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Reingeschnuppert.

Kiel/ Strande. Eintritt in den Segelverein während der Pandemie - Trotz Corona die Lust am Segeln entdeckt: Vier Probemitglieder berichten von ihrer ersten Saison 2020 in der Schulungsgruppe in ungewöhnlichen Zeiten:

(c) Maria-Sophie Schmidt

(c) Franziska Steffens

(c) Deetje Bruhn

Was mache ich mit den vielen freien Abenden, ohne meine anderen Hobbies ausüben zu können und wie kann man unter diesen Bedingungen neue Leute kennenlernen? Vor dieser Frage stand ich letzten Sommer. Die Antwort für mich: Ich könnte doch endlich mal wieder segeln! Die Zeit nutzen, um endlich mal einen Schein zu machen. - Aber wie und wo ohne eigenes Boot? -  Flugs bei Freunden erkundigt: „Erzähltest du nicht mal von einer Segelgruppe beim KYC mit sehr netten Leuten und interessanten Fahrtangeboten? Ob die sich wohl auch bei Corona treffen?“
Schnell hab‘ ich mich auf den Internetseiten des KYC informiert, Bernd Küper und Kristina Schröder angeschrieben und fix Antwort bekommen: Ja, sie treffen sich! Zum kostenlosen Schnuppersegeln konnte ich gleich vorbeikommen. An dem Abend war besonders großes Interesse, sodass der Skipper flexibel auf ein größeres Boot umstieg, alles kein Problem! Ich segelte meinen ersten Abend Anfang August mit einer bunten Gruppe, in der ich (42) mich gleich wohlfühlte. Von totalen Anfängern bis zum erfahrenen Skipper wurde jeder an Bord entsprechend seiner Fähigkeiten angeleitet und eingesetzt. Es gab keine Kommentare, wenn es beim ersten Mal nicht gleich klappte; dann wurde es halt nochmal gezeigt; sehr angenehm nach mehreren Jahren Pause und etwas Unsicherheit mit der Technik an Bord!  Ich konnte mich gleich einbringen, das Segeln machte vom ersten Moment an wieder Spaß. Wir fuhren einmal raus auf die Förde und zurück, zum Abschluss gab es einen Feierabendtrunk; eine nette Runde. Da bleibe ich!

NEUER KAMERAD IN SICHT! 

Auf dieser ersten Fahrt ebenfalls mit an Bord war Lukas (27), der sich auch hat anfixen lassen: "Ich sah abends oft die Boote nach Feierabend auf der Förde und dachte: 'Segeln könntest du doch auch einmal ausprobieren!' Ich habe auf der Webseite des KYC geschaut, da war die SG nett präsentiert. Man hat gesehen, die ist groß, da ist was los, die bieten was an! Dann hab‘ ich Bernd angerufen, der meinte, ich kann vorbeikommen, ich bin vorbeigekommen und es war nett! Das war etwa Anfang August. Man war dann halt beim Ausbildungssegeln und ich habe mich gleich entschlossen, die Segelscheine weiterzumachen. Die Schnuppermitgliedschaft war eine super gute Entscheidung. Es war auch toll, dass man gerade während Corona relativ viel machen konnte, machen durfte, dass das Segeln eine Sache ist, die man draußen machen kann, wo man ein paar Menschen sieht. Es war immer abwechslungsreich. Toll, dass es Leute unterschiedlichen Alters unterschiedlicher Berufe, unterschiedlicher Lebensumstände sind, die da zusammenkommen! Keine Gruppe, die in eine bestimmte Richtung geht, sondern einfach ganz bunt. Das finde ich sehr bereichernd.“

So schlossen er und ich also eine Probemitgliedschaft ab, d.h. für weniger als die Hälfte des eigentlichen Jahresbeitrages konnten wir schnuppern, ob Segeln in der SG ein passendes Hobby für uns ist. Es wurde für uns deutlich komfortabler, sich zum Segeln anzumelden, denn mit der Bestätigung erhielt man zugleich die Zugangsdaten zur Segelliste, dem Online-Buchungssystem der Boote und Segelbeteiligungen. Hat man entsprechende Qualifikationen und eine Führungsberechtigung innerhalb der SG erworben, kann man dort als Skipper ein Boot auswählen und zum Törn mit Crew eintragen. Man hatte so als „Neuer“ einen super Überblick, welches Boot wann mit wie viel Leuten fahren würde und ob auch unter Corona-Bedingungen noch ein Platz frei ist. Dort konnte man sich dann direkt eintragen, z.B. für das abendliche Ausbildungssegeln dienstags oder donnerstags bei wechselnden Skippern.

UND WIR WERDEN IMMER MEHR!

Beim Ausbildungssegeln lernten wir Franziska (26) kennen, die schon gleich zu Beginn dieser kurzen Saison ab Juni in der SG eingestiegen war.  
„Ich hatte Lust auf neue, nette Bekanntschaften und ein geselliges Hobby, das ich durch Fahrten mit Freunden schon einmal ausprobiert hatte. Segeln bietet mir Entspannung im Alltag in der Natur – auf dem Wasser. Ich bin meist nach Feierabend zweimal die Woche beim Ausbildungssegeln auf Taffi und Arndt gefahren. Im Sommer konnte ich an zwei Wochenendtouren teilnehmen, als Teil der Crew beim SSS Training und eine Fahrt nach Sønderborg, DK. Zu beidem konnte ich mich unkompliziert über die Segelliste online anmelden. Ich bekam viel Hilfe und Unterstützung als absoluter Anfänger. Die Gruppe hat mich herzlich aufgenommen. Gerade mit den Crews des Ausbildungssegelns war es nett, zum Abschlusstrunk nach dem Aufklaren des Bootes zusammenzusitzen. Man sollte sich aber bewusst sein, dass man Zeit in das Hobby investieren muss, z.B. auch jetzt im Winter hat man Verpflichtungen mit der Bootspflege. Und natürlich hilft es auch, sich einzubringen, um in der Gruppe anzukommen. Dann hat man ein Hobby, das viel Freude macht, in Gesellschaft, an frischer Luft und auf dem Meer. Hier in der SG findet jeder seinen Platz!“

Kontakte waren wirklich leicht zu knüpfen, ob nun an Bord oder beim SG-Abend. Oder bei Fragen an die Skipper kontaktierte man sie über die optionalen Gruppen in den neuen Medien oder über die Mitgliederliste im passwortgeschützten Online-Bereich der Schulungsgruppe.

BUNT GEMISCHT IST DIE TRUPPE. ZU JEDER JAHRESZEIT.

Mitte August grüßte uns in der Gruppe Jörg (57), seit der Jugend auf dem Wasser zuhause und über 10 Jahre auf dem eigenen Boot Skipper, wie auch schon unter anderer Flagge Vereinsskipper und in der Ausbildung tätig. 
„Ich wollte mich in der SG selbst weiterbilden, von den Erfahrungen der anderen Skipper profitieren und mein Wissen einbringen. Dabei fiel meine Wahl auf die SG, weil durch die vereinseigenen Ausbildungsboote gerade auch Leute an den Segelsport herangeführt werden können, die sonst noch keine Möglichkeit hatten zu segeln. Dieser Ausbildungsaspekt ist mir wichtig an einem Verein. Das Angebot verschiedener Bootstypen sprach mich an und ich nutzte beim Ausbildungssegeln die ganze Palette Arndt (X-442), Taffi (Elan) und Sleipnir (J80), die alle sowohl für Fahrtensegeln als auch für Regatten geeignet sind. 
Man spürt in der SG, dass ihnen die Segelausbildung in Theorie und Praxis am Herzen liegt. Davon konnten wir uns im Winter überzeugen, als in Windeseile ein neues Konzept für den Theorieunterricht zum SBF/SKS erstellt wurde, sodass alle Kurse von Seemannschaft bis Navigation anschaulich online stattfinden konnten. 
Im Winter gehört aber auch die Bootpflege mit zum Programm. Wie ich finde, eine gute Möglichkeit, um die Leute in der SG kennenzulernen, wie auch die Boote. Man muss das Schiff kennen, damit man weiß, was zu tun ist, besonders im Notfall! Durch die Winterarbeit wächst auch die Achtung vor dem Material. Was man selbst repariert hat, behandelt man später besser. 
Dies alles erlebte man in der SG eingebettet in ein Vereinsleben mit den Möglichkeiten, die es situationsgebunden gab: Im Sommer/Herbst treffen an der frischen Luft vor dem „Store“ auf der Wiese, Saisonabschlussgrillen in Strande, im Winter online SG-Abende, Nikolausfeier, ... Gemeinsam zu klären, was zu tun ist, Pläne für den Sommer zu schmieden und einfach einen Abend in netter Runde zu verbringen, war so cornakonform möglich.
Von Vorteil für den erfahrenen Segler ist in jedem Fall auch der Anschluss an den KYC, denn die Online-Vorträge von Fachleuten aus dem Segelsport waren natürlich inklusive.“

UND WENN DU NACH KIEL ZIEHST, WILLST DU SEGELN.

Etwa zur gleichen Zeit fand Maria-Sophie (30) den Weg zur SG: „Im August bin ich zum ersten Mal über einen Kollegen mitgesegelt. Der Wunsch zu Segeln bestand schon vorher, war aber in meiner Region nicht möglich. Als ich dann hier nach Kiel gezogen bin, konnte ich den Plan in die Tat umsetzen. Ich bin dann halt einfach wirklich drauf los mal mitgesegelt, mit völlig fremder SG-Crew. Es war ein super toller erster Eindruck bei Megawetter beim Probesegeln in Schilksee mit der Freya! Da war für mich schon klar, dass ich weitersegeln möchte. 
Für mich war ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des KYC die günstige Lage des Clubs in der Nähe meiner Arbeitsstelle, sodass ich auch bei langen Arbeitszeiten schnell dort sein kann. Und die gehobene Bootsausstattung finde ich attraktiv, damit kann die SG punkten. Ich war regelmäßig beim Ausbildungssegeln und im September auch mit auf einer Schulungsreise nach Åhus (DK). Ich habe so durch die SG hier in Kiel meinen Freundeskreis mit aufgebaut. Die Größe des Clubs ist dabei von Vorteil, auch wenn es in Coronazeiten nicht ganz einfach ist, innerhalb des Clubs noch mehr Bekanntenkreise zu erschließen. Man merkt schon, dass es in der SG unterschiedliche Ziele gibt, z.B. auch deutlich leistungsorientierte Crews, die für Regatten trainieren. Da hat man als Neuankömmling noch viel zu lernen und kann nicht mithalten. Man muss dann eigene, passende Segelgruppen suchen bzw. auswählen. Vielleicht finden sich ja auch genug Frauen für eine Frauensegelcrew?! Das wäre ja für 2021 ganz schön!“

2021 GEHT ES WEITER.

Auch nach Ende der Saison sind wir alle am Ball geblieben, haben Stunden bei den Winterarbeiten gesammelt oder Segeltheorie gebüffelt. Unsere kurzen Statements spiegeln facettenreich die verschiedenen Motivationen wieder, zur Schulungsgruppe zu stoßen und welche Möglichkeiten sich einem bieten. Ganz sicher war im vergangenen Jahr auch seglerisch nicht so viel möglich wie in einer regulären Saison. Deshalb wurde die Schnuppermitgliedschaft von Seiten des KYC kostenlos um eine weitere Saison verlängert. 

 Nun sind nach der der Winterpause die ersten Prüfungen erfolgreich abgelegt, die Boote sind wieder im Wasser und wir sind gespannt, was unser zweites Jahr in der SG so mit sich bringt!

Text: Deetje Bruhn unter Mitwirkung von Maria-Sophie Schmidt, Franziska Steffens, Lukas Immertreu und Jörg Schünemann, Schnuppermitglieder Saison 2020/21