Traumtour von St. Malo nach Kiel
16.August 2009, St.Helier/Jersey
Heute mittag haben wir in St. Malo die Arndt von der Tenge-Fastnet-Crew problemlos übernommen und sind sogleich Richtung Kanalinseln ausgelaufen. Mit Wind war nicht viel, und das Geschehen spielte sich unter Maschine ab.
Gut für Marlies Bombosch, die gleich ein Boje-über-Bord-Manöver zur Übung machte. Eine Boje fischen bei drei Knoten Strom ist hohe Schule, wir haben die Prüfung bestanden.
Dann kurzer Landgang in St. Helier und am nächsten Morgen weiter.
17.August 2009, St. Peter Port
Wieder unter Maschine haben wir eben nach Peter Port verlegt. Die schöne Stadt im Sonnenschein haben wir beinahe nicht betreten können, weil das Wassertaxi defekt war, und wir kein Schlauchboot mit haben. Freundliche französische Nachbarn fuhren uns aber vom Gastponton an Land.
18. August 2009, Portland GB
In einem Riesenschlag haben wir den Englischen Kanal überquert. Durch den Alderney Race natürlich, um einmal die 5 Knoten Strom zu nutzen, aber auch die Overfalls und die Wirbel zu studieren. Beim Kreuzen des TSS (Casquets) konnten wir erfolgreich das tolle Radar der Arndt einsetzen und uns fachgerecht durch den Schiffsverkehr schlängeln. Nachts um 3 kamen wir an und haben erstmal ein zünftiges Bordfest bis 6 gemacht, bevor wir in die Kojen fielen.
Folgen siehe 19.08...
19.08. August 2009, Cowes
Wesentliche Teile des Tages waren ja schon durch das Bordfest verbraucht, was nicht weiter schlimm war, da die Tide ein Auslaufen erst um 1400 gestattete. An der schönen Pier der Tankstelle haben wir ein wenig "Eindampfen in die Spring" geübt. Dieter und Marlies beherrschen dieses Manöver souverän!
Unterwegs haben wir wieder Kabbelungen, dieses Mal bei St. Albans Ledge, studiert; Praxis für die SSS- Kartenarbeit.
Apropos Folgen des Bordfestes...Kopfschmerz ist kein guter Steuerberater. Dennoch haben wir den Solent und Cowes erreicht; es war gerade dunkel geworden, Landgang!
In Portland nutzten wir übrigens die Gelegenheit den Baufortschritt für die 2012-Olympics anzuschauen. Fazit: da wird richtig Gas gegeben!
Morgen, es wird wohl endlich richtigen Wind geben, wollen wir, nach ausgiebigem Landgang in Cowes, einen langen Schlag nach Osten machen, um zum Wochenende Calais anzupeilen, wo samstags immer gute Feten sind.
20.08.2009, Cowes
Spontan haben wir uns entschlossen einen Hafentag in Cowes zu verbringen. Einmal, weil es hier wirklich schön ist, andererseits, weil 7er Schauerböen im Solent nicht sonderlich einladend sind.
Wenn die Fronten durch sind, machen wir uns morgen auf den Weg nach Brighton. Das nächste Ziel bleibt Calais
21.08.2009, Brighton
Ein wunderbares Segelerlebnis bescherte uns der heutige Tag. Unter G3 und gerefftem Groß fuhren wir auf (fast) ebenem Kiel zu diesem berühmten Seebad. Auf grünem Wasser zur weißen Stadt über den Kreidefelsen zu surfen war schon etwas besonderes.
Nur das Abendessen an Bord, von Marlies serviert (siehe Bild), konnte diesen Ritt auf den Pas de Calais zu noch toppen.
22.08.2009, Boulogne sur Mer
Angepeilt war eigentlich Dover, nachdem sich herausgestellt hatte, dass von der Tidenlage her Calais nicht in Frage kam. Als wir dann querab Beachy Head noch einmal genauer in den Reeds schauten, mussten wir feststellen, dass die Verhältnisse in Dover auch nicht besser sein würden. Kurz entschlossen gingen wir auf Ostkurs und landeten noch im Sonnenschein in Boulogne.
Hier reichte auch die Höhe der Gezeit (wir haben Springzeit) von 30 Zentmeter für einen schönen Liegplatz, allerdings ist das Erklimmen des Bollwerks schon fast eine Bergwanderung (Bild). Im Ort brummte das Leben, Samstagabend in Frankreich eben.
Morgen früh muss die Tide passen, denn wir wollen durch den Pas de Calais, und das ja am besten mit Schiebestrom. Ein solider Südost ist angesagt, sodass wir Amsterdam als nächstes Ziel erreichen wollen. 24 Stunden haben wir dafür angesetzt.
24.August 2009, Amsterdam
Gestern mittag sind wir tidengerecht in Boulogne sur Mer ausgelaufen, um den maximalen Strom durch den Pas de Calais auszunutzen. Im Nu hatten wir Calais querab, und sichteten schon bei Einbruch der Nacht die vor der Schelde aufliegenden Schiffe. Eine traumhafte Nacht lag vor uns: Südost 4-5 mit wenig Welle, eine sternklare Neumondnacht und warme Luft würden uns ein traumhaftes Segeln bescheren. In der Tat waren die Freiwachen kaum unter Deck zu bekommen.
Im Morgengrauen lag dann schon Scheveningen steuerbord querab, und bereits um 0830 machten wir in der Schleuse von Ijmuiden fest. Das Ziel, Amsterdam, erreichten wir gegen 11 Uhr. Im kleinen aber feinen Sixhaven machten wir fest und waren bald in Downtown Amsterdam zu finden.
Ein besonderes Erlebnis für Catha Prien, die diese imposante Stadt zum ersten Mal sah. Beizeiten landeten wir denn auch in den Kojen, denn die absolvierten 166 Seemeilen in 20 Stunden steckten uns doch ein wenig in den Knochen.
25.August 2009 Medemblik
Heute haben gemütlich das Schiff nach Medemblik "verlegt". Unter G III liefen wir am Westufer des Markermeeres entlang, schleusten duch den "Naviduct" von Enkhuizen und konnten den Einlaufdrink bereits wieder im Sonnenschein genießen. Den Tag über hatte uns nämlich eine Wetterstörung begleitet, die zwar bedrohliche Wolkenszenarien an den Himmel malte, uns selbst aber weitgehend trocken ließ. Morgen wollen wir ins Wattenmeer nach Harlingen fahren, wo leider Marlies von Bord gehen muss. Die Schulferien gehen zu Ende, und wir müssen schweren Herzens auf unsere Lehrerin verzichten.
26.August 2009, Harlingen
In Medemblik verbrachten wir einen entspannten Abend mit dem Schwerpunkt Darten (Pfeilwerfen) im angesagten Café, wo wir allerdings die einzigen Gäste waren. Tourniersiegerin war Saskia, die mit ihrer Wurftechnik beeindruckte.
Vor uns lag heute morgen ein Kurztrip nach Harlingen von 25 Seemeilen, den wir für Spi-Ausbildung nutzten. Die Bedingungen im Ijsselmeer mit S 3-4 und glattem Wasser waren dafür ideal. Marlies gab professionell ihr vorwiegend bei Christian Knop erworbenes Wissen an die Crew weiter, sodass wir in kurzer Zeit den Spi stehen hatten und auf Kornwerdersand zu rauschten.
Die Barre vor Harlingen, ein navigatorisches Nadelöhr, erreichten wir à point, um wenig später in Harlingen fest zu machen.
Morgen früh müssen wir schweren Herzens Marlies von Bord geben, um uns dann beim Mittagshochwasser in Richtung Vlieland durch das Wattenmeer zu schlängeln. Wir wollen dann in einem Schlag die 200 Seemeilen nach Brunsbüttel absolvieren. Den für Samstag angesagten Wind bzw. das Wetter wollen wir lieber auf dem NOK "geniessen" als in der Deutschen Bucht
28. August 2009, Brunsbüttel
Gegen 15.00 h machte die Arndt im Schleusenhafen Brunsbüttel fest. Hinter ihr lagen 211 Seemeilen, die sie in 26 Stunden zurückgelegt hatte. Mit 8 Knoten im Schnitt (leider gibt es auch Gegenstrom) war die Crew an den holländischen sowie den ostfriesischen Inseln entlang gesaust und hatte das schönste Nacht-Segelerlebnis des Törns genossen. Mit satten sechs Beaufort - manchmal auch sieben - raumschots war die Arndt derart in ihrem Element, dass die Wachen ohne Wecken an Deck erschienen, weil keiner etwas verpassen wollte.
Gegen das ablaufende Wasser von Cuxhaven nach Brunsbüttel zu fahren war dann nicht mehr so spaßig. Es verdarb den Speed-Schnitt und machte die Mannschaft müde. Trotzdem reichten unsere Kräfte noch aus, um am Siegesfest von Jennifer Oeser (Silber im Siebenkampf), sie stammt aus Brunsbüttel, teilzunehmen.
29. August 2009, Kiel
Wieder zu Hause ist die Arndt nach vier Monaten Sommerreise, die Crew 8 nach 14 Tagen. Bei genau dem Sch...wetter, wie es vorhergesagt war, waren Arndt und Crew durch den NOK gefahren. Damit war die Entscheidung von Harlingen, nämlich von dort ohne Zwischenstopp in den NOK zu fahren, als richtig bestätigt.
Gesund und munter hat die Crew 8 eine unbeschädigte Arndt, die den Flaggenschmuck aller besuchten Länder trägt, in ihre Box gelegt. Die Crew ist- wie die anderen sieben wohl auch- voll des Dankes, dass sie das schöne Schiff fahren und den Stander des Clubs in vielen Ländern präsentieren durfte.
Wir bedanken uns deshalb auch im Namen der anderen Crews bei allen Mitgliedern des Clubs für das Privileg, solch ein Boot segeln zu dürfen.
Marlies Bombosch, Tanja Koch, Saskia Nippert, Catharina Prien, Dieter Simmat und Hubert Miehe

















