Von Brest nach Lissabon - Klaus Kinast Crew

Es berichtet Lothar Jenne

Freitag 29. Mai. Ab 09.15 werden wir nach Lissabon verlegen. Damit ist unsere Reise sicher und mit vielen guten Erinnerungen beendet. Es war eine tolle Erfahrung, dies schöne Schiff segeln zu dürfen.
Dank an die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung!

Donnerstag 28. Mai. Allerdings scheinen unsere guten Geister uns auf das Ende der Reise vorbereiten zu wollen: keine Delphine, weder konstanter Wind noch aus konstanten Richtungen, komischerweise T-Shirt-Temperaturen, selbst der Bedarf an Bastelarbeiten tendiert gegen Null. Die Gedanken wandern langsam aber sicher in Richtung Crew-Wechsel. Um 21.02 fällt der Anker vor Cascais nach weiteren 167 sm.

Mittwoch 27. Mai. Ausgeschlafen. Mit der Metro (eine Mischung aus Straßenbahn und Unterpflasterbahn) nach Porto gefahren. Rundgang und Rundfahrt mit dem Touristenboot auf dem Douro. Nach 10 Tagen der politischen Abstinenz Bild-Zeitung gekauft. Glanzlichter der Konditoren-Kunst mitsamt rotem und weißem Portwein verkostet. Auslaufen um 18.00 Uhr. Spaghetti „Pollo Diavolo“ (Tomate, schwarze Nyon-Oliven und Hühnchen). Sonst Alles Routine.

Dienstag 26. Mai. Das Lob vom Vortag war verfrüht. Bis Alles und Alle klar sind ist es 10.50 zum Auslaufen. Elektronischen Kompaß kompensiert. Die Freude über den ersten Sommertag wird relativiert: T-Shirt, Langarm-Hemd, Pulli, lange Unterhose sind die Stationen der ersten Tageshälfte. Frischer Gurkensalat, Rührei mit Schinkenspeck, Tomate und Paprika. Wind frischt auf von N 3-4 auf 5-6 mit Böen. Diskussion über Windstärke, Upwash und Anzeigefehler. Man einigt sich auf Böen von 32 – 36 kn. Fest in Leixoes um 19.08 Ortszeit.

Montag 25. Mai. Anker auf um 08.00. Lob vom Skipper für pünktliches Erscheinen. Himmelsfärbung in allen Grauschattierungen, Berggipfel in den Wolken. Merke: seit Brest sind ausschließlich die 3 Lagen angesagt: Wärme-Unterwäsche, Fleece, Ölzeug (und Stiefel). Wind N 3-4, Genua 3. Flipper und alle seine Freunde geben sich ausdauernd die Ehre. Die Schroffheit der Küstenformation begeistert. Fest in Bayonas um 16.15 nach 60 sm. Anschliessend technischer Dienst zur Behebung einer großen und 3 kleiner Leckagen an der Wasserversorgung. So nahmen wir schließlich ein wörtlich zu nehmendes Nachtmahl in einem gut sortierten Fischrestaurant.

Sonntag 24. Mai. Wind legt vor mit NW, dann mit NNE 4 – 5. In Höhe von Cap Finisterre bei erstem Morgengrauen Auffrischen auf bis zu 45 kn (inkl. Upwash), Genua 4 und Reff sei Dank. Bester Surf mit 14,5 kn.
Einlaufen Bucht von Muros gegen 09.55 mit Trip 117 sm. „Sea Cloud II“ gibt sich die Ehre - ohne Segel. Liegen vor Anker, Sonne schlägt sich durch, Klamotten trocknen und Heizung tut dem Schiff gut.

Sonnabend 23. Mai. Legen ab um 17.15. Erstes Ziel: Bunkerstation. Erweist sich entgegen aller Beteuerungen als spritfreie Zone. Zweite Bunkerstation hat Diesel aber ansonsten geschlossen. Also: kein Öl, kein Auffüllen des geschlossenen Kühlkreislaufs. Miserable Sicht, Regen und Temperatur um 14 ° C werden aufgewogen mit 8 köpfiger Delphinschule, die offenbar unsere „Arndt“ zum Knutschen gern haben. Krönung der Vorstellung: ein schlafender Wal in knapp 10 m Distanz. Abend-Menü: Avocados mit Zitronenzesten und Aceto balsamico, Variationen galizischer Empanadas, gegrillte Gambas, galizische Käsevariationen, Almanderas.

Freitag 22. Mai. Wind wie gehabt, aber um 02.00 Schalter umgelegt auf 22 – 32 kn. Zum Wachwechsel 03.00 Reff eingezogen. Mit 8 – 10 kn, im Surf bis 12,8 kn geht es dem Ziel entgegen. Im Nahbereich von La Coruna Schalter zurück auf NE 3, dann NE 2. Einlaufen um 19.30 nach 489 sm bei W 2. Danke Rasmus, deine Kooperationsbereitschaft läßt hoffen.

Donnerstag 21. Mai. Wetterleuchten über dem Festland kennzeichnet den Kaltluft-Einbruch. Wind dreht früh auf N und NE mit 3 und 4, auch mal 5. Frage des Tages: Halsen oder nicht halsen, und wenn ja: wann? Schließlich weht der Wind dorthin, wo auch wir hin sollen. Peinlich für den Ruf zu Haus, eigentlich möchte man doch Seeheld sein. Bordroutine. Mittags: Schweinefilet provencal.

Mittwoch, 20. Mai. Wind dreht auf S und pendelt zwischen 2 und 3. Kurs SE, weil in der inneren Biscaya der Wind früher als weiter westlich auf NE – N drehen soll. Grund: Tief über Spanien gewinnt die Oberhand. Gegen mittags SSE 2 mit Pasta und Lachs. Lecker! 14.45 Flaute,  Motor an. Kurs S. Kein Wind, kein Dreher. 19.50 Wind springt an mit NW 3, Motor geht aus.

Dienstag, 19. Mai. Weitere Einkäufe und Reparaturen. Nach Wettercheck beim Meteorologen Auslaufen um 16.30. Bei SW 4 und blauem Himmel von Brest frei gekreuzt. Dünung und Windsee harmonieren nicht, was sich noch steigern sollte. Wind dreht von SW auf S und baut auf 3 ab. Gegen Mitternacht „frei“ von der Ile de Sein.

Montag, 18. Mai, 01.00 offene Kneipe gefunden. Kneipier und 3 Gäste (bier-) selig, weil sie nun neuen Gästen wegen erfolgreichen irischen Musikfestivals (?!) zuprosten konnten. Uns war’s recht, Guinness und Musik ok.
11.00 Einkauf bei Leclerq. 2 Wagen voll. Menge und Inhalt stimmen hoffnungsfroh. Muscheln essen satt. Boot einräumen, kleine Reparaturen. Modenschau aller Vorsegel, da bunte Mischung aus „Arndt“-eigen, geschenkt und ausgeliehen. Dank Huberts Tip Abendessen im Restaurant de l’Ocean. Köstlich.

Sonntag, 17. Mai, 07.00 Abfahrt Kiel, Einsammeln aller Crew-Mitglieder, störungsfreie Fahrt, Eintreffen 23.30, nach halbstündiger Suche Schiff wohl und trocken aufgefunden. Die Trockenheit der Bilge erfreute, die der Bierlast nicht.

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