder aufs offene Meer. Gemäß Wetterbericht sollte der Wind von See her wiedereinsetzen. Nur die Uhrzeit war nicht ganz klar. Somit entschieden wir uns, unter Land zu segeln, um die Rest-Thermik auszunutzen. Dies war der Wendepunkt für viele Teilnehmer. Alle Mitstreiter, die sich seewärts orientierten, erlebten ihren persönlichen Horrortrip. Auf See war kein Wind und setzte auch erst viel später ein als angesagt. Wir konnten die letzten 60 sm unter Land auf direktem Weg ins Ziel bei Strömung in Fahrtrichtung abspulen. Auf See tat sich nichts! Nach 28 Stunden kamen wir erlöst und mit einem ordentlichen Ergebnis ins Ziel. Viele Favoriten hatten sich verzockt und kamen erst sehr spät ins Ziel. Erleichtert nahmen wir das Ergebnis (22 / 12) zur Kenntnis, wissend, dass alles hätte noch viel schlechter laufen können.
Am Tag darauf folgten die ersten beiden Up&Down-Kurse. Wir waren gespannt wie sich unser für ORC entwickeltes Schiff unter dem IRC Rating behaupten würde. Beide Regatten wurden bei wenig Wind gesegelt, und wir belegten die Plätze acht und zwei. Hier wurde schnell klar: Wer es schafft, in dem großen Feld konstant die Top 10 zu erreichen, der hat auch gute Chancen, sich ganz vorne zu platzieren. Die Taktik war somit klar, defensiv und ohne zu großes Risiko in die nächsten Wettfahrten zu gehen. Ein besonderes Erlebnis war es, mit 50 Schiffen zu starten, gegen den Strom oder auch mit Strom von hinten und die engen Tonnenmanöver mit zum Teil zwanzig Dickschiffen an den Tonnen.
Der vorletzte Tag lief nicht nach unseren Erwartungen, jedoch bendeten wir ihn unter den Top 3, was bis dahin perfekt war. Alles lief auf einen Showdown der beiden Erst- und Zweitplatzierten hin. Es handelte sich um die J- Boats 112E (Jlance) mit dem Lokalmatadoren Gideon Messink an Bord und das Team Pro4U mit einer hochmodifizierten Beneteau 36.7 aus Schweden. Wir hatten rechnerisch noch die Chance auf den Vizetitel, jedoch mussten wir uns auch nach hinten absichern.
Am Vorabend des Finaltags begannen wir, uns für das Finale zu rüsten. Der Finaltag selber begann mit einer Startverschiebung und starkem Strom.Unser Ziel war es, solide zu starten und eine gute Regatta zu segeln. Der Start ging jedoch komplett nach hinten los, da wir durch andere Yachten massiv behindert wurden. Uns gelang es dennoch, mit ein paar sauber getimten Wenden uns freizusegeln und uns taktisch auf der richtigen Seite zu platzieren. Unterdessen kämpften die beiden Teams Pro4U und JLance erbittert gegeneinander. Jlance, das schnellere Schiff, musste Pro4U nach hinten segeln, um noch Weltmeister zu werden. Dies gelang schließlich. Wir konnten durch eine sehr stark gesegelte letzte Wettfahrt einen dritten Platz verbuchen und waren somit Vizeweltmeister.
Unser Fazit aus der Saison: DieBausteine für den Erfolg waren die effektive Trainingszusammenarbeit mit dem Team ONE Spirit  und deren Trainern / Mentoren, unsere erfahrene junge leistungsorientierte IMMAC FRAM-Crew und der tolle und umfangreiche Support durch unseren Sponsor, dieIMMAC.
Eins noch zum Schluss: Viele Segler diskutierten vor der Weltmeisterschaft wie sinnvoll eine gemeinsamen Wertung nach IRC und ORCi ist. Ich bin der Meinung, dass die Zweifachwertung nach IRC und ORCi funktionierte. Wir wären zwar nach ORCi klar Weltmeister geworden aber die Platzierungen im gesamten Feld spiegelten das tatsächliche Leistungspotential wieder. Ferner musste etwas Sinnvolles und Neues getan werden, um den sinkenden Teilnehmerzahlen entgegenzuwirken. Daher sollten wir weiter an der Zusammenführung der beiden Ratingsysteme mitarbeiten. 


An Bord der IMMAC FRAM segelten: Kai Mares (Steuermann/ KYC), Florian Schlünder, Magnus Masilge, Hauke Lutzen, Fritjof Richter (KYC), Daniel Hoffmann, Nick Gottwald und Ben Westphal (KYC), Moritz- Jäger Roschko (KYC).

Fotonachweis: Felix Diemer

Kieler Yacht-Club e.V.

Mit dem bereits von den Gründern 1887 formulierten Ziel, „die Freude am Segeln zu mehren“, steht der Kieler Yacht-Club für eine lange Tradition im Regattasegeln auf höchstem sportlichem Niveau und im anspruchsvollen Fahrtensegeln. Tradition und Zukunft des Segelsports bestimmen das HandeIn im Club. Schwerpunkte der Arbeit des KYC sind die seglerische Ausbildung Jugendlicher und Erwachsener sowie die Organisation hochrangiger Regatta-Veranstaltungen wie der Kieler Woche, MAIOR, YES sowie Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Klassen.

Mit rund 1.400 Mitgliedern ist der Kieler Yacht-Club einer der größten und mit seiner Gründung im Jahr 1887 einer der geschichtsträchtigsten Segelvereine Deutschlands. Zu den Mitgliedern des KYC zählen mehrere Welt- und Europameister und Olympiamedaillengewinner in unterschiedlichen Segelklassen.