Viele Entscheidungen verschoben
<22.05.2010> Die Young Europeans Sailing begannen mit einem Sparporgamm. Flaute verhinderte zum Auftakt der Kieler Woche des Nachwuchses auf drei Bahnen die Wettfahrten, nur die 29er und Surfer konnten auf der Innenbahn segeln. Zwei Stunden dümpelten die 560 Boote und Surfbretter auf der Ostsee, bevor sich die Organisatoren entschlossen, drei Bahnen abzusagen. „Natürlich hätten wir lieber mehr gesegelt, aber die Prognosen für morgen und Pfingstmontag machen uns Mut“, so Organisationsleiter Jobst Richter (KYC/58).
Mit 560 Meldungen aus acht Nationen hat Kiel die Teilnehmerzahl der letzten sechs Jahre überboten. „Wir sind fast überlaufen worden. Es war die richtige Entscheidung zusammen mit NRV und DSV, ganz und gar auf den Nachwuchs zu setzen. Hätte es in diesem Jahr nicht die Überschneidung mit der Regatta in Kerteminde gegeben, hätten wir mit den üblichen 80 Booten aus Dänemark absoluten Melderekord verkünden können“, unterstreicht Richter die Entscheidung für den Nachwuchs.
Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr sicherlich die Qualifikation für die Jugend-Weltmeisterschaft des Weltsegler-Verbandes (ISAF) vom 8. bis 17. Juli in Istanbul (Türkei), denn bei den Young Europeans Sailing fällt in allen vier Nachwuchs-Klassen, die der Deutsche Segler-Verband (DSV) bei der Jugend-WM besetzen wird, die Entscheidung, wer Deutschland vertritt.
Während bei den Surfern/innen (RS:X 8,5 qm) eine einzige Ausscheidungsserie (die in Kiel) entscheidet, gehen bei den Einhandseglern/innen, im Bereich Zweihand (Mädchen und Jungen) sowie im Open High Performance Dinghy (29er/gemischte Wertung) zwei Regatta-Serien in die Wertung ein.
Die Einhandsegler/innen auf Laser Radial haben vor Hyères (Frankreich) den ersten Teil der Qualifikation absolviert, die Zweihandsegler/innen (im 420er) auf dem Schweriner See und die 29er-Segler vor Workum (Niederlande).
Auch wenn natürlich noch keine endgültigen Entscheidungen gefallen sind, dürfte eine Vorentscheidung im 29er, der einzigen gemischten Wertung auf dem Weg zur ISAF-Jugend-WM , bereits gefallen sein.
Hier ziehen die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge (KYC) einsam ihre Bahnen. Aus der ersten Qualifikaitonsserie in Workum (Niederlande) Mitte Mai sind sie mit einem Vorsprung von 43 Punkten angereist. Die beiden 17jährigen leben zurzeit im Sportinternat in Aarhus. Insgesamt 140 Sportler, darunter neun Segler/innen, gehören zu den Schülern des Internats, in dem unter anderem auch die britische Handball-Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele 2012 aufgebaut wird. Handball gehört in England zu den Randsportarten, so dass die ganzheitliche Unterstützung im Handballstaat Dänemark gerade recht kommt. 2009 halfen die britischen Internats-Nationalspieler kostenlos bei TuSEM Essen in der Handball-Bundesliga aus, um Spielerfahrung zu sammeln.
Aber auch den Seglern hat das Aarhus Internat einiges zu bieten. Für sechs Monate ließen sich Jule und Lotta von ihren Gymnasien (IGF Friedrichsort und Gymnasium Altenholz) befreien, um die Segelakademie zu besuchen. Nach der Rückkehr gilt dann das Halbjahreszeugnis für den Sprung ins nächste Schuljahr. „Dabei wird allerdings nicht nur das Segeln selbst vermittelt, sondern das Ganzheitliche. Umgang mit dem Boot, Präsentationen erstellen, um Sponsoren zu gewinnen, und vieles mehr“, so Vater Martin Görge, der ein Drittel der Internatskosten übernimmt. Zwei Drittel steuert der dänische Staat bei. Der erfolgreiche dänische 49er-Segler Peter Hansen, einer der zwei Segellehrer vor Ort, ist Skiffspezialist. „Das enorme Training macht sich schon bemerkbar. Die sind sehr schnell“, musste dann auch der 14jährige Paul Kohlhoff neidlos anerkennen. Zusammen mit seinem 15jährigen Vorschoter Tim Krämer (Kiel) hat der Fünfte der deutschen WM-Qualifikation auch noch zwei Jahre mehr Zeit, für Deutschland bei der ISAF-Jugend-WM zu starten.
Auch in der ersten Wettfahrt vor Kiel konnten die Görges ihren Vorsprung Richtung Istanbul vergrößern. Mit Platz Fünf verwiesen die Kielerinnen die direkte Konkurrenz auf die Plätze. Leonie Meyer/Hannah Schmitz (SCED/Osnabrück/168. in Workum) landeten auf Platz Zehn, Kim Niclas Holste/Yannik Holste (Wunstorf/173) auf Platz 23, Patrick Kraatz/Florian Hagen (Detmold/174) auf Platz 26 und Paul Kohlhoff/Tim Krämer (KYC/206) auf Platz 18.
In der Gesamtwertung belegten die Kieler Justus Schmidt/Max Böhme den ersten Platz.
Obwohl der Nachwuchs im Vordergrund steht, tummeln sich auch erfahrene Segelgrößen in Kiel. So kommt es auf dem RS:X-Surfbrett zum Aufeinandertreffen von Moana Delle (SKBUe/Kiel) und Amelie Lux (Kiel). Beide haben dasselbe Ziel vor Augen: Olympische Spiele 2012 vor Weymouth (England). Die Kieler Woche-Siegerin des Vorjahres und Jugend-Weltmeisterin von 2007, Moana Delle, ist zurzeit wohl die Nummer Eins in Deutschland. Doch die Silbermedaillengewinnerin von 2000, Amelie Lux (Kiel/33), will es noch einmal wissen. Was Michael Schumacher in der Formel Eins kann, kann Amelie Lux im olympischen Surfen schaffen. Bei der ersten Wettfahrt belegte Moana Delle als beste Frau Rang Sechs, Amelie Lux Rang Sieben. Den Sieg in der gemischten Wertung sicherte sich Florian Freimüller (Altenholz).
Im Laser gehört Simon Grotelüschen (23/LYC/Kiel) zu den namhaften Favoriten, das 505er-Feld hat Weltmeisterschaftsniveau. Beide Klassen greifen morgen ins Geschehen ein.
Doch allesamt konnten sie am Samstag an Land Sport treiben. Denn dort wird dank der Unterstützung des Sponsors Autohaus Kath deutlich mehr geboten als in den Vorjahren. Dabei ist das Kieler Autohaus in Schilksee mit einem Querschnitt durch sein Produktangebot auf dem Hafenvorfeld präsent.
Weiterhin bieten die Firmen Elkline und Maritim Bootszubehör eine große Auswahl an aktueller Segel- und Freizeitbekleidung. Der Surfshop Secret Spot aus Kiel hält das passende Angebot für die Surfbegeisterten im Ausstellerareal bereit. An den Pfingsttagen öffnen die Stände von 10 bis 21 Uhr.
Wie in den Vorjahren wird dem Segelnachwuchs und den Besuchern einiges geboten. Neben vielen gastronomischen Angeboten dürften Showkämpfe der Trendsportart Speedminton – Badminton ohne Netz und Court, dafür aber wesentlich schneller und härter - eine besondere Attraktion sein. Ein weiteres Highlight auf dem Hafenvorfeld ist die blokart Teststrecke. Das blokart ist ein rasanter Strand- bzw. Landsegler, den die Besucher bei entsprechender Witterung direkt vor Ort testen können. Die Firma Höhenflug aus Kiel wird neben den blokarts Lenkdrachen und diverses Spielzeug aus dem Sortiment im Ausstellerareal anbieten. Außerdem lädt die Quattro-Highjump-Anlage zu akrobatischen Einlagen für jung und alt ein. Wer sich nach so viel Sport stärken muss, findet in der Gastronomiemeile ein reichhaltiges Angebot für jeden Geschmack.
Ergebnisse:
RS:X:
1. Florian Freimueller (Altenholz) 1,00
2. Moritz Schoentag (Kiel) 2,00
3. Niclas Sponholz (Berlin) 3,00
4. Leon Delle (Soest) 4,00
5. Benedikt Hattich (Lübeck) 5,00
6. Moana Delle (Soest) 6,00
7. Amelie Lux (Kiel) 7,00
Bic Techno 293:
1. Felix Feser (Hoppegarten) 1,00
2. Merlin Lippert (Berlin) 2,00
3. Tim Poggemann (Bad Endorf) 3,00
4. Stefanie Schwarz (Schondorf) 4,00
5. Lasse Brudek (Wilhelmshaven) 5,00
6. Jöhnk Felix (Eckernförde) 6,00
29er:
1. Justus Schmidt / Boehme Max (Kiel/Schönwalde) 1,00
2. Stefan Gieser / Felix Meggendorfer (Heidelberg) 2,00
3. Philipp Kramer / Thilo Kramer (München) 3,00
4. Philipp Müller / Moritz Janich (Wörthsee) 4,00
5. Jule Goerge / Lotta Goerge (Kiel) 5,00
6. Vera Maag / Bärbel Maag (Albstadt) 6,00
Weitere Ergebnisse unter www.young-europeans-sailing.de
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