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Das Glück war mit den Rechten

Schilksee. Matti Baltzereit aus der Jüngsten- und Regattagruppe berichtet zum Goldenen Opti. Wer glaubte, bei einer der größten deutschen Opti-Ranglistenregatta mit Präsidentensegeln belohnt zu werden, wurde beim Goldenen Opti in Kiel eines Besseren belehrt. Es war windig, tricky, frisch – und total spitze. Ein Bericht aus der Kältekammer des deutschen Segelfrühlings.

Da standen sie nun am Slip, die fünf Australier des WM-Teams aus Down-Under. Barfuß und in dünnen Neos. Ihnen war sehr sichtbar kalt. Kein Wunder bei 11 Grad Außentemperatur. Ihre Überlegung vor der Anreise: „Bei uns ist Winter und nur 18 Grad – da fahren wir doch nach Europa in die Wärme.“ Sie hatten mit Zitronen gehandelt. Es war wirklich saukalt und ich selbst hatte alles an, was ging.
Aber es lag nicht an den Temperaturen, dass an diesem Mai-Samstagmorgen beim Goldenen Opti vor Schilksee kein einziger Segelkasten aufs Wasser ging. Das Startschiff war draußen, die Bahn gelegt. In 45 Minuten sollte Start sein. Aber Delta wehte nicht. Warum nicht, wusste kein Mensch. Doch ohne Delta kein Auslaufen ohne die Gefahr eines Punktabzugs. Gefühlt kurz vor dem Start gingen der Wimpel hoch und hunderte Optis hektisch aufs Wasser.
Um es vorweg zu sagen: Über lasche Bedingungen konnten wir uns in diesem Jahr nicht beklagen. Bei westlichen Winden mit bis zu 27 Knoten hatten wir Segelwetter für Ehrenmänner auf unserem Heimatrevier. Die Meldezahlen waren auch bestens: 209 Boote gingen bei den Opti A an den Start, darunter viele Dänen und Niederländer. Die weiteste Anreise hatten die fünf Australier, die zwei Wochen in Europa verbringen wollten und sich das sicherlich irgendwie alles anders vorgestellt hatten.
Wieder einmal war das Winner-Team mit Mic Mohr, Karl Krause & Friends beeindruckend stark vertreten. Aufgeteilt wurden die vielen Segler in die vier Gruppen Grün, Blau, Gelb und Rot. Am Samstag sind wir vier Wettfahrten gesegelt. Es ging bei jedem einzelnen Rennen wie so oft in der Strander Bucht bei Westwind über rechts. Die Tatsache, dass das Pin meist klar bevorteilt war, machte die Taktik jedoch etwas kompliziert.
Wichtig war letztlich, forsch zu starten, mit freiem Wind die Böen und Dreher auszusegeln und sich möglichst schnell nach rechts zu hangeln. Wer es zu extrem versuchte, hatte schnell einen Streicher auf dem Konto.  Am Sonntag entschieden dann hingegen eher Speed und Feldkontrolle, eine richtige Seite gab es nicht. Mit dem Speed meines KYC-Charteroptis fühlte ich mich sehr wohl. Zwar meinten alle, ich führe die Mastbändsel zu lose für den Wind. Aber ich hatte ein gutes Gefühl damit.
Mic Mohr gewann beeindruckend mit fünf ersten Plätzen und einem vierten als Streicher, gefolgt von Casper Ilgenstein aus Hamburg. Mein Vater meint, dessen Papa könne auch Lee von Luv unterscheiden und das mit dem zweiten Platz läge vielleicht an den Genen. Eventuell waren es aber auch die Eskimo-Konditionen, die Caspar halfen: Zu Wind und Kälte kamen am Sonntag nämlich auch noch Regen und dicke Suppe hinzu. Das ist ja nun nicht jedermanns Sache.
Doch auch wir vom Kieler Yachtclub schlugen uns gut. Ich selbst landete nach einem sehr guten ersten Tag und einem guten zweiten insgesamt auf Rang 22 von 209 Startern – als bester KYC-ler, bester Schleswig-Holsteiner und auf Rang 14 der deutschen Teilnehmer. Dabei zahlte sich die Konstanz aus mit einer Serie von 20, 8, 3, 22, 19, 11. Mein Kumpel Arthur Kahrs wurde zweitbester KYC-ler auf Rang 39. Er war zwar auch super dabei, hatte sich aber leider am ersten Tag einen fetten Streicher und am zweiten Tag einen Blackflag eingefahren.
Während die Starts am ersten Tag recht schnell klappten, wurden am zweiten Tag sehr viele Versuche gebraucht, um endlich auf den Parcours zu kommen. Die zweite Gruppe ist erst nach mehreren Versuchen, einer Flaggenparade aus U- und Black-Flags und mit 1,5 Stunden Verspätung gestartet.
Mir hat der Goldene Opti viel Spaß gebracht. Natürlich wegen meiner für mich sehr guten Platzierung. Aber auch, weil es tolles Segeln war und wir uns mit den besten Opti-Seglern aus Deutschland, Dänemark, Holland, Kroatien und Australien messen konnten. Unsere Trainer, allen voran Kai Bertallot, hatten es nicht leicht, alle Segler in den unterschiedlichen Gruppen nach den Zieleinläufen zu finden und zu betreuen. Aber es klappte doch super und sie haben sich mit den Betreuern der anderen Vereine bestens abgestimmt. Damit hatten wir immer einen Anlaufpunkt nach der Zieleinfahrt mit Essen und Trinken auf dem Schlauchboot.
Auch an Land hat es super geklappt: Am Abend in der Vaasahalle gab es wie immer ein leckeres Salatbuffet, Griller und genug Zeit, richtig Spaß miteinander zu haben.
Ach ja – die Australier: Sie werden froh sein, dass die WM im warmen Antigua im Herbst stattfindet und nicht im kalten Kiel im Mai. Der Beste von ihnen landete auf Rang 11, der nächste erst auf Platz 37. Good luck guys. In der Karibik ist es dann auch barfuß wieder gut.

Bericht: Matti Jip Balzereit, GER 1425