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eStartschuss zum Nations Cup

Erstmals richtet World Sailing ab dem 10. Oktober den Nations Cup im eSailing aus. Zehn deutschen Seglerinnen und Segler messen sich dann auf den virtuellen Regattabahnen mit der internationalen Konkurrenz. Für den KYC mit dabei: eSailing Clubmeister Philipp Mann (22).

Segelten die deutschen Spitzenseglerinnen und -segler im eSailing vor Kurzem noch als Gegner um die Deutsche Meisterschaft auf den Regattabahnen von Virtual Regatta, treten sie nun ab dem 10. Oktober gemeinsam mit sieben anderen deutschen Online-Seglerinnen und -Seglern als Team an. 
Zum ersten Mal lädt World Sailing zum Nations Cup im eSailing ein. Je zehn Seglerinnen und Segler aus dreizehn Nationen treten gegeneinander an. „Wir werden immer mit zehn deutschen Seglern gegen zehn Segler einer anderen Nation zeitgleich antreten“, erklärt Jonathan Koch aus Überlingen, erfolgreicher Bundesliga-Segler und virtueller Segler. „Vermutlich werden von World Sailing verschiedene Bootsklassen für die einzelnen Rennen eingesetzt.“ 
Welche zehn Seglerinnen und Segler pro Nation zum Team gehören, ist in der Ausschreibung von World Sailing sehr detailliert aufgeschlüsselt: Neben „Profis“, die sowohl auf dem Wasser als auch auf der virtuellen Regattabahn Erfolge vorweisen müssen, ist es wichtig, dass die Teams „genderbalanced“ sind. Die deutschen Seglerinnen und Segler, die als Team agieren müssen, sitzen während der Rennen getrennt voneinander, jeder in seinem Heimatort. „Wir kommunizieren während der Rennen über einen gemeinsamen Sprachchat und müssen uns so schnell über unsere Taktik abstimmen“, sagt Jonathan Koch. „Vor allem werden wir versuchen uns darüber abzustimmen, wer wen deckt und darauf achten, dass wir uns nicht versehentlich auf die eigenen Leute legen.“
Ist die erste Runde der Fleetraces überstanden, folgen weitere KO-Runden. 
Die Finalwettfahrten starten am 6. November 2020. Neben dem deutschen Team sind u.a. erfolgreiche eSailor aus Frankreich, Italien und Spanien am Start.

Am 10. Oktober um 22:00 Uhr deutscher Zeit fällt der Startschuss. Alle Regatten werden auf der eSailing World Championship Facebook page und World Sailing’s YouTube page gestreamt.


Für den KYC virtuell am Start
Philipp Mann startet im deutschen Team für den KYC im Nations Cup. Im Frühjahr hat sich der 22-jährige den erstmals im KYC vergebenen Titel Clubmeister eSailing erstritten. Bei nationalen und internationalen Regatten ist er erfolgreich virtuell gesegelt, u.a. Sieger in der Teamwertung und Zweiplatzierter in der Einzelwertung bei der virtuellen MaiOR. Philipp ist Geschäftsführer und Gründer von Secretsailing. Wenn er gerade nicht selber segelt, beschäftigt sich mit Social Media Marketing und Media Management im professionellen Segelsport. Vor dem Startschuss zum eSailing Nations Cup stellt sich der (e)Segler den Fragen der Redaktion.

Philipp, erst einmal unsere herzlichen Glückwünsche zur Nominierung. Wie bist du zum Segeln gekommen?
Ich segel seit dem ich denken kann. Meine seglerische Regatta-Karriere ging im Dickschiff los: GP42, J111, Maxi Yachten. Nach und nach habe ich für mich das One Design-Segeln entdeckt. Dort bin ich in der J70 gestartet und war auch in der J24-Klasse aktiv. 

Hat Covid 19 dich dann zum virtuellen Segeln gebracht?
Nein. Schon vor Corona habe ich mit dem eSailing angefangen. Dabei wollte ich gar nichts Großes damit zu erreichen. Ich wollte einfach nur Spaß zu haben und mich taktisch weiter entwickeln. Nach ungefähr einem Jahr habe ich die Anfrage von dem zweifachen Teilnehmer im WM-Finale, Miguel Cruz aus Spanien, bekommen, ob ich nicht Lust hätte dem internationalen eSailing Yacht Club beizutreten. Dieser Club ist ein Networking-Hub der besten internationalen eSailor. Damals war die Gruppe noch ungefähr 60 bis 80 virtuelle Skipper groß. Sie besteht nach wie vor aus den weltbesten virtuellen Skippern. Der Großteil der erfolgreichen eSailor ist auch selbst erfolgreich im Regattasegeln aktiv. 

Du hast die deutsche Klassenvereinigung im eSailing mit aufgebaut. Wie ist es dazu gekommen?
Die Einladung war für mich der Startschuss, aktiver eSport zu betreiben. Mir ist dann schnell klar geworden, dass eSailing ein sehr populäres Thema unter den Seglern ist. Die ersten nationalen Klassenvereinigungen haben sich entwickelt. Bevor das hierzulande geschehen ist, bin ich immer wieder internationaler Gast bei Klassenregatten anderer Nationen, wie z.B. der Türkischen und spanischen Klassenvereinigung gewesen. Dann ist Jonathan Koch, aktuell in den Top 10 der Weltrangliste, auf mich zugekommen und hat mich gefragt ob ich zusammen mit ihm deutsche Klassenvereinigung ausbauen möchte. Das habe ich natürlich gern gemacht. Wir als Secretsailing Gemeinschaft haben im letzten Jahr einen eigenen Server gestartet, wo wir Regatten veranstaltet haben. Das ist nach wie vor einer der größten Spots für eSailing Regatten. Das erleichtert das Networking zu den deutschen eSeglern sehr.

Welche Rolle spielt Covid 19 in der Entwicklung des eSailings?
Das Coronavirus hat das eSegeln natürlich populärer gemacht. In den Hochzeiten waren selbst nachts über 8.000 Skipper aktiv. Die Server waren komplett überlastet. Dies war dann auch meine persönliche Hochzeit in der ich täglich zwei bis drei internationale Turniere und zusätzlich auch die Qualifikationen für das WM-Finale mitgefahren bin. Die Teilnahme an der KYC-Clubmeisterschaft war, klar, Ehrensache. Hinzu kamen die virtuelle MaiOR, die eSailing Bundesliga, ein inoffizielles National Team Race und und und. Als wir endlich wieder aufs Wasser konnten, hab ich den Controller schnell gegen die Pinne getauscht.

Wird die Winterzeit zur virtuellen Zeit?
Nun, das eSailing auf hohem Niveau ist wieder angelaufen. Im September bin ich mit den besten zehn Skippern im Live Finale der Deutschen Meisterschaft im eSailing angetreten. Nun startet der erste eSailing Nations Cup, den World Sailing veranstaltet.Als ich gefragt wurde, ob ich für Deutschland dort  teilnehmen möchte, hab ich mich sehr gefreut und hab natürlich direkt zugesagt. 

Was sind deine Erwartungen für den Nations Cup im eSailing?
Ich gebe zu, dass ich schon etwas nervös bin. Auf unserem Secretsailing-Server segelt man natürlich auch mal gegen den Weltmeister. Aber im Team-Modus ist das Ganze noch mal etwas anderes. Und die Franzosen die Spanier und die Dänen sind sehr stark. Sie trainieren viel zusammen.

Wie bereitest du dich auf den Nations Cup vor?
Gerade was Trainings angeht, spielt natürlich die Team Race League, an der ich teilgenommen habe, eine große Rolle. Da können gewisse Szenarien durchgespielt werden. Man weiß, wie der eine oder andere Gegner taktiert. Klar ist auch, dass man auch einen Weltmeister schlagen kann, wenn der einen schlechten Tag hat. Ehrlicherweise ist mir das aber erst zweimal geglückt. 

Du hast in den vergangenen Jahren erfolgreich eSailing betrieben. Wie hast du das geschafft?
Natürlich gibt es irgendwo immer ein Erfolgsrezept. Training ist wie auf dem Wasser der Schlüssel. Es geht auch hier darum, zu erkennen, wann die Winddreher kommen, wie man am besten startet, oder welche Tricks es noch gibt. 

Was sind deine Ziele? 
Zunächst einmal möchte ich natürlich jetzt im Nations Cup für unsere Nation bestmöglich abschneiden. In der nächsten eSailing Bundesliga-Saison würde ich gerne um den Titel kämpfen. Auf dem Wasser möchte ich zurück in die J70-Kasse wechseln und mich auch vielleicht wieder in der Bundesliga beweisen. 

Vielen Dank für deine Zeit und eMast- und Schotbruch!


Fotos (c) Felix Diemer & (c) Secretsailing.

Weitere Informationen zum Nations Cup gibt es hier.