Drei Jahreszeiten an einem Tag ...

...das soll Schottland bieten. Die SG hatte für diesen Sommer mit der Arndt eine Umrundung der Insel geplant und wollte dies einmal hautnah erleben. Ein anderer Spruch lautet übrigens „Today´s rain is tomorrow´s whisky”. Wohl etwas Trost für die triste Jahreszeit.
   Los ging es Ende der Kieler Woche und die Ansage lautete in 90 Stunden von Cuxhaven nach Inverness. Felix hatte nur Zeit für die Überfahrt und für Dienstag Mittag den Rückflug ab Inverness gebucht. Am Donnerstag der Kieler Woche ging Arndt durch den Kanal und Freitag dann zunächst nach Cuxhaven wo die letzten Crewmitglieder einstiegen. Dank Lokführerstreik leicht genervt und reichlich verspätet ... Mit ablaufendem Wasser und kräftigem Nordwestwind kreuzten wir in die Nacht hinein Richtung Helgoland und dann mit einem Anlieger zunächst nordwärts entlang der Küste, bis schließlich auf Höhe Sylt der Wind begann rück zu drehen. Und der Wind blieb uns wohl gesonnen. Bis kurz vor Peterhead begleitete uns zwar ein umfangreiches Tief, aber außer Schauern und Gewittern mit spektakulären Zellen aus denen es in allen Richtungen blitzte warteten keine Gemeinheiten auf uns. Wir konnten den Kurs anliegen, von einem leichten Slalom zwischen all den Bohrplattformen einmal abgesehen. Montag abend hatten wir Peterhead querab und für die verbleibenden 70 Meilen dann den Wind doch noch gegenan. Aber Arndt kreuzt gut und wir wurden am Morgen durch eine wunderschöne Kreuz bei strahlender Sonne in den Moray Firth belohnt. 11.00 Uhr Leinen fest, 600 sm auf dem Log, noch Zeit für einen Anleger und Dusche, und um 12.00 Uhr sitzt Felix im Taxi zum Flughafen.
   Inverness nutzen wir zum Ausschlafen und Besuch eines phantastischen 2nd hand Buchladens, der sehr stilvoll mit Cafe und Kamin in einer alten Kirche beherbergt ist. Stunden später .... freundlicherweise schicken sie die Neuerwerbungen per Post, so dass wir uns wegen des Gewichts später auf dem Rückflug keine Sorgen machen müssen. In Inverness geht es dann durch die Seeschleuse in den Kaledonischen Kanal, den wir in drei Tagen passieren. An jeder Schleuse nimmt hilfsbereites Personal die Leinen an und kündigt über UKW die Boote für die nächsten Brücken an. Herrliches Aufkreuzen des Loch Ness, Übernachten im Loch Oich unter der Ruine des Invergary Castle. Dazu eine eindrucksvolle Landschaft mit dramatischen Wolkenformationen und wunderschönem Licht. Alle erdenklichen Schattierungen in grün, grau und blau wurden geboten und dazu lange Tage mit nur wenigen Stunden Fast-Dunkelheit. Schon noch ganz anders als Skandinavien.
   Mittlerweile waren wir in der sommerlichen Jahreszeit angekommen, zwar noch frisch, aber meist kurze Hosen tauglich. An der Westseite blieben wir zunächst noch in der Zivilisation mit Besuchen in Oban und Tobermory. Den ursprünglichen Plan, die nördlichen Inseln zu besuchen, verwarfen wir nach einer sehr ungemütlichen Kreuz bei viel Wind und Regen nach Rum. Die Auswahl an geschützten Ankerplätzen ist dort sehr begrenzt und das Wetter völlig unberechenbar. Selbst bei eigentlich eindeutiger Wetterlage gibt es kleinräumige Einflüsse und Störungen, die eine Planung wirklich schwer machen. Dort wird Wetter gemacht! Also entschieden wir uns außen an Mull vorbei nach Süden zu gehen und wurden mit bestem Sonnensegelwetter belohnt. Ein eher untypisches Schottlandhoch begleitete uns für die nächsten Tage. Es folgten Ankerbuchten in einem tiefen Fjord im Südwesten von Mull und in Colonsay. Herrlich einsame Natur, häufig sahen wir Seehunde und natürlich viele dort heimische Seevögel. Besonders beeindruckt haben die eleganten Basstölpel, die einen ganz unpassenden Namen haben.
   Weiter ging es nach Islay, zunächst mit 5 Knoten Schiebestrom durch den Sound of Islay zwischen den Inseln Islay und Jura. Langsam gewöhnt man sich an die starken Stromverwirbelungen und freut sich mit einem großen Schiff unterwegs zu sein. Die Revierführer geben wertvolle Hinweise über die zu erwartenden Verhältnisse in Relation zur Tide und so kommt man mit einem guten Timing problemlos klar. Islay zeichnet sich durch eine Häufung von Destillerien aus, es gibt derer sieben, alle mit wohlklingenden Namen. Nur die Option, eine Besuchermooring direkt vor Lagavulin zu nehmen, blieb uns wegen des Tiefgangs leider verwehrt. Wir kamen dennoch an die begehrten Tropfen und machten im benachbarten Port Ellen Station.
   Da der Wind weiter aus westlicher Richtung kam, bot sich ein längerer Schlag um die Südspitze der Halbinsel Kintyre (Mull of Kintyre) an, um danach in der Firth of Clyde zu gelangen. Mit einer Zwischenstation auf Arron erreichten wir die südliche Schleuse des Crinan Canal, der für die Arndt gerade genug Wasser bot. Er ist deutlich kleiner als der Kaledonische Kanal,  an engen Stellen blieben an jeder Seite gut ein Meter bis zum Ufer. Idylle pur. Der Verkehr wird von den Brückenwärtern per UKW geregelt, um Begegnungen an ungeeigneten Stellen zu vermeiden. Die Schleusen werden selbst bedient, was sehr lustig ist und die Crew ordentlich auf Trapp hält.
   Der geplante Wechsel an die Nachfolgecrew in Oban rückte langsam näher, von Crinan ging es noch zu einer letzten Ankerbucht im Sound of Mull (mit respektvollem Abstand zum whirlpool bei Corryvreckan) und anschließend in die Marina in Oban zum Aufklaren. Diese war komplett belegt mit Gästen der Classic Malt Cruise, einer organisierten Geschwadersegelei mit diversen Besuchen in Destillerien, die sich offenbar bei Dänen und Schweden sehr großer Beliebtheit erfreut. Was für eine schöne Idee, in diesem anspruchsvollen Revier gemeinsam mit anderen die schönen Seiten der schottischen Highlands zu genießen.
Ulf Petersen
   
Es hatten nicht alle Zeit die ganzen drei Wochen zu segeln, so gab es unterwegs gelegentlich Wechsel. Mit dabei waren:
Felix von Laffert
Klaus Peter Schulz
Axel Reimann
Regine Frank
Günter Renner
Catharina Prien
Rainer Kraatz

Bilder der Reise