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Der Aufstieg zum Mount Everest des Segelns

Vendée Globe. Seit dem Startschuss am 8. November, der das neunte Solo-Non-Stop-Rennen um die Welt einläutete, haben die 33 Skipper*innen im Tête-à-Tête mit Subtropensturm Theta ihre Risikobereitschaft getestet. Ruderschaden, Großsegelriss und Mastbruch haben schon in diesen ersten Tagen das Teilnehmerfeld aufgewirbelt. Unser Clubmitglied Boris Herrmann liegt aktuell auf Platz 10 im Ranking.

(c) Andreas Lindlahr

(c) Andreas Lindlahr

Tracking 16. November, 17 Uhr UCT. Boris segelt auf Platz 10 der 33 Teilnehmer.

(c) Boris Herrmann/ YC de Monaco

Stand 17 Uhr UCT westlich der kapverdischen Inseln, hatte der 39-jährige mit knapp 2.650 gesegelten Meilen schon mehr als ein Zehntel der knapp 25.000 Seemeilen langen Strecke um die Welt absolviert. – Bisher ohne ernsthafte Schäden: Zwei Favoriten und Spitzenreiter Armel Triopon mit 'L'Occitane' und Jérémie Beyou mit 'Charal' sind schon jetzt aus dem Rennen um den Sieg ausgeschieden. Beide hatten während der starken Kaltfront, die am vergangenen Mittwoch über die Flotte gezogen war, Schäden an ihren Booten erlitten. Beyou wird morgen nach Reparatur im Start- und Zielhafen Les Sables d’Olonne an Tag neun hinter dem Feld erneut über die Startlinie gehen. Am Sonntag hatte die DMG Mori einen Großsegel-Riss vermeldet. Dem japanischen Skipper Kojiro Shiraishi, der vor vier Jahren bereits wegen Mastbruch ausgeschieden war, ist das Groß im Topp gegerissen – ein nur schwer reparierbarer Schaden. Am heutigen Montag, 16. November, fliegt das Gros des Feldes in den Passatwinden mit um die 20 Knoten, als Nicolas Troussel Mastbruch mit der Corum L'Épargne meldete. Der Skipper ist unverletzt.
In Führung liegt weiter der Waliser Alex Thomson mit ‚Hugo Boss‘, der aktuell seine fünfte Vendée Globe fährt. Sein Ziel: Den ersten nicht-französischen Sieg mit nach Hause nehmen. Seit dem gemeinsamen riskanten Ritt durchs Sturmtief Theta liegt der 61-jährige Regatta-Älteste Jean Le Cam auf seiner nicht-foilenden Imoca 'Yes we Cam‘, auf Platz zwei hinter Thompson. Zwischenzeitlich hatte er rechnerisch in Führung gelegen.


Zur Vendée Globe
Der Kurs liest sich denkbar einfach:  Die Weltumseglung in östlicher Richtung beginnt alle vier Jahre im Start und Zielhafen Les Sables d’Olonne mit einem Südkurs den Atlantik hinunter ins Südpolarmeer. An Backbord sind das Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Hoorn, die Eisgrenze der Antarktis hingegen an Steuerbord zu lassen.  Die knapp 25.000 Seemeilen – oder 45.000 Kilometer – lange Strecke um die Welt ist allein, ohne Hilfe von außen und ohne das Betreten von Land – also Nonstop – zu absolvieren. Den Geschwindigkeitsrekord hat der 2016er-Sieger Armel Le Cléac'h, mit 74 Tagen, drei Stunden und 36 Minuten aufgestellt. Bis zu 70 Kmh erreichen die foilenden Imocas mit ihren 18 Metern Länge, sechs Meter Breite, einem Gewicht von um die acht Tonnen und bis zu 600 Quadratmetern Segelfläche. Im Schnitt schafft es rund die Häfte der Gestarteten bis ins Ziel. Die Sieger der vorangegangenen acht Vendée Globes stammen alle aus Frankreich. In diese Regatta sind 27 Segler und sechs Seglerinnen gestartet. So viele Startende gab es noch nie und noch nie so viele Frauen unter ihnen.

Mehr dazu auf der Vendée Globe Website RankingTracking sowie auf Youtube bei Vendée Globe TV.


Zu Boris Herrmann
„Es ist mein Lebenstraum. Oder vielleicht besser mein Halblebenstraum. Ganz so alt bin ich ja noch nicht“, freute sich der 39-jährige vorab im ZDF. Nach mehreren vergeblichen Anläufen ist er nun als erster Deutscher in die Vendée Globe gestartet. Unterwegs ist er auf der Seaexplorer, einer mit Foils ausgestatteten Imoca 60. 
„Während meines Zivildienstes in Kiel habe ich immer versucht, im Bulli einzuschlafen, bis die Autos hinter mir hupten“, erzählte Herrmann. Schlafen, wenn es das Wetter erlaubt, so schnell und so tief, wie möglich. Das zu meistern ist einer der Bausteine für die erfolgreiche Vendée Globe-Teilnahme. Mit mehr als einer Stunde am Stück wird er über die gesamte Renndauer nicht rechnen können. Das ist für ihn nicht ganz neu: Bereits drei Mal hat er die Welt umsegelt, jedoch noch nie allein. Den Atlantik hat er schon zehn Mal überquert. Für dieses Rennen hat er Proviant für hundert Tage gebunkert. Um die 75 wird er wohl unterwegs sein.
„Wichtigstes Ziel ist Ankommen: Mehr als 8.000 Menschen waren auf dem Mount Everest, über 500 im Weltall. Aber nur rund 100 haben die Welt alleine und nonstop bezwungen. Ich will einer von ihnen werden", steckte der Norddeutsche seine Mission ab.
„A race we must win“, heißt es auf dem Großsegel. Der 39-jährige, der 2019 Greta Thunberg über den Atlantik zum UN-Klimagipfel gefahren hatte, stellt die Vendée Globe ganz ins Zeichen des Klimaschutzes. An Bord hat er ein automatisiertes Labor zur Messung von Meeresdaten, die dann live an das Max-Planck-Institut für Meteorologie, an Geomar und an Ifremer weitergeleitet werden. Es ist das erste Mal, dass ein Datensatz von einer vollständigen Reise um die Welt erhoben wird. 

Mehr dazu auf der Webseite https://www.borisherrmannracing.com/, Youtube, Facebook und Instagram (@borisherrmanracing).


Weitere aktuelle Berichte gibt es online bei der Yacht und im Segelreporter. Im Float Magazin kommentiert der Kieler Metereologe Sebastian Wache das Vendée Globe-Wetter.