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Heimatrevier meets Highspeed: Sail GP bei der KYC Lounge

Kiel. Am Donnerstag, 24. Oktober, ging es am Kamin der KYC Lounge mit Steuermann Erik Kosegarten-Heil und den Grindern Jonathan Knottnerus-Meyer und Linov Scheel vom Team SailGP GER um die Formel 1 des Segelns, ihre Deutschland-Premiere und die Zukunftsaussichten des Sports. Erstmals wurde die KYC Lounge live gestreamt.

Mit über 100 km/h fliegen die Katamarane übers Wasser. Hohes Tempo und schnelle Manöver auf rasanten Booten – das ist die Faszination von SailGP. „Racing on the edge“, Rennen am Limit, heißt nicht umsonst der Video-Blog der Liga. Im August kam SailGP erstmals zu einem Gastspiel nach Deutschland, Sassnitz. Hauke Berndt war auf dem Wasser hautnah dabei – und lud die SailGP GER an den Kamin in den Kieler Yacht-Club.

„Reffen gib’s nicht.“

Das ist schnell klar, als Erik-Kosegarten-Heil und seine Crew die KYC Lounge-Gäste in die Welt des SailGP, des Segel Grand Prix, mitnehmen. 2023 gab das deutsche Team sein Debüt in der internationalen Rennserie, die auf baugleichen F50-Foiling-Katamaranen ausgetragen wird. Am Kamin treffen sich Erik, Jonathan Knottnerus-Meyer, Linov Scheel und Hauke Berndt, der durch den Abend moderiert.

Erik ist Steuermann, „Fahrer“ an Bord. Mit Thomas Plössel ist er im 49er Europa- und Weltmeister geworden, holte 2016 und 2020 olympische Bronze für das deutsche Team. Grinder Jonathan Knottnerus-Meyer segelt für den Kieler Yacht-Club in der Deutschen Segel-Bundesliga. Beide sind seit dem Start des SailGP GER dabei.

Seit diesem Herbst ist auch Linov Scheel als Grinder an Bord. Wie Erik kommt er aus dem 49er, wurde 2019 mit Max Stingele U23 Vize-Weltmeister. Diesen Abend ausnahmsweise nicht dabei ist Anna Barth, neben Erik vielleicht das bekannteste Crewmitglied. Mit Emma Kohlhoff ist die zweimalige U21-Weltmeisterin im 49er auf Medaillenjagd, wenn sie nicht als Strategin an Bord des SailGP-Katamarans wirkt.

Dieses Jahr sind die SailGP-Segler schon in Dubai, Auckland, Sydney, Los Angeles, San Francisco, New York City, Portsmouth, Saint-Tropez, Genf und Cádiz angetreten. Im November geht es nach Abu Dhabi.
„Ganz Segeldeutschland ist nach Sassnitz gekommen“, strahlt Erik. Bei frischen Winden von 16 bis 18 Knoten gelingt dem deutschen Team dort im ersten Rennen einer der besten Starts der Saison: Sieg! Mehr als 13.000 Menschen an der Ostsee toben vor Begeisterung.

Das ZDF überträgt alle Rennen seit Saison 2024/25 live. Mit 103.93 km/h stellt das dänische Team einen neuen Rekord auf – und die Zuschauer sehen hautnah, wie das US-Team in das britische Boot rast.

KYC Lounge Talk SailGP
Hauke Berndt und Erik Heil im Sailors Talk am Kamin. Foto: © Malte Boedeker

Die F50 sind aus dem AC50 des America’s Cup entwickelt und auf Hochgeschwindigkeit getrimmt – High Tech optimiert auf rasante Rennen vor der Küste. One Design ist oberstes Gebot: Die Veranstalter achten penibel darauf, dass nicht das Material, sondern der Mensch den Ausschlag gibt. Wer an Bord ist, trägt Helm, mit Funk, damit die Crew sich auch bei dem Tempo noch verstehen kann. Die Boote sind gespickt mit Sensoren. Sie produzieren eine Datenflut, die live und langrfristig ausgewertet wird – vom Team und der Konkurrenz. – Ein Sport für Analysten?

Als vor Sassnitz die Amerikaner mit den Briten kollidieren, ruft Erik ein Krisenmeeting ein: Wie können wir verhindern, dass uns so was passiert? Schnell ist klar: Da hakte die Kommunikation! Das machen wir besser! Als Strategin hat Anna immer die Gesamtsituation im Blick. Wenn es brenzlich wird, kann sie jetzt direkt einschreiten, mit „My Wheel!“ Erik das Steuer abnehmen, und die Situation entschärfen. – Auch an ihr wird es in Zukunft sein, schnellste Entscheidungen zu treffen, wenn auf denkbar engem Raum mit Karacho gesegelt wird.

Die beiden Grinder im Team Jonathan Knottnerus-Meyer und Linov Scheel. Foto: © Malte Boedeker

Gebannt lauschen die Gäste der KYC Lounge den Schilderungen der „Formel 1“-Segler. Einiges erinnert an die Herausforderungen des Youth & Women’s America’s Cup (YWAC) in Barcelona, von denen Marc Pickel und sein Team, u.a. Paul Farien, Carolina Werner und Maru Scheel, hier vergangenes Jahr erzählt haben. Wie sie steht das SailGP-Team immer wieder vor der Frage: Wie bereiten wir uns auch ohne Boot bestmöglich auf das nächste Rennen vor? Angesichts des straffen Zeitplans der Rennserie sind die F50 meist unterwegs. Einen Simulator wie die YWAC-Crew hat die SailGP GER-Crew nicht. Der nächste, der an das Kieler Modell auch nur annähernd heranreicht, steht in Belfast. Vor Sassnitz haben sie drei Tage an Bord trainiert. „Das war viel“, sagt Erik.

Noch gelten sie vielen in der SailGP als die „Neuen“. Doch falls je von „Welpenschutz“ gesprochen werden konnte – damit dürfte bald Schluss sein: Nächste Saison steigt mit dem schwedischen Team eine ganz neue Crew ein. – Und nach seinem ersten Eventsieg in Genf kann SailGP GER doch wahrlich nicht mehr als Anfängerteam gelten. – Oder?


Diesen und weiteren Fragen rund um den schnellen Segelsport gingen die Gäste nach Schluss des Kamin-Impulses nach, untereinander und im Austausch mit den Rennstars – wie ich gehört habe: Ich habe mir nämlich diese KYC Lounge einmal direkt nach Hause geholt, per Teams, ans heimische Feuer. Nächstes Mal will ich aber wieder vor Ort dabei sein:

Save the date: Nächste KYC Lounge im Dezember

Die nächste KYC Lounge findet am 4. Dezember statt – Thema: „Segeln im Sturm“ – analog zum aktuellen Mitteilungs­blatt. „Geöffnet wird die KYC Lounge wieder ab 18 Uhr, unkompliziert ohne Anmeldung mit viel Zeit zum Schnacken“, so Hauke Berndt. Für die Planung freut das Organisationsteam sich über Feedback und Anregungen. Interessierte können der WhatsApp-Gruppe „KYC Lounge“ beitreten.

Weiterführende Infos

Text: Carina Wegner
Bilder © Malte Boedeker

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