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Worldcup-Bronze für Scheel/ Feilcke

Kiel/ Medemblik. Vergangenes Jahr wurden sie deutsche Juniorenmeisterinnen und Vize-Europameisterinnen U21. Maru Scheel (20) und Freya Feilcke (20), unsere 49er FX-Seglerinnen aus dem Nachwuchskader des German Sailing Team berichten von ihrem Winter und dem Saisonauftakt bei der Hempel World Cup Series – Allianz-Regatta:

(c) Sander van der Borch

(c) Sander van der Borch

Nach der Europameisterschaft und der Deutschen-Meisterschaft im Oktober 2020 entschieden wir uns als Gruppe und mit unserem neuen Trainer, Kolja Völkers, wegen der undurchsichtigen Coronasituation dazu, den Winter und Frühling hindurch im Heimatrevier Kiel zu trainieren. Bei, einem zum Glück milden Winter, aber durchaus kalten Temperaturen konnten wir die Zeit auf dem Wasser, aber auch im Kraftraum gut nutzen, um in vielen Bereichen wie Start, Manöver, Speed und  körperliche Fitness ordentliche Fortschritte zu machen. Aber auch das Studium sollte in der Zeit zu Hause neben dem Segeln nicht zu kurz kommen. Da wir beide relativ zeitaufwändige Studiengänge belegen (*1), hat uns diese reisefreie Zeit gut geholfen, Studium und Segeln gleichermaßen ausüben zu können und so möglichst viel Zeit auf dem Wasser, aber auch an Land mit dem Studium zu verbringen. 
Trotzdem haben wir natürlich das Reisen, das Messen und das Zusammenkommen mit anderen Nationen vermisst. Umso aufgeregter waren wir, als es dann endlich, nach ganzen acht Monaten, zu unserer ersten Regatta in Richtung Medemblik in den Niederlande gehen sollte.
Völlig aus der Übung, hatten wir extra einen Tag mehr Zeit eingeplant, um unsere Boote abzubauen und zu verladen. Nach rund sechseinhalb Stunden waren schließlich alle vier Boote unserer Gruppe verpackt und auf den Hänger bzw. das Auto geladen. Am Montag, dem 7. Juni, machten wir uns dann samt Gespann in Richtung Medemblik auf. Doch die Reise sollte nicht von langer Dauer sein, denn ein kaputter Sensor in der Motorsteuerung des Autos, änderte unser Ziel von Holland in Richtung Auto-Werkstatt... Nach fünf Stunden Wartezeit ging es dann mit wieder funktionierendem Sensor weiter Richtung Medemblik.
Dort angekommen, bauten wir am folgenden Tag unsere Boote auf und prüften anschließend alles auf seine Richtigkeit bei einer kurzen, eineinhalbstündigen, Segeleinheit - bei bestem Wetter und leichtem Wind.
Am 9. Juni ging es dann endlich los mit der Regatta. Ein bisschen aufgeregt, ohne eine Ahnung auf welchem Niveau wir selbst, aber auch die anderen Regatta-Teilnehmer sich befanden, beendeten wir den ersten Tag nach einigen Stunden Wartezeit und drei Rennen bei wenig Wind auf dem 6. Platz.
Der zweite Tag glich dem Ersten: Die Windströmungen kämpften gegeneinander, was eine erneute Wartezeit bedeutete – dieses Mal auf dem Wasser und nicht an Land. Doch während der Wartezeit sollte uns nicht langweilig werden. Tausende Mücken und andere „Fliegetiere“ flogen um uns herum, krabbelten uns im Gesicht und brachten alle Segler dazu, wild um sich herum zu wedeln. Sobald der Wind einsetzte verflog auch unsere „Plage“ und wir schafften zwei Rennen bei leichten, drehigen Winden. Nach dem zweiten Tag sollte sich unsere Platzierung nicht mehr verändern, so hielten wir uns auch nach dem dritten und vierten Tag, bei deutlich mehr Wind, auf dem vierten Platz. Von da ging es für uns am letzten Tag in das „Medalrace“, in dem die ersten Zehn gegeneinander segeln. Die Punkte werden in diesem Rennen doppelt gezählt (Der erste Platzt bringt zwei Punkte; der zweite Platz bringt vier, … der zehnte Platz zwanzig Punkte.) und Protestsituationen werden direkt auf dem Wasser, durch die Jury, „geklärt“.

Für uns war es das erste Medalrace, an welchem wir teilnehmen durften. Die Drittplatzierten, mit zwei Punkten voraus, und die Fünftplatzierten saßen uns mit zwei Punkten Abstand „im Nacken“. Es war also eng und entscheidend, wer vor wem ins Ziel kommt. Doch erst sah es so aus, als würde das letzte entscheidende Rennen nicht stattfinden, denn der Wind blieb erneut aus und Stunde um Stunde wurde das Rennen verschoben. Schließlich kam noch ausreichend Wind, sodass erst die Jungs und dann wir das Medalrace segeln konnten.
5 Minuten noch bis zum Start, 3 Minuten, 2, 1; 15 Sekunden, 10, 7 wir fahren los, das ganze Feld hoch an der Linie, 5, 4, 3, 2, 1, Start... Einzelrückruf geht hoch (Das heißt, einige Boote waren beim Start bereits über der Linie.) – drei Boote fahren zurück, um erneut über die Linie zu fahren und damit „bereinigt“ in das Rennen zu starten. Nach einem kurzen Zögern, ob wir auch gemeint sein könnten, sind wir uns relativ sicher, dass wir zwar knapp an, aber nicht über der Linie gewesen sind und segeln weiter.
Kurz vor der ersten Tonne können wir die Führung für uns gewinnen und gehen als Erste um die Luvtonne – ein tolles Gefühl! Die Führung können wir bis zur Hälfte der zweiten Kreuz halten, als die Boote auf der linken Kreuzseite von einem für uns nicht sichtbaren Dreher profitierten und uns überholen. Als Fünfte gehen wir um die Luvtonne, können aber auf dem letzten Downwind in Richtung Ziel noch einen Platz gut machen, sodass wir unser erstes Medalrace mit dem vierten Platz beenden. 
Wir wissen zwar, dass unsere direkten Gegner hinter uns waren, wir somit also auf den dritten Gesamtplatz vorgerutscht sein müssten, sind uns aber nicht ganz sicher, ob es wirklich gereicht hat. Vor lauter Aufregung sind wir uns unsicher, mit welchem Platz das italienische Team (die Sechstplatzierten) das Medalrace beendet hat. Dennoch guter Dinge fahren wir in den Hafen, wo uns direkt eine Organisatorin mit roten Leibchen und das gesamte deutsche Männerteam mit Jubel und einer „Sektdusche“ entgegen kommt: Es hat gereicht! Wir beenden unsern ersten Worldcup also mit dem dritten Platz und ersegeln Bronze!

Überglücklich und die Situation kaum begreifend, geht es für uns nach dem Verladen nach Hause.

Mit einem guten Gefühl und dem Wissen, selbst Olympiateilnehmerinnen - zumindest kurzfristig - „schlagen“ zu können, bereiten wir uns nun auf unseren Saisonhöhepunkt, die Junioren-Weltmeisterschaft im Juli in Gdynia/ Polen vor. Wir sind gespannt, welches Ergebnis wir dort erzielen können und werden berichten.

Viele Grüße,
Freya & Maru // GER 212

*1) Freya studiert Medizin im 2. Semester an der CAU-Kiel, Maru Industriedesign im 3. Semester an der Muthesius-Kunsthochschule-Kiel.