Zwischen „Meilen“ und „Idylle“

mit Taffi in den Ostschären

2008 soll eine ganz besonderer Sommer werden. Wir, fünf Studenten, wollen unseren vielleicht letzen Sommer vor unseren Arbeitsleben noch einmal so richtig genießen.  So planen Florian Pohl (Schiffsführer), Christoph Heyn, Johannes Michalski, Hannah Schildberg- Schroth und Dirk Eggers eine Sommertour mit der fast neuen Yacht „Taffi“, vom Typ Elan 31 eine Reise in den Stockholmer Schärengarten zu planen. Planen bedeutet in diesen Fall folgendes: kurze bzw. schnelle An- und Abreise zum Schärengarten um pünktlich in Sandhamn (bei Stockholm) den Mittsommertag zu feiern, Crewwechsel in Stockholm (Johannes Michalski geht von Bord, Hannah Schildberg Schroth kommt an Bord), Lebensmittel und Getränke für 28 Tage organisieren und überlegen wo es zu gestaut werden kann.
Am 14. Juni startet die Reise gegen Mittag aus der Heimatstadt Kiel in Richtung Osten. Bei achterlichen Winden um 4-5 können wir am 15. Juni nach 190 sm und 30 Stunden Rønne auf Bornholm erreichen. Nach kurzer Erholung von der Nachtfahrt brechen wir am Mittag des 16.6. wieder auf in Richtung Gotland auf. Die weite Überfahrt entlang der Hano Bugt und östlich Oland war mit mehreren Gewittern und Ausweichmanövern in den Seeverkerswegen der großen Schiffe gespickt.   Mit den letzen Meilen unter Spi und traumhaftem Sonnenuntergang kommen wir am 17.06 abends, nach 34 Stunden und 230 sm in Visby auf Gotland an. Noch am selben Abend lädt uns die geschichtsträchtige Stadt in ihr pulsierendes Nachtleben ein. Um am folgenden Tag die Insel näher zu erkunden, mieten wir uns beim nächsten Gebrauchtwagenhändler sehr unkompliziert und für wenig Geld ein Auto.  Leider lässt es unser enger Zeitplan nicht zu, noch weiter auf dieser Insel zu bleiben, so brechen wir am Abend des 18.06 zu unserem vorerst letzen Nachttörn auf. Ziel ist es das etwa 100 sm entfernte Sandhamn pünktlich zur Mittsommernacht zu erreichen, da dort jedes Jahr  der Königlich schwedische Segelclub (Kungl.Svenska Segel Sällskapet) KSSS sämtliche Boote von Nah und Fern in seinen Hafen  einlädt, um den längsten Tag des Jahres gebührend zu feiern.  Wir erreichen mittags den Hafen mit der uns von Bildern bekannten Kulisse des Clubhauses. Am Abend werden wir beim Fußballspiel Deutschland-Portugal im Clubhaus aufs Herzlichste empfangen. Schnell machen uns die neu entstandenen Freundschaften mit den schwedischen Segelkameraden klar, dass wir den richtigen Ort für die Mittsommernacht gewählt haben. An Schlaf ist in den nächsten Nächten nicht zu denken. Nicht nur wegen der hervorragenden Feier mit Essen, Tanz und Freude über den Sommer, sondern auch weil die Nächte so hell sind, dass man glaubt der Tag geht nie vorbei. Nach drei Tagen Sandhamn wird uns klar, dass die Schweden ihren Sommer und damit die langen Tage zu schätzen wissen. Nach den ersten 5 Segeltagen und 2 Hafentagen beginnt die Entdeckungstour des nördlichen Teils unserer Reise. Wir freuen uns nach den vielen Meilen ohne Land in Sicht und unruhiger See, endlich nach Sicht und Seezeichen ohne stampfenden Bug, innerhalb des idyllischen Schärenfahrwassers in Richtung Norden zu segeln.
Im nördlichen Schärengarten von Stockholm fahren wir in kleinen Etappen über Möja nach Nordertalje.
Trotz der vielen Empfehlungen für Nordertalje wollen wir uns nicht länger als die Nacht dort aufhalten und starten am 24.06 den Sprung zu den Ǻland Inseln. Abends erreichen wir das Fahrwasser von Mariehamn. Eigentlich ein breites Fahrwasser, nur muss man wissen dass die großen Fähren von Stockholm nach Helsinki, Turku oder anders herum einen Zwischenstopp in Mariehamn machen. Auch sie nutzen das nur durch Kardinalseezeichen betonte Fahrwasser. Gestärkt durch den abendlichen Saunagang direkt im Hafen, erkunden wir am nächsten Tag die südlich von Mariehamn gelegenen Inseln mit Tandem und Fahrrädern. Am Abend jubeln wir in einem Pub in der Innenstadt unsere deutsche Nationalmannschaft ins Finale an. Am 26.06 entschließen wir uns eine weitere Etappe in Richtung Norden zu machen und finden einen wunderschönen Naturhafen mit Sauna auf Eckerö.  Wieder zurück an die schwedische Küste geht es vorbei an unserem nördlichsten Wendepunkt , der Insel Singö nach Grislehamn um Abends beim Grillen den Geburtstag von Johannes zu feiern, und anschließend mit neu gewonnenen schwedischen Bekanntschaften den Abend ausklingen zu lassen. Weiter in Richtung Süden geht es durch den schönen Väddösund vorbei an Kappelskär nach Furusund. Mittlerweile nähern wir uns dem EM-Finale am 29.06. Deutschland – Spanien. Wir beschließen erneut Sandhamn anzulaufen um mit den Teilnehmern der Gotland Rundt Regatta das EM-Finale zu sehen.
Die nächste Etappe führt uns über Vaxholm mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Stockholm. Zum einen freuen wir uns am 01.07 Hannah an Board zu begrüßen zum andern sind wir traurig unseren Bonsai (Johannes)  zu verabschieden. Nach ausgiebiger Stadtbesichtigung, Hafenrundfahrt und dem Besuch des Vasamuseums ( man beachte um 8:00 Uhr morgens!) verlassen wir den Vasahafen, um unsere Rücktour einzuleiten. Bei sommerlichen Temperaturen lassen wir es uns in den zwei Badehäfen Saltsjöbaden und Utö noch einmal richtig gut gehen. Beim Verlassen von Utö treffen wir unsere Clubkameraden die mit der Aegir in Richtung Norden vor Utö kreuzen. Leider können wir kein Abend mit ihnen verbringen, da wir streng in Richtung Süden müssen. Der östliche Wind begleitet uns mit Regen von Arkö über Västervik durch den Kalmarsund nach Kalmar. Durchgefroren kommen wir um 1 Uhr nachts nach 87 Seemeilen in Kalmar an und freuen uns über die noch geöffnete Sauna. Nach ausführlicher Recherche im Internet über das uns bevorstehende Wetter wagen wir bei SW-lichen Winden den Sprung über die Hano Bugt. Waren anfangs noch die Bedingungen im Kalmarsund moderat, kreuzten wir später bei viel Wind und Welle mit letzter Kraft nach Bornholm. Nach 157 Meilen und 28 Stunden kommen wir nachmittags in Allinge in den vom Jazzfestival gefüllten Hafen an. Dies interessiert uns nur wenig, denn wir müssen erstmal ausführlich „klar Schiff“ machen und schlaf nachholen. Am nächsten Tag kämpfen wir uns bei weiter vorherrschenden SW-lichen Winden mit bis zu 22 Knoten und  hoher Welle vorbei an der Steilküste von Mön und der Kadettrinne durch die Nacht. Als wir vor der Entscheidung stehen durch das Smålandfahrwasser oder um Gedser zu fahren nehmen wir den bekannten Weg um Gedser, da wir hoffen für die Nacht unter der Küste Schleswig-Holsteins Schutz vor den Wellen zu finden. Nach langem Kampf mit Gewitter und Wind von vorne können wir erst die Spitze von Gedser erreichen und anschließend mit einem Anlieger um 20Uhr die Brücke von Fehmarn zu passieren. Wie gehofft erreichen wir unter Schutz der Küste  Kiel am Samstag den 12.7. um 2 Uhr Morgens nach 237 Meilen.

Statistik:

Seemeilen gesamt: 1466
28 Reisetage
5 Hafentage

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Reiseroute

Reiseroute der Taffi
Die Reiseroute der Taffi

Bilder