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Meine Regattasaison 2009 in der Europe
Die zweite Saison in der Europe liegt hinter mir und seit Juli dieses Jahres bin ich Jugend-Mitglied im Kieler Yacht-Club. Da wird es Zeit, dass ich mich einmal kurz vorstelle und auch über die gelaufene Saison berichte.
Ich heiße Marisa Roch, werde im Dezember 15 Jahre alt und segele seit meinem sechsten Lebensjahr – erst im Opti und seit zwei Jahren leidenschaftlich Europe, mein Traumboot seit den Regattaanfängen mit acht. Vor dem Umstieg war ich drei Jahre im SH-Kader. Ich wohne in Wees bei Flensburg und das Schulpensum in der 9ten Klasse G8 lässt es zeitlich nicht zu in der Woche in Kiel zu trainieren. Das ist sehr schade, da ich das Segeln auf der Kieler Förde echt liebe. Wenn man aber so oft wie möglich trainieren will, muss man sich als Europeseglerin mal im Nachbarland Dänemark umschauen und so kam es, dass ich auch seit zwei Jahren im Sønderborger Yacht Club Mitglied bin und dort zweimal wöchentlich Training habe. Dort sind wir so eine Flotte von mindestens 20 Europes, echt gute Bedingungen um in dem anspruchsvollen Boot viel zu lernen. Ich segele auch den ganzen Winter durch, und so habe ich mittlerweile schon ordentlich Wasserstunden auf meinem Europe-Konto welche sich auch in diesem Sommer so langsam an den Regattaergebnissen bemerkbar machen.
Nach dem normalen Wintertraining hatte ich das große Glück im Frühjahr vor Ostern eine Woche im Team Danmark Center in Kaløvig bei Jørgen Holm und Finn „Beton“ Jensen zu trainieren. Das hat riesig Spaß gebracht mit so vielen super Europeseglern segeln zu gehen. Davor hatten wir aber noch ein Trainingswochenende im SYC bei Søren Johnsen, der Europe-Profi überhaupt! Er ist ein super Vorbild für uns Jugendliche und ich habe schon viel bei ihm lernen können. So gestärkt ging ich dann im April die erste Regatta für 2009 in Farum bei Kopenhagen an. Da es nun seit langem ein Binnenrevier-Race für mich war, fand ich mich trotz guter Vorbereitung auf dem See nicht zurecht. Ich erwischte jeden Windreher, davon gab es viele, gegen mich. Ich wurde dort leider nur 40te von 48.
Man soll ja nicht den Kopf hängen lassen und so ging es dann auch munter Anfang Mai zur nächsten wichtigen Regatta ins dänische Bønnerup am Kattegat. Und wieder war die dänische Weltelite der Europes am Start und ich dazwischen, das war Training vom Feinsten. Wind bis 16 m /sec und 1,5m Welle. Ich hab mich mit viel Spaß da durchgebissen und freute mich am Ende über einen 27. Platz von 42. Ich habe da gemerkt, dass man auch mit einer Größe von 1,58m die 7 Quadratmeter Segelfläche bei viel Wind mit entsprechender Technik noch ganz gut managen kann. Dieses Wochenende gab mir noch mehr Auftrieb für die ganze Saison.
Der Opti-Europe-Treff Mitte Mai in Bosau sollte meine erste Regatta in Deutschland sein. Eigentlich ist der Plöner See nicht mein Traumrevier. Die Wetteraussichten waren nicht schlecht und so lief es auch das Wochenende richtig gut für mich. Ich wurde vierte von 23 hinter Anja Fiedler, Sönke Herrmann und Thorben Niß. Na bitte – es geht doch auch auf einem Binnensee!
Zwischendurch segelte ich noch mal hier und da als Training eine Südkreisregatta in Dänemark mit Platzierungen in der ersten Hälfte.
Erste richtig große Regatta war dann natürlich YES. Immerhin war hier bei uns auf der Bahn ein großes internationales Feld von 68 Europes unterwegs. Trotz widriger Umstände konnte ich mich mit dem gesamt 34ten so gerade in die erste Hälfte schieben. Für uns war es auch die zweite Ausscheidungsregatta für die JEM / WM. Aber das war noch nicht mein Ziel für die Saison 09.
Danach folgte das Eckernförder Eichhörnchen. Wind gab es wieder reichlich in der Eckernförder Bucht und wieder gelang es mir hier zu „punkten“. Ich belegte Platz 5 von 16. Vor mir nur die richtig guten Männer - das war schon ganz cool!
Auf der folgenden Kieler Woche wurde ich dann doch wieder auf den Boden der internationalen Tatsachen gebracht. Es lief bei wieder viel Wind noch ganz ordentlich bis ich dann doch irgendwie einmal baden ging ( kommt bei mir echt selten vor:) ). Beim Aufrichten bin ich dann vom Schwert abgerutscht und habe mir dann am Lenzer ganz blöd die Hand aufgeschnitten. Da musste ich schweren Herzens in den Hafen. Solche dummen Sachen bring auch nur ich zustande! Gut getapet segelte ich zwar auch noch am letzten Tag mit, aber nicht mehr so beherzt wie sonst. So langte es hier nur für einen 63ten von 80.
Der Ehrenmalpokal vor Wendtorf war meine letzte Regatta vor der IDJM in Travemünde. Ich landete mit Platz 7 / 18 glatt in der ersten Hälfte und damit hatte ich einmal mehr mein Saisonziel (möglichst oft in der ersten Hälfte zu sein) erreicht. In Travemünde lief es dann allerdings nicht so wie ich es mir vorgenommen hatte, auch wenn es beim Vortraining bei Berit Berg eigentlich ganz prima lief. Am ersten Tag war gleich der Wurm drin und ich erwischte die Dreher nicht zu meinem Gunsten. Da hatte ich gleich ein paar Streicher zu viel auf dem Konto! Dann war da noch so ein schwarzer Gennaker vom 29er der mich in einer Wettfahrt zum stehen brachte und es Nacht werden ließ – kostete auch wertvolle Plätze. Aber 29er und Europes gehören ja auch nicht wirklich auf eine Bahn und schon gar nicht auf Meisterschaften! Gute Einzelergebnisse zeigten mir aber, dass ich durchaus da vorn mitfahren kann und so will ich mit dem 27 Platz von 51 nicht maulen. Mein Ziel war aber unter den ersten 15 zu landen und das habe ich in der Summe vieler Kleinigkeiten nicht erreichen können. Schwamm drüber und weiter segeln!
Am Ende der Sommerferien fuhr ich mit meiner Mutter nach Aarhus zur Dänischen Jugendmeisterschaft. Endlich konnte ich hier auch für den Kieler Yacht-Club starten. Also Blumentöpfe gab es hier nicht zu holen, aber die dänischen Regatten dienen super der „Horizonterweiterung“ und wenn man sich da immer weiter in die Mitte durchbeisst, ist das garantiert schon ein Weiterkommen. Wind und Wetter verlangten wieder alles von den Seglern und schonten auch das Material nicht. Mit einem 26. Platz in der Tasche habe ich mir so im dänischen Mittelfeld eine Position ersegelt an die ich ein Jahr zuvor noch nicht gewagt habe zu denken.
Ein Wochenende später fand praktisch bei mir vor der Haustür die LJM in Glücksburg statt. Ich war so gut drauf und ich wollte mir nicht zu viel vornehmen so wie vielleicht in Travemünde. Das sollte nicht wieder vorkommen. Also beschloss ich mit Bruder Innerlich schön locker im Kopf zu bleiben. Das war gar nicht so einfach, da nur so wenig Boote gemeldet hatten und da fing dann, nachdem am Samstag wegen Sturm nicht gesegelt werden konnte, am Sonntag die Zitterpartie an. Es war noch genug Wind auf der Bahn, sodass zwei von 10 Booten in der ersten Wettfahrt nicht ins Ziel kamen. Verdammt, das wurde eng mit der Ranglistenwertung. Zum Glück kamen dann immerhin in der zweiten Wettfahrt alle gut durch. Ich gab alles und es lief richtig gut für mich. Nach vier Wettfahrten (3,4,5,3) kam ich auf Platz drei hinter meinem Vereinskollegen, Rene Lund, aus Sønderborg und Henrik Bey aus Hamburg. Das schönste war aber, dass ich für den Kieler Yacht-Club Landesmeisterin von Schleswig-Holstein werden konnte. Zweiter wurde Tobias Bendtfeld aus Malente und Bronze ging an Frieder Billerbeck aus Kollmar.
Im September ging es für mich noch einmal nach Heikendorf zum Feuerschiff-Cup wo ich auf Platz 3 /15 segeln konnte.Danach stand die dänische Gesamtmeisterschaft in Sønderborg auf meinem Saisonzettel. Drei Tage voller Einsatz brachten mich auf Platz 33/59 und ich wurde siebtes Mädchen, diesmal für den SYC am Start. Ich bin dort gut in dem Verein aufgenommen und bin sehr dankbar, dass ich dort trainieren kann.
Nach dem ersten Oktoberwochenende liegt nun auch die letzte von 16 gesegelten Regatten hinter mir. Für drei Tage ging es noch einmal in Röbel an der Müritz um deutsche Meisterschaftsehren.
Und wieder hatte Petrus viel Wind versprochen. So viel, dass am Samstag zum Start der letzten Wettfahrten mein Segel riss und ich nicht mehr weitersegeln konnte. Sehr schade, da es gerade so schön lief. Ich fuhr mit dem neunten Platz von 18 Damen nach Hause, nachdem wir am Sonntag wegen Sturm nicht mehr starten konnten. Birgit Harder aus Mönkeberg wurde deutsche Vizemeisterin, Sönke Herrmann aus Heikendorf wurde deutscher Vizemeister und Dritter wurde Nicki Kraus aus Flensburg bei den Herren. Das ist doch aus S-H Sicht echt gut! Es war dort eine sehr schöne Meisterschaft und der RSVM war ein super Gastgeber.
Nun liegt eine sehr schöne Regattasaison hinter mir, prall gefüllt mit vielen tollen Erlebnissen. Besonders wertvoll neben den Regattaergebnissen sind eben auch die vielen internationalen Freundschaften die über das Jahr gewachsen sind. Mein Ziel war es bei so vielen Regatten wie möglich in der ersten Hälfte zu landen – Resultat! Bei 9 von 16 Regatten habe ich es geschafft. Und ich muss feststellen, Europe segeln macht süchtig! All dass geht aber nur dank der tollen Unterstützung meiner Eltern, die mir meinen Lieblingssport ermöglichen.
Ich kann jetzt schon nicht die nächste Saison kaum abwarten und werde im Winter weiter viel trainieren. Hoffentlich kann ich mich für die Jugend Europameisterschaft in Aarhus 2010 qualifizieren. Ich werde dran arbeiten! Die Fahrkarten für die IDJM in Flensburg und die IDM in Schilksee habe ich schon in der Tasche.
Eure Marisa Roch
GER 94
