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Auf der Brücke mit… Linov Scheel und Max Stingele

Alfried-Krupp-Haus, Dezember 2018. Ein feuchtkalter Abend in Kiel. Unsere amtierenden U23-Vize-Weltmeister im 49er, Linov Scheel (22) und Max Stingele (21), fahren schwungvoll mit ihren Rädern vor. Frisch sehen sie aus, leicht sonnengebräunt und energiegeladen.

Redaktion: Linov, Max, schön, dass ihr es geschafft habt. Wann seid ihr denn vom Training im portugiesischen Vilamoura zurückgekommen?
Max: Heute um 1:00 Uhr. Nach einer kurzen Nacht waren wir dann in der Uni. Ich komm gerade aus Lübeck zurück.
Linov: Ich habe es zum Glück nicht so weit, studiere in Kiel.
Redaktion: Apropos Vilamoura: Wie kommt ihr denn vor Ort unter?
Max: Das organisieren wir meist selbst.
Redaktion: Und? Lasst ihr’s euch gutgehen?
Linov: In der Regel schauen wir, dass wir das Nötigste haben.
Max: Eine Ausnahme war Marseille.
Linov: Da haben wir das volle Programm gebucht. Für die WM wollten wir bestmöglich aufgestellt sein.
Max: Mit Whirlpool und allem!
Redaktion: Marseille! - Erst einmal einen ganz, ganz herzlichen Glückwunsch euch beiden! Ihr habt dieses Jahr bewiesen, dass ihr Weltklasse segelt. Im Olympiarevier 2024. Wie ist es dazu gekommen?
Max: Wir haben beide in der Jüngsten- und Regattagruppe angefangen, Opti zu segeln.
Linov: 2011 sind wir dann in den 29er umgestiegen und haben unsere ersten deutschen und internationalen Meisterschaften gesegelt.
Max: 2015 bin ich in den 49er umgestiegen. Linov ist öfter mitgesegelt.
Linov: Seit 2017 sind wir zusammen als Team unterwegs.
Redaktion: Und? Wie ist es euch ergangen?
Max: Ach, durchaus nicht schlecht.
Linov: 2017 haben wir bei der EM in Kiel Platz 6 in der U23-Wertung ersegelt. Dort haben wir uns für den Nachwuchskader des DSV, das German Sailing Team, qualifiziert. Diese Saison haben wir  in Gdynia bei der EM Platz 2 der Junioren ersegelt. Und dann kam halt Marseille.
Redaktion: Wie war es dort?
Max: Die WM hat windtechnisch alles geboten, von Leichtwind bis Mistral. In den ersten Tagen führte unbeständiger, böiger und drehender Wind zu langen Phasen der Startverschiebung und ließ nur wenige Rennen zu. Dann wendete sich das Blatt am letzten Tag der Qualifikationsphase: Strahlendblauer Himmel über der Bucht von Marseille und dazu Mistral mit an die 30 Knoten.
Linov: Wir sind gut durch die Qualifikationsserie gekommen, haben solide Top-Ten-Platzierungen ersegelt. Am vorletzten Finaltag warfen uns zwei tiefere Platzierungen auf Platz fünf zurück. Es war wieder Mistral angesagt, dieses Mal mit über 30 Knoten.
Max: Deswegen war lange nicht klar, ob wir nochmal angreifen können.
Linov: Am Nachmittag wurde dann Signal gegeben: Zwei Rennen für die Gold Fleet.
Max: Das erste Rennen haben wir gewonnen, im zweiten wurden wir fünfte.
Linov: Damit war klar: Wir hatten eine Medaille gewonnen.
Max: Als wir in den Hafen zurück gesegelt sind, hat uns das gesamte deutsche Team auf der Hafenmole begrüßt.
Linov: Bestimmt 50 Leute standen dort und haben auf unsere Rückkehr gewartet.
Max: Als wir einfuhren, begannen sie zu jubeln.
Linov: Das war groß.
Max: An Land erfuhren wir dann, dass wir Silber und nicht Bronze gewonnen hatten. Die Platzierungen in der Finalserie waren höher gewichtet worden. Das brachte den Ausschlag für uns vor dem punktgleich liegenden dänischen Team.
Redaktion: Nochmals unsere Gratulation. Wie habt ihr das geschafft? Was ist euer „Erfolgsrezept“?
Linov: (lacht) Vielleicht war es der Whirlpool?
Redaktion: Was sind eure Ziele von hier aus?
Max: Ganz klar: Olympia!
Linov: Marseille 2024.
Redaktion: Na, da kennt ihr euch ja schon gut aus.
Max: Ab kommende Saison werden wir in der Seniorenklasse segeln. 49er segelt man erfolgreicher, je mehr Erfahrung man hat. Insofern werden wir uns als Neulinge unter den erfahrenen Seglern erst unseren Platz erarbeiten müssen.
Linov: In Vilamoura haben wir jetzt mit einer großen, internationalen Gruppe 49er-Segler trainiert. 46 Boote waren gemeinsam am Start.
Max: Da haben wir gemerkt, dass wir an unserer Taktik arbeiten müssen.
Linov: Bisher haben wir erfolgreich unseren Speed optimiert. Jetzt geht es um die Feinheiten.
Max: Das setzt unser neuer Trainer Max Groy mit uns auch um: Wo vorher ganz klar Ziel war Wasserstunden sammeln, verbringen wir jetzt mehr Zeit mit Vor- und Nachbereitung.
Redaktion: Wie geht es jetzt für euch weiter?
Linov: Nun, erstmal Uni dann Weihnachten.
Max: Im Februar segeln wir den 2. Vilamoura-Grand-Prix.  Ende März/ Anfang April geht es dann zum Saisonstart zur 50. Auflage der Trofeo SAR Princesa Sofia Iberostar nach Mallorca. Nächste größere Stationen sind der Weltcup in Genua, die EM im englischen Weymouth und die Kieler Woche. Im November fliegen wir dann zur WM nach Auckland in Neuseeland.
Redaktion: Wie viele Tage seid ihr im Jahr auf dem Wasser?
Linov: 180 bis 200. Von Januar bis Mai im Schnitt jeden 2. Tag, in der Saison jeden Tag montags bis freitags von 09:00 bis 16:00 Uhr. Und danach kümmern wir uns um Bootsbau, machen Sport.
Redaktion: Segeln als Full-Time-Job. Wann genau studiert ihr?
Max: Ich versuche, am Ball zu bleiben, jeden Tag mindestens eine Stunde was für die Uni zu machen. Der Rest kommt an den Wochenenden.
Redaktion: Wie gehen die Unis mit euren besonderen Anforderungen um?
Max: Ich bin ja erst im ersten Semester, mal schauen.
Linov: Ich starte ja auch noch. Die Christian-Albrechts-Universität ist Partnerhochschule des Spitzensports. Insofern bin ich optimistisch. Nach dem, was ich gehört habe, können zum Beispiel Extra-Prüfungstermine, die nicht mit Wettkampfdaten kollidieren, Ersatzleistungen etc. angeboten werden.
Redaktion: Was bedeutet es für euch, im KYC-Performance-Team zu segeln?
Max: Wir im KYC-Performance-Team haben alle im KYC „gelernt“: In der Strander Bucht haben wir unsere ersten prägenden Erfahrungen gemacht. Alle, die in unserem Alter sind, kennen wir noch aus dem Opti.
Redaktion: Ihr habt auch gerade auf der Weihnachtsfeier der Jüngsten- und Regattagruppe von eurem Weg in den 49er berichtet.
Linov: Klar! Was Justus (Schmidt) und Max (Boehme) früher für uns getan haben, tun wir jetzt für die nächste Generation. Als wir Opti gesegelt sind, waren sie im 29er unterwegs. Als wir in den 29er gewechselt sind, sind sie im 49er gestartet. … Und ab kommende Saison segeln wir gegeneinander!
Max: Insofern: Wir kennen uns gut. Wo es passt, trainieren wir zusammen, unterstützen uns gegenseitig. Mit Paul (Farien) und Mirko (Klösel) haben wir zum Bespiel zusammen für die Junioren-WM trainiert,
Redaktion: Wenn ihr jetzt einmal zurückblickt: Was waren eure Saisonhighlights?
Linov: Ganz klar: Marseille. Die Einfahrt in den Hafen. Und die Begrüßung!
Max: Und letzte Woche: Da konnten wir in Vilamoura unsere neue Lady begrüßen. Der Kieler Yacht-Club hat die Dame zur Hälfte finanziert. Die 49er FX Olympionikin Annika Lorenz hat sie auf den Namen Medusa getauft. Das war unser vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.
Linov: Ja. Herzlichen Dank dafür! Toll, dass das so gut geklappt hat!
Max: Das war für uns wirklich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk!
Linov: Wir freuen uns auf die nächste Saison auf der Medusa und wünschen allen unseren Freunden und Unterstützern einen guten Start ins neue Jahr.
Redaktion: Danke für Eure Zeit und die guten Wünsche. Mast- und Schotbruch

Fotos: (c) KYC/ Tom Finke

Interview: CW

Kieler Yacht-Club e.V.

Mit dem bereits von den Gründern 1887 formulierten Ziel, „die Freude am Segeln zu mehren“, steht der Kieler Yacht-Club für eine lange Tradition im Regattasegeln auf höchstem sportlichem Niveau und im anspruchsvollen Fahrtensegeln. Tradition und Zukunft des Segelsports bestimmen das HandeIn im Club. Schwerpunkte der Arbeit des KYC sind die seglerische Ausbildung Jugendlicher und Erwachsener sowie die Organisation hochrangiger Regatta-Veranstaltungen wie der Kieler Woche, MAIOR, YES sowie Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Klassen.

Mit rund 1.400 Mitgliedern ist der Kieler Yacht-Club einer der größten und mit seiner Gründung im Jahr 1887 einer der geschichtsträchtigsten Segelvereine Deutschlands. Zu den Mitgliedern des KYC zählen mehrere Welt- und Europameister und Olympiamedaillengewinner in unterschiedlichen Segelklassen.