Go for Speed - Regattatraining für Seesegler

Rechtzeitig zum Saisonbeginn bot der Ausschuss Seeregatten des Deutschen Segler-Verbandes an zwei Wochenenden im April in Zusammenarbeit mit der Regattavereinigung Seesegeln (RVS) und dem Kieler Yacht-Club (KYC) ein professionelles Regattatraining für Seesegler an.
Das Training begann am 17. und 18. April 2010 mit einer Theorieeinheit in den Räumlichkeiten des DSV in Hamburg. Über 100 interessierte Segler und Referenten hatten sich trotz des Ausbruchs eines isländischen Vulkanes und der damit verbundenen Flugsperre über ganz Europa eingefunden, um ihr Wissen aufzufrischen oder zu vertiefen.
Diplom-Meteorologe Meeno Schrader (wetterwelt.de) griff die aktuelle Wetterlage thematisch kurz auf und wechselte dann auf sein geplantes Hauptthema Wetter und Wind. Der von ihm gesetzte Schwerpunkt lag mit Blick auf die ORC-Weltmeisterschaft im Herbst bei Seeregatten auf Flensburger Revieren. Spezielle Strömungseffekte in Förden und damit verbundene Kap-Effekte wurden detailliert besprochen.
Prof. Dr. Ing. Kai Graf von der Yacht Research-Unit der Fachhochschule Kiel erklärte anhand von Studien sehr anschaulich, dass Segel sowie Rümpfe und deren Anhänge als Tragflügel zu betrachten sind. Er referierte aus Sicht des Strömungswissenschaftlers über die komplexen Zusammenhänge von Auftriebsbeiwert, Segeltrimm, dessen Twist auf unterschiedlichen Kursen, der Verbindung von hydraulisch glatten Oberflächen an Kiel und Ruder und der möglichen Steuerbarkeit. Insbesondere die Ausführungen zu Beschichtungen im Zusammenhang mit Oberflächengrenzen nahmen die Zuhörer staunend zur Kenntnis. Nicht zu kurz kam dabei auch die Konzentration auf das Wesentliche: das Segeln und Geradeaus-Steuern.
Der in der Regattaszene bekannte Tim Kröger hatte einen Zusammenschnitt der „best off acts“ in seine Präsentation zur Crew-Motivation eingebaut und gemeinsam mit Arndt Hovar (NORTHSAILS Germany) praxisnah die Wichtigkeit von richtigem Crewmanagement und Segeltrimm vermittelt. Die richtige Saisonvorbereitung von Mensch und Material wurde ebenso besprochen, wie die Anwendung von Tuning Hilfen bei Riggs und Segeln.
Uwe Wenzel von der Regatta Vereinigung Seesegeln (RVS) erläuterte anhand von ORC-International-Messbriefen die verschiedenen Auswertemöglichkeiten (Scoring Options) mit Hinblick auf die in dieser Saison angewandten Versionen, was zu Trainings und Verständnis der bei der WM zu erwartenden Optionen führen wird. Darüber hinaus stellte er anhand von fünf Yachten einen Vergleich von „Time on Time“, „Windward/Leeward“ und „Performance Curve“ auf.
Der gesamte Sonntag stand für „Regelpapst“ Uli Finckh zur Verfügung. Mit seiner kompetenten und gewohnt launigen und wortwitzigen Art vermittelte Finckh sehr anschaulich die Besonderheiten und Änderungen der ISAF Wettfahrtregeln 2010 mit besonderem Augenmerk auf die Anforderungen des Seesegelns und beendete damit den ersten Teil des Trainings.
Das Praxistraining begann am Samstag, 24. April 2010, bei strahlender Sonne, leichtem Wind um 3 kn und noch leicht unterkühlten Temperaturen. Die Organisatoren wurden vom Team von Elvström-Sails um Olympiasieger Jesper Bank aus Dänemark unterstützt.
Ca. 250 Crewmitglieder, verteilt auf 25 Schiffe, versammelten sich zur Vorbesprechung in der Vaasa-Halle im Olympiazentrum Kiel-Schilksee. Nach dem Auslaufen und leichter Steigerung des Windes auf inzwischen ca. 5 kn konnten die Trainingsrunden gegen 10:30 Uhr auf dem Wasser beginnen.
Die Mitglieder des Seebahn-Teams des Kieler Yacht-Clubs verstanden es, zusammen mit der Wettfahrtleitung um Claudia Langenhan (Hamburg) und Hajo Andresen (Flensburg) in gewohnter Professionalität in kurzer Zeit viele Starts, anspruchsvolle Kurse und schnelle Kurzwettfahrten anzubieten.
Rasche Reaktionen auf dem Wasser, gepaart mit guter Laune und freundlicher Kommunikation über UKW fanden bei den Teilnehmern großen Anklang.
Die Elvström-Crew aus Apenrade (DK) brachte insgesamt sieben professionelle Coaches mit nach Kiel. Mit Hilfe von zwei schnellen Schlauchbooten wurden diese jeweils nach einigen Runden von einer teilnehmenden Yacht zur nächsten übergesetzt. Neben Start- und Manövertrainings standen insbesondere auch taktische Feinheiten auf dem Programm. Wo und wie positioniert man sich am Start, mit wie viel Speed kommt man wann am besten wohin etc. Was nach Basics klingt, stellte sich in einem Feld aus 25 Schiffen mit Längen zwischen knapp 8 und ca. 15 Metern durchaus spannend dar.
Ergänzt wurde das Training auf dem Wasser durch die Begleitung eines Kamerateams für Fotos und auch Videoaufnahmen. Während des abendlichen „De-Briefing“ in der Vaasa-Halle wurden die Aufnahmen gekonnt durch Jesper Bank kommentiert.
Erste Lerneffekte bei den Teilnehmern konnte man bereits am Samstagnachmittag beobachten. Noch deutlicher wurden die Steigerungen jedoch im Verlauf des Sonntages, der bereits mit 10-11 kn Wind und strahlendem Sonnenschein am frühen Morgen auf die Segler wartete. Die Zunahme des Windes im Verlauf des Tages auf bis zu 18 kn ermöglichte es auch den größeren Schiffen, einige taktische Manöver zu üben.
Abgerundet durch ein hervorragendes Catering durch die Crew des Haus-der-Athleten in Schilksee sowie der Spende einiger Liter „Stegbier“ durch einen Teilnehmer war die Veranstaltung ein rundum gelungener Saisonauftakt für alle Beteiligten. Dazu beigetragen hat mit Sicherheit auch leichter Wind zu Beginn mit konstanter Steigerung über beide Tage, reichlich Sonne, Videobegleitung, die professionelle Begleitung und Unterstützung durch die Elvström-Coaches und das hervorragende Handling der Wettfahrten durch das Team des Kieler-Yacht Clubs. (Hamburg, 29. April 2010)

Text: Fricke/Hepp (DSV) , Fotos: Ron Rademacher/Hepp

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