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„Ich habe von den Top Ten geträumt!”

La Palma. Sieg in der ersten Etappe des Mini Transat. Über 100 Meilen vor dem nächsten Boot hat Melwin Fink heute um 16:05 Uhr als erster unter den Serienbooten die Ziellinie der ersten Etappe des Mini-Transat gekreuzt. Das ist vor ihm noch keinem Deutschen gelungen. In 10 Tagen 35 Minuten und 37 Sekunden hat der bisher jüngste Teilnehmer die 1.350 Seenmeilen lange Strecke zwischen Les Sables d’Olonne und Santa Cruz de la Palma abgeritten.

(c) Vincent Olivaud

(c) Vincent Olivaud

In der Nacht auf Samstag hatte die Wettfahrtleitung des Mini-Transat den Segler*innen dringend empfohlen, Schutz vor dem nahenden Sturm zu suchen. Während das Gros der Flotte Nothäfen aufsuchte, hielt Melwin auf seiner Pogo 3 „Signforcom“ Kurs, war zwischenzeitlich der einzige aktive Segler der Serienflotte und damit erster im Ranking. Damit fuhr der erst 19-jährige Kieler Jurastudent einen Vorsprung heraus, den am Ende keiner seiner Mitsegler mehr einholen konnte.
Die Yacht nennt als beste Ergebnisse, die deutsche Segler bisher bei der Regatta über die Gesamtstrecke erzielen konnten, Platz zwei und drei in der Gesamtwertung, beide an Bord der „Lilienthal“. Jörg Riechers hatte 2017 Platz zwei, Morten Bogacki 2019 Platz drei ersegelt. Boris Herrmann, der 2001 das Mini-Transat gesegelt war, kommentierte Melwin Finks Leistung als einer der ersten: „Super gemacht!“, textete er.
Ende Oktober startet die zweite Etappe von den Kanaren über den Atlantik in die Karibik. In diese wird der Kieler Segler mit einem ordentlichen Vorsprung starten. Ein Gesamtsieg allerdings ist damit jedoch noch nicht sicher.

Melwin stellte sich den Fragen der Presse:

Du bist der erste Deutsche und der jüngste Segler, der jemals eine Etappe im Mini-Transat gewonnen hat. Wie fühlt sich das an?
Melwin: Ich weiß noch nicht, wie ich mich fühle! Das ist sehr überraschend. Ich glaube, so etwas habe ich mir nie vorgestellt! Es gehörte eine Menge Glück dazu und einige gute Entscheidungen.  In jedem Fall war es hart. Ich habe gezögert, durch die Front zu gehen. Als ich es getan habe, war alles fein. In der Front waren 30 Knoten Grundwind, in Böen 40, ganz wie im Wetterbriefing vorhergesagt. Schlussendlich war es bei der ersten Front in der Biscaya härter als bei der zweiten.

Hast du gewusst oder verstanden, was mit dem Rest der Flotte passiert ist?
Melwin: Als ich die Wetterwarnung bekommen hatte, habe ich Diskussionen über Funk gehört, aber ich habe nicht verstanden, warum einige Skipper über Schutz für die nächsten 36 Stunden gesprochen haben. Ich fand es viel zu früh, um darüber nachzudenken, Schutz zu suchen. Ich sprach mit Christian Kargl. Wir beschlossen, soweit wie möglich nach Süden zu fahren und dann zu entscheiden, ob wir einen Hafen anfahren, oder nicht. Als wir Strecke machten, stellten wir fest, dass, ganz wie im Wetterbriefing angekündigt, die Konditionen südlich von Porto managebar waren – und entsprechend keine Notwendigkeit bestand, anzuhalten.

Hattest du da schon über so ein Szenario nachgedacht?
Melwin: Nein, niemals. Das wird natürlich ein Vorteil für die zweite Etappe, das ist klar. Es war eine große Entscheidung, aber ich habe sie mir nicht leicht gemacht. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mich ernsthaft in Gefahr begebe. Bevor die zweite Front kam, war mein Boot in einem perfekten Zustand, sogar nach der ersten Front in der Biscaya. Dreißig Knoten, in Böen 40 ist viel, aber wir haben toughe Boote. Wir haben außerdem verschiedenste Möglichkeiten, unsere Segelfläche zu verkleinern und den Mast zu sichern. Meine einzige Sorge war, der Mast könne durch die großen Wellen brechen, aber alles ging gut.

Du hast einen kühnen Zug gewagt, bist aber auch danach sehr gut gesegelt, hast deine Führung vor Christian Kargl von 60 auf über 100 Seemeilen nach Madeira ausgebaut…
Melwin: Hundert Meilen? Echt? Wow! Das hab ich nicht erwartet! Ich bin mein eigenes Rennen gesegelt und habe die Entscheidungen gefällt, die sich richtig angefühlt haben.

Du wirkst recht eingeschüchtert…
Melwin: Ich kann nicht glauben, was passiert! Ich habe von den Top 10 geträumt, aber als erster ins Ziel zu fahren, 100 Meilen vor dem zweiten Boot, das ist unglaublich! Jetzt entscheidet sich alles in der zweiten Etappe. Dort wird es voraussichtlich viel achterlichen Wind geben. Wir werden sehen, was passiert!