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Vendée Globe. Nachdem der norddeutsche Skipper gestern bei 30-40 Knoten Wind einen Riss im Großsegel vermelden musste, kam heute die ersehnte Nachricht: KYC-Mitglied Boris Herrmann hat Kap Hoorn passiert – allein unter Vorsegel.

(c) Jean-Marie Liot/ Team Malizia

(c) Boris Herrmann: Der Riss im Großsegel

(c) Boris Herrmann: Sorgenvoller Blick: Riss im Groß und Kurs Kap Hoorn!

Das war der Moment, auf den sich der 39-jährige schon lange gefreut hatte: Heute um 02:27 UTC, nach 57 Tagen, 13 Stunden und 07 Minuten auf See hat er Kap Hoorn gerundet! 
Die 425 m hohe Klippe an der südlichsten Spitze Südamerikas ist oft ein Synonym für höllische Bedingungen. Das legendäre Kap bildet die offizielle Grenze zwischen dem Pazifik und Atlantik. Für die Vendée Globisten markiert es den Ausgang aus dem stürmischen und völlig ungeschützten Südpolarmeer und den Beginn der Zielgeraden in geschützteren Gewässern.  Es ist auch das erste Mal seit dem Start, dass die Segler dieses Rennens die Chance haben, nach fast zwei Monaten auf See endlich wieder Land zu sehen. Für viele ist die Umrundung wie eine Erlösung, obwohl es noch ein langer Weg bis ins Ziel ist. 
„Kap Hoorn, wir sind da! Ich werde es nicht sehen, da ich zu weit südlich bin. Der Wind weht mit durchschnittlich 30 bis 40 Knoten. Ich habe nur das J3-Vorsegel gesetzt, da das Großsegel beschädigt ist. Das Meer ist weiß. Es sieht beeindruckend aus! Als ich mich Kap Hoorn näherte, habe ich gehalst, um bei diesem Seegang nicht zu nah an den Kontinentalschelf zu kommen. Das ist zu gefährlich, zumal ich im Moment langsam segle. Es tut weh, denn ich verliere viele Meilen, aber ich werde kämpfen und niemals aufgeben“, so der Skipper bei der Passage. Für Boris Herrmann ist dies bereits die fünfte Kap Hoorn Umrundung. Nach drei erfolgreichen Weltumsegelungen (Class 40 „Beluga Racer", Open 60 „Neutrogena", Maxi Trimaran „IDEC Sport") und dem Rekord New York - San Francisco (Volvo 70 „Maserati") passierte er das Kap an Bord der Seaexplorer erstmals solo. 
Damit hat Herrmann nun über 70% der gesamten Renndistanz erfolgreich zurückgelegt und ist bereit, die letzten 7.000 Seemeilen bis zur Ziellinie in Les Sables d'Olonne in Angriff zu nehmen. 
In den letzten Wochen hat er sich sehr gut um die Seaexplorer-Yacht Club de Monaco gekümmert, ist konservativ gesegelt und hat so das Boot, die Ausrüstung und die Segel so gut wie möglich geschont: „Seit dem Start habe ich mich entschieden, manchmal auch auf die Bremse zu treten, um das Material zu schonen und Bruch zu vermeiden.“ 
Aufgrund einiger technischer Probleme an Bord, die er nun behoben hat oder gerade behebt, hat der Skipper in letzter Zeit einige Meilen verloren: Die Batterien werden jetzt wieder geladen, nachdem er es geschafft hat, eine gebrochene Verkabelung vom Generator zu reparieren und ein verbranntes Kabel zu ersetzen. Gestern meldete er einen Riss im Großsegel zwischen den Reffs 2 und 3, der ihn zwang, nur unter Vorsegel zu segeln. Die Reparatur ist im Gange, aber er muss warten, bis die geklebten Flicken getrocknet sind und auch das Achterliek nähen, bevor er das Großsegel wieder setzen kann. Sobald das Großsegel repariert ist, wird er den letzten Teil des Rennens mit einem Boot in sehr gutem Zustand in Angriff nehmen, das nun auf dem Weg nach Norden, wo die eebedingungen endlich günstiger für High-Speed-Foiling sein sollten, sein volles Potenzial ausschöpfen kann.
Bei dieser 9. Auflage der Vendée Globe ist das Rennen unglaublich eng. Boris passierte Kap Hoorn auf Platz 10, weniger als 800 Seemeilen hinter dem Führenden Yannick Bestaven (Maître Coq IV), der das Hoorn am Samstagnachmittag um 13:42 UTC gerundet hatte. Lediglich 220 Seemeilen trennen den fünftplatzierten Benjamin Dutreux (OMIA Water Family) von der elftplatzierten Isabelle Joschke (MACSF). Heute Morgen haben damit zum ersten Mal in der Geschichte der Vendée Globe vier Skipper (Maxime Sorel, Giancarlo Pedote, Boris Herrmann und Isabelle Joschke) innerhalb von vier Stunden Kap Hoorn gerundet!
Mit rund 30% der Gesamtdistanz, die noch zurückzulegen sind, ist das Rennen noch lang und anspruchsvoll. Die Skipper müssen den Süd- und Nordatlantik queren und ihre Route durch komplexe Wettersysteme, durch die Doldrums und schließlich durch die winterlichen Wettersysteme des Nordatlantiks finden... Die nächste schwierige Entscheidung für Boris ist, ob er durch die ruhigeren Gewässer der Le-Maire-Straße (zwischen Patagonien und Staten Island) segelt oder die östlichere Route wählt und die Falklandinseln an Backbord lässt. Er wird durch die Hoch- und Tiefdruckgebiete, die zu dieser Jahreszeit vor Argentinien sehr aktiv sein können, die beste Route finden müssen.
Wir werden in den kommenden Wochen sicherlich noch einige Veränderungen in der Rangliste sehen und weiterhin ein sehr spannendes Rennen verfolgen!  

Mehr zur Regatta gibt es auf der Vendée Globe Website Ranking & Tracking sowie auf Youtube bei Vendée Globe TV.
Mehr zu Boris Herrmann gibt es auf der Webseite www.borisherrmannracing.com, Youtube, Facebook und Instagram (@borisherrmanracing).
Weitere aktuelle Berichte gibt es online bei der Yacht und im Segelreporter. Im Float Magazin kommentiert der Kieler Metereologe Sebastian Wache das Vendée Globe-Wetter.