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Motte Down Under

Perth. Einige kennen ihn sicherlich noch aus seinen FSJ-Zeiten in Strande, die anderen aus dem 49er. Nun berichtet KYC-Mitglied Max Lutz, 30, berichtet von seiner ersten WM-Teilnahme in der Motte:

Dem einen oder anderen bin ich sicherlich im Laufe der Saison mit meiner Motte schon auf dem Wasser begegnet, über das Wasser „fliegend“. Dieses Jahr hat mich neben der puren Freude am Foilen auch noch die Aussicht auf eine besondere Regatta auf die Förde gezogen. Denn zum Abschluss des Jahres 2019 stand für mich und 120 weitere Segler der International Moth noch die WM in Perth, West Australien, auf dem Kalender. So viel Spaß das Segeln mit der Motte alleine schon macht, das Regattasegeln in einer großen und gut besetzten Flotte ist einzigartig. In den zweieinhalb Jahren, die ich das Boot jetzt habe war ich bereits dreimal auf dem Wittensee zur Regatta mit gut 20 Teilnehmern und es hat jedesmal Lust auf mehr gemacht. Dieses Jahr hatte ich zusätzlich das Glück im September noch über einen Wartelistenplatz (die 75 Startplätze waren drei Tage nach Veröffentlichung der Ausschreibung voll) an der Englischen Meisterschaft in Weymouth teilnehmen zu können. Eine super Veranstaltung, die mir auch die Möglichkeit gab zu sehen inwieweit ich mit dem Internationalen Mittelfeld mithalten kann. Nach 11 Wettfahrten an drei Tagen mit herrlich sommerlichem Wetter und verschiedensten Windbedingungen landete ich auf Platz 17 und wusste, dass ich mir trotz gut fünf Jahre altem Boot keine Gedanken machen musste hoffnungslos von den neuen Designs abgehängt zu werden.
Derart motiviert ging es dann in die heiße Phase der Vorbereitung: Mit der Motte als Konstruktionsklasse und dem schwierigen Bootshandling, insbesondere für gelungene fliegende Wenden, ist man eigentlich nie so richtig fertig, weder auf dem Wasser noch in der Werkstatt. Als es dann so weit war mein Boot in die Kiste (3,20 x 0,40 x 0,60 m) zu puzzeln war ich mit dem technischen Stand ganz zufrieden und für die Wenden blieb nur zu hoffen, dass sich die Segelpause von Oktober bis zur Regatta Mitte Dezember nicht allzu negativ auswirken würde.
Dreieinhalb Wochen vor der Regatta haben meine Freundin und ich genutzt um mit einem Dachzelt-Camper zumindest einen Teil von Westaustralien zu erkunden, bevor dann ab Montag den 9. Dezember der Fokus ganz aufs Regattasegeln gelegt wurde. Dank der tollen Logistik-Organisation von Andreas John, der auch die Sisyphus-Arbeit übernommen hatte, das Carnet von der IHK ausgehändigt zu bekommen, konnte ich da meine Kiste wohlbehalten wieder in Empfang nehmen. Vier Tage vor dem Start der WM war bereits sehr geschäftiges Treiben auf dem Gelände des Mounts Bay Sailing Club, am Swan River mitten in Perth und mit tollem Ausblick auf die Skyline gelegen. Für mich ging es darum möglichst zügig die Formalien der Anmeldung und Vermessung zu erledigen und dann das Boot wieder zusammenzusetzen, denn am Dienstag und Mittwoch stand direkt die Australische Meisterschaft als Test-Event an.
Der Swan River ist für seinen thermischen Wind bekannt, den „Fremantle Doctor“, eine starke bis sehr starke Seebrise aus Richtung der Hafenstadt Fremantle, die ihren Spitznamen auf Grund der von ihr gebrachten, höchst willkommenen Abkühlung erhielt. Dementsprechend wurde am Dienstagmorgen trotz etwa 15 Knoten Wind aus Nord erstmal die Startverschiebung gehisst. Und wie auch an allen weiteren Regattatagen hat Perth uns nicht enttäuscht und wir wurden am frühen Nachmittag in der einsetzenden Seebrise in zwei Gruppen zu je 60 Boote auf die zwei Kursgebiete geschickt. Wie von den heimischen Seglern vorhergesagt nahm der Wind dann stetig zu. Meine lange Segelpause zusammen mit einem gelegentlich aussetzenden Kontrollsystem für die Flughöhe führte dazu, dass ich mehrmals heftig abgeworfen wurde. Nach einem besonders heftigen Abflug endete schließlich der Segeltag für mich auf meinem gekenterten Boot sitzend mit dem Ruder in der Hand – die Gantry, der Rohrrahmen, der den Rumpf mit dem Ruder verbindet hatte kapituliert. So hatte ich mir meinen Auftakt nicht vorgestellt, mit größerem Schaden am Boot, unzuverlässigem Kontrollsystem und katastrophalem Bootshandling.
Um wieder Vertrauen in das Boot zu fassen setzte ich den zweiten Tag der Australischen Meisterschaft dann aus, baute meine neu gekaufte Gantry an und zerlegte alle Kontrollsysteme. Mit Erfolg, denn am Abend bei einem Testschlag sowie einer weiteren kleinen Trainingsrunde am darauf folgenden Layday funktionierte alles wieder so wie es sollte und auch das Bootshandling wurde schnell besser. Nach dem turbulenten Auftakt hatte ich dennoch mein Ziel der Top 25 etwas revidiert und wollte zunächst sicher nach zwei Tagen Qualifying in die Goldfleet (erste Hälfte) für die drei Finaltage kommen.
Bei der Motte funktionieren die Starts im großen Feld etwas anders als bei konventionellen Booten: Durch die extremen Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Booten auf den Foils und Booten, die noch mit dem Rumpf im Wasser segeln, sowie das durch die Abwinde der Flotte erschwerte „abheben“ versucht jeder bei spätestens 20 Sekunden vor dem Start auf den Foils zu sein. Die 20 Sekunden reichen dann auch um vom Startschiff komplett bis zum Pin-End der Startline zu kommen. Wenn die ganze Flotte Halbwind auf die Linie zurast gleicht das Ganze dann einem wilden Insektenschwarm. Für einen guten Start geht es vor allem um das richtige Abschätzen von Zeit und Distanz zur Linie, sowie das geschickte Positionieren zu den anderen Booten. Im Prinzip nicht so verschieden von konventionellen Bootsklassen, nur dass sich das Ganze dann bei 20+ Knoten Bootsgeschwindigkeit abspielt. Am ersten Qualifying Tag kombinierte ich in den drei Rennen zuverlässig schlechte Starts mit guten Wenden und die besseren Starts mit schlechten Wenden, sodass ich im Ergebnis immer um Platz 20 in meiner Gruppe durchs Ziel ging. Am zweiten Qualifyingtag mussten wir den Swan River mittags noch einem anderen Verein für seine Regatta überlassen und segelten dann später in der abflauenden Seebrise. Das erforderte besondere Achtsamkeit in den Manövern, denn ich war wie fast alle noch mit den kleinen Hydrofoils unterwegs und wer dann im Manöver abstürzt wird rechts und links überholt. Je ein Rennen mit gutem Start, eines mit guten Manövern und eines mit guter Strategie ergaben wieder drei Platzierungen um 20 – aber gut ausreichend gut um in die Goldfleet einzuziehen.
Nach einem Layday in Freemantle ging es am Montag das erste Mmal mit den besten 60 in der Goldflotte auf die Bahn, wie alle Tage am frühen Nachmittag mit schöner Thermik. Schon beim ersten Start war klar, dass Fehler von nun an noch etwas härter bestraft werden würden. Es war nochmal deutlich enger und wenn man in die zweite Reihe zurück sackte kam auch keine rettende Lücke, bis fast das ganze Feld vorbei gezogen war. Auch wenn es mir nicht gelang ein richtig rundes Rennen abzuliefern kam ich begeistert vom Wasser. Am Dienstag waren sogar vier Rennen angesetzt, und die Seebrise bot mit bis zu 22 Knoten spektakuläre Bedingungen. In der ersten Wettfahrt gelang es endlich mal einen soliden Start mit akzeptablen Manövern zu kombinieren und ich kam als 18. ins Ziel. So konnte es weiter gehen, doch leider schien mein Boot eine ungesunde Anziehungskraft auf Luvtonnen und andere Motten entwickelt zu haben. Glücklicherweise kam es nicht zu ernsthaften Crashs, aber mehrere chaotische Situationen und ein 360er zur Entlastung führten zu weiteren Platzierungen im Mittelfeld.
Am letzten Tag war die Vorhersage nicht gut, doch der Swan River ließ uns nicht im Stich und wir konnten die letzten zwei ausgeschriebenen Wettfahrten bei leichtem Wind aussegeln. Tom Slingsby hatte sich mit überragender Leistung da schon vorzeitig die Krone gesichert, den Kampf um Platz 2 entschied Kyle Langford für sich und Tom Burton komplettierte das Podium. Auch für die Deutschen gab es Erfolge, Franziska Mäge konnte sich den Titel in der Damenwertung sichern und Andreas John verwies die Grandmaster auf die Plätze. Für mich wurde es nach einem Frühstart im letzten Rennen der 36. in der Gesamtwertung und der 10. bei den Amateuren. Die große Zahl der Profisegler, die aus eigenem Ehrgeiz teilnehmen ist dabei sicher auch ein Alleinstellungsmerkmal und trägt zu der außergewöhnlichen Stimmung in der Klasse bei. 
Die Reise und die Regatta waren ein großartiges Erlebnis und ich freue mich schon auf die Weltmeisterschaft 2020 in Weymouth!

Bis dann,
Max Lutz, GER 4080

Text: Max Lutz
Fotos: ©Martina Orsini_IMCA - Chandler MacLeod Moth World Championship