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Leinen los!

Les Sables d’Olonne. Seit heute, am 8. November 2020 um 14:20 Uhr CET, nach einem verschobenen Start aufgrund des dichten Nebels und der schlechten Sichtbedingungen, ist Boris Herrmann der erste Deutsche, der je in die Vendée Globe Regatta gestartet ist. Das berüchtigte Rennen soll ihn einmal um die Welt führen – über 24.296 Seemeilen mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 km/h. Dabei tritt er gegen 32 weitere hochkarätige Seglerinnen und Segler an.

(c) Boris Herrmann

(c) Andreas Lindlahr

(c) Andreas Lindlahr

Die Startlinie hieß es, genau zum richtigen Zeitpunkt zu queren. Frühstartern drohte eine Fünf-Stunden-Zeitstrafe. Boris Herrmann meisterte diese souverän, startete in Führungsposition. Auf  seiner Seaexplorer begleiteten Boris zum Start zwei Schlauchboote des technischen Team. Ein ungewohntes Bild zu dieser 9. Ausgabe der Regatta. Normalerweise heißt die Vendée Globe über 350.000 Zuschauer willkommen, die den Start vor Ort an Land und auf dem Wasser verfolgen. Nachdem sie Boris einige Seemeilen begleitet hatten, verabschiedete sich das technische Team. Der 39-jährige trat seine 70+-Tage Hochseesegeln, allein auf sich gestellt, an.
Als die Seaexplorer beschleunigte und Kurs auf die offene See hielt, freute sich Team Managerin Holly Cova: „Es ist ein großartiges Gefühl, das Boot über die Startlinie dieses herausragenden und renommierten Rennens segeln zu sehen. Wir haben in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren viel Hingabe und Aufmerksamkeit in die Vorbereitung und Optimierung des Bootes gesteckt. Heute war der magische Tag, auf den wir alle gewartet hatten. Ein ganz besonderer Moment für das gesamte Team und auch eine ideale Gelegenheit nochmal allen unseren Partnern zu danken, die gemeinsam dieses Rennen möglich gemacht haben.

Die Herausforderung
Boris ist bereits drei Mal um die Welt gesegelt, doch dies ist seine erste Vendée Globe. Die Vendée Globe gilt als eine der härtesten Non-Stop-Regattas für Einhandsegler um die Welt. Alleine an Bord wird er durch das entlegene Südmeer segeln und circa 75 Tage ohne Zwischenstopp auf See sein. Start- und Zielhafen ist Les Sables d’Olonne in Frankreich. Dies ist nicht einfach nur eine Segelregatta, sondern ein Abenteuer, das Boris rund um die Antarktis führt, wo er extremen Stürmen, Seetangfeldern und den Auswirkungen der schmelzenden Eiskappen begegnen wird. Er wird den Klimawandel aus erster Hand erfahren, bezeugen und es der Welt mitteilen. Der 39-jährige Skipper wird während der gesamten Reise mithilfe des automatisierten Labors an Bord verschiedene Meeresdaten messen und diese dann live an das Max-Planck-Institut für Meteorologie, an Geomar und an Ifremer weiterleiten. Es ist das erste Mal, dass ein Datensatz von einer vollständigen Reise um die Welt erhoben wird. Dadurch, dass die gemessenen Daten live vom Boot aus gestreamt werden, können diese von Wissenschaftlern fast in Echtzeit empfangen und analysiert werden.

Das Wetter
Das Wetter für die erste Woche des Rennens wird komplex. Sind es zum Start noch 15 Knoten aus Süd-Südost bei einer relativ flachen See, wird der Wind schon zum Abend hin und in der Nacht deutlich auffrischen. Die Skipper werden entscheiden müssen, wann genau sie wenden, um den Schwachwind-Bereich zu vermeiden, einige Boote werden möglicherweise eine östlichere Route wählen, die zwar langsamer, dafür aber kürzer ist. Wir werden vielleicht also schon zu einem frühen Zeitpunkt im Rennen eine Teilung der Flotte erleben.
Die Routing-Berechnungen sind noch nicht eindeutig für Boris. In diesem langen Rennen hängt alles von den jeweils vorherrschenden Bedingungen, der Taktik und den Entscheidungen der Skipper ab. Der aktuelle Rekord der Vendée Globe liegt bei 74 Tagen, doch viele Skipper sind sich einig, dass es in dieser Ausgabe deutlich schneller sein wird.

In den folgenden Wochen werden wir Boris Herrmanns Reise verfolgen. Wir halten Sie unter www.kyc.de und auf Facebook und Instagram unter @kieleryachtclub auf dem Laufenden.