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Weiter Kurs Marseille.

Neues aus dem Performance Team. Max Stingele (24)und Linov Scheel (25), Mitglieder im Perspektivkader des German Sailing Teams für den KYC, berichten zu ihren Erfahrungen im Oman und blicken voraus.

(c) Anna Suslova

(c) Anna Suslova

Liebe Clubkolleg*innen,

Unser Saisonhöhepunkt, die Weltmeisterschaft im Oman, liegt hinter uns. Die Saison ist zu Ende. Neben einem Rückblick auf die Weltmeisterschaft ist es auch Zeit, den Rest der Saison Revue passieren zu lassen.  
Am 02. November machten wir uns auf dem Weg zu unserem letzten und wichtigsten Auftritt der Saison, der Weltmeisterschaft in Mussanah/Oman. Da es vor Ort keine Alternativen gab, wohnten erstmals alle Sportler zusammen in einem Hotel, welches sogar den Hafen mit einschloss. Die sonst benötigte Zeit für kochen, einkaufen, Fitnessstudio und Wegzeiten zum Boot entfielen. Ein Luxus, der es uns auf der anderen Seite, durch die unmittelbare Nähe zum Geschehen, nicht leicht machte, abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. 

Das Revier selbst entsprach unseren Erwartungen. Die täglichen 30°C erzeugten jeden Tag eine leichte Seebrise zwischen 7 und 10 Knoten. - Bedingungen, auf die wir uns in den letzten 6 Monaten konsequent eingestellt haben. Umso erfreulicher war es, dass wir mit den ersten Einheiten feststellen konnten, dass wir in Sachen Bootsspeed und Material gut mithalten können. In Trainingswettfahrten konnten wir die Schwerpunkte aus dem Training und unsere analysierten Schwächen der EM gut umsetzen und wir hatten ein gutes Gefühl, das zuletzt mit einem 5. Platz im Practice Race abgerundet wurde. 
Voll motiviert starteten wir am 16. November in die ersten Rennen des dreitägigen Qualifyings, mit dem Ziel, uns in den neun geplanten Wettfahrten als eines der besten 25 Teams für die Goldfleet zu qualifizieren. Unsere recht konstante Serie wurde am zweiten Tag von einem Frühstart unterbrochen, der den Einzug in die Goldfleet noch einmal spannend machte, jedoch gelang uns dieser noch auf Rang 23. 

Die erste Hürde war genommen, unser erster Einzug in eine 49er WM Goldfleet. In den kommenden drei Tagen sollte das Ziel sein, uns kontinuierlich nach vorne zu arbeiten, um schließlich unser persönliches Ziel der besten 20 zu erreichen. In dem durch das hohe Niveau und die leichte Seebrise, sehr engen Teilnehmerfeld glichen die Finalrennen einer Achterbahnfahrt - das Gewinnen oder Verlieren von zehn Booten pro Schenkel war keine Seltenheit. Dennoch schafften wir es, als eine der wenigen Teams, Ausreißer zu vermeiden und segelten sechs konstante Rennen unter den Top 20. Zu unserer Verwunderung konnten wir mit diesen Platzierungen im Gesamtklassement jedoch keine Plätze gut machen. Uns fehlten durch die konservative Herangehensweise 1-2 Spitzenplatzierungen, wie sie einige Konkurrenten ins Ziel retten konnten. So fanden wir uns auch am letzten Tag noch nicht unter den Top 20 und wir wussten, dass wir das Ziel nur noch mit einem sehr guten Rennen und einem damit entsprechenden Risiko im letzten Rennen erreichen könnten. Leider reichte es nicht und wir beendeten die WM nur auf Platz 24.    
 
Mit Rückblick auf die Saison können wir sagen, dass wir unsere größte Schwäche, unseren Speed bei wenig Wind, beseitigen konnten. Wir arbeiteten an Technik, Crewgewicht und Material und waren in diesen Bereichen zur Weltmeisterschaft in persönlicher Bestform. Auch die Fehler im Bereich der Startstrategie, wie wir sie noch auf der Europameisterschaft in Thessaloniki gemacht hatten, konnten wir zur Weltmeisterschaft beheben. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis auf der Weltmeisterschaft eine Enttäuschung. Wir haben hart gearbeitet, unsere offensichtlichen Defizite beseitigt, und dennoch hat es nicht ganz gereicht. Ob es an der pandemiebedingt geringen Regattaerfahrung in den letzten zwei Jahren oder dem zu konservativen Segeln in der Finalserie lag, oder ob es andere Gründe gibt, werden wir nun auswerten.  

Dennoch sind wir überzeugt, dass wir in vielen Bereichen schon ein Top-Niveau erreicht haben, es uns allerdings bisher noch nicht konstant genug gelingt, dieses zusammen auf den Kurs zu bekommen. Wir werden weiterarbeiten und alles für unser Ziel geben, Deutschland bei den Olympischen Spielen 2024 zu vertreten.  
Nun werden wir jedoch zunächst etwas Zeit zu Hause verbringen, bevor wir ab Februar in die Saison 2022 starten. Als Besonderheit wird im kommenden Jahr die 49er-Klasse mit Masten und Segeln eines neuen Herstellers ausgestattet. Ein Umstand, der neben der Herausforderung der Materialanschaffung auch eine große Chance darstellt, denn die „älteren“ Teams verlieren ihren Erfahrungsvorsprung, welches sie im bisherigen Material hatten. Daher werden die ersten Monate der Saison aus intensiven Material-Tests bestehen.

Wir möchten uns ganz herzlich für die tolle Unterstützung bedanken, und wünschen eine schöne Adventszeit. Bleibt gesund!

Beste Grüße
Max & Linov