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Mein Abenteuer: Opti-EM in Polen
Bei der WM/EM-Ausscheidung in Warnemünde hatte ich mich für die Opti-EM in Polen qualifiziert. Die Freude war riesig und die 7 Youngster des EM-Teams (Jasper, Henry, Gwendal, Michael, Valerie, Muriel und Gesa) nahmen erst einmal einen kräftigen Schluck aus der Sektflasche nach der Bekanntgabe.
Zu den Pflichtmaßnahmen des EM-Teams gehörte die polnische WM/EM-Ausscheidung in Polen. Das war für uns eine super Sache, da wir so das EM-Revier in Kamien Pomorski, ca. 40 km hinter der deutsch-polnischen Grenze an einem Arm des Stettiner Haff, bereits vorher kennen lernen konnten. Und so fuhr ich mit meinem Vater am 10.06.2010 nach Polen. Die Landschaft dort ist wunderschön, die Orte teilweise aber noch sehr ärmlich, die Häuser ziemlich verfallen. Wir hatten vorher mit dem Yachtclub Kontakt aufgenommen und durften uns mit unserem VW-Bus auf das Gelände stellen. Der Yachtclub hat ein sehr einfaches Gelände und nur einen ganz kleinen Hafen direkt am Haff. Wir segelten dann geschlossen mit unserem EM-Team und unserem Trainer Björn Glawe aus Berlin 3 Tage bei meistens 4-5 Windstärken. Am Ende wurde ich 12 ter von 176 Startern. Mit diesem Ergebnis war ich sehr zufrieden.
Und dann ging es am 27.06 endlich los. Für die letzten 2 Wochen vor den Sommerferien wurde ich vom DODV von der Schule befreit. Mein Vater und ich fuhren erst nach HH und holten dort Henry mit seiner Mutter ab. Am Abend trafen wir uns dann in Berlin am Müggelsee im Leistungszentrum mit unserer Teamleaderin Birgitt Müller und unsere Eltern fuhren wieder nach Hause. Als erstes bekam jeder 5 Tausch- T-shirts mit all unseren Namen drauf. Diese durften wir bei der EM mit anderen Nationen tauschen.(Ich habe T-Shirts aus Japan, Österreich, Polen, Monaco, Türkei mit nach Hause gebracht). Am nächsten Morgen sind wir dann mit einem Leihbus und 2 Hängern nach Polen gefahren. Dort angekommen, fuhren wir als erstes zum EM-Gelände, wo wir unsere Hänger abluden. Der ganze Ort war für die EM geflaggt und es war eine riesige Bühne auf dem Dorfplatz für die Eröffnungsfeier und Siegerehrung aufgebaut.
Dann gings in unser Quartier. Alle 48 Nationen (es war eine offene EM und alle Kontinente waren vertreten) waren mit allen Betreuern zusammen in einem Hotel 7 km entfernt untergebracht. Das Hotel platzte aus allen Nähten (ca. 400 Leute) und so mussten wir Jungs zu viert in einem 3-Bettzimmer schlafen, chaotisch aber gemütlich. Wir hatten dort auch einen Pool und mussten nur 2 Min. zum Strand laufen. Direkt daneben lag ein toller Campingplatz auf dem die Eltern, die uns kurzfristig besuchen wollten, super untergebracht waren – denn Eltern bei der EM waren ausdrücklich nicht erwünscht (nur aus der Ferne, das war auch gut so).
Die nächsten Tage verbrachten wir als erstes mit der Taufe unseres Maskottchens, das Birgitt vom DODV für uns mitgebracht hatte. Wir tauften unseren Stoffadler „Hugo“ und Hugo war ab sofort immer dabei. Die Trainingstage verliefen wie folgt: Frühsport, Training oder Warten auf den Wind im Schatten, Schwimmen gehen, Baden in der eiskalten Ostsee und einigen Trainingsregatten mit den Ungarn und Dänen. Darüber hinaus bauten wir abends unsere Kontakte zu den anderen Nationen aus. Die Sonne brannte teilweise unerträglich vom Himmel, so dass ich mir erst mal kräftig die Oberschenkel verbrannte. Wir segelten nur in Shorts und UV-Lycras und ich auch nur mit Sonnenhut. In dieser Zeit habe ich dann auch mein neues, vom KYC gestiftetes Segel eingesegelt, mit dem ich prima zurechtkomme.
Und dann kam die Vermessung. Die Vermesser waren sehr genau und pingelig. Bei mir war zum Glück alles in Ordnung und ich bekam anstandslos meinen Stempel ins Segel gesetzt, aber bei Michi mussten die Zahlen im Segel 2 mal neu geklebt werden und bei Gesa und Michi war das Boot etwas zu leicht, so dass ein Holzklotz eingeklebt wurde. Bei Gwendal wurde sogar eine Vermessung des Rumpfes vorgenommen. Langsam stieg nun auch die Anspannung für unseren ersten Regattatag. Björn gab uns mit auf den Weg: „Jedes Rennen, das nicht so gut läuft, packt ihr gedanklich in eine Kiste, und dann mit voller Konzentration ins nächste Rennen!“ Geplant waren an den 6 Wettfahrttagen jeweils 3 Rennen. Aber es kam leider anders:
Zuerst aber stimmten wir uns bei der Eröffnungsfeier am Abend vorher auf die EM ein. Alle Nationen zogen mit Ihrer Teamkleidung und Ihren Fahnen mit einer Kapelle vorweg durch ein paar Straßen, gesäumt von hunderten jubelnden Menschen zum Festplatz. Dort gab es eine Show im Stile der 70iger Jahre mit vielen Tanzeinlagen. Zum Schluss durften alle Teams vom Pier aus Chinesische Papierballons in den Himmel steigen lassen. Das war sehr feierlich.
Am 1. Wettfahrttag wurde jeder Opti mit einem kleinen GPS-Gerät ausgestattet, so dass man die Rennen auf einer großen Leinwand an Land verfolgen konnte – und im Internet natürlich auch. Unser Schlauchboot teilten wir uns mit der türkischen Mannschaft, sodass wir in den „Warten auf den Wind-Pausen“ viel Spaß an unserem Boot hatten. Die Türken waren supernett. Der allererste Start wurde direkt verschoben, weil es einen Fehler bei der Gruppeneinteilung gegeben hatte. Ein Junge war wohl in der Mädchengruppe registriert worden, und so mussten alle Trainerboote wieder an Land und wir durften bei Knallsonne draußen schwitzen (Mädchen und Jungen segeln bei der EM in getrennten Gruppen).
Am ersten Regattatag segelten wir nur 2 Rennen, weil später der Wind einschlief. Ich segelte einen 44igsten und 15ten Platz. Am 2. Wettfahrttag warteten wir endlos auf dem Wasser: extreme Winddreher und ein Wechsel aus Wind und gar keinem Wind ließ die Wettfahrtleitung nach 2 Stunden die Wettfahrten für beendet erklären. Am 3. Wettfahrttag war es kühler und wir hatten 4-5 Windstärken. Im 2. Rennen musste ich mich nur mit ein paar Zentimetern Rückstand mit dem 2. Platz zufrieden geben (26, 2, 38). Insgesamt zeichnete sich ab, dass wir Jungs wegen der schwierigen Windverhältnisse nicht so stabil segelten. Es ging hoch und runter mit den Ergebnissen. Am Ende des Tages war ich 36igster. Am 4. Tag segelten wir wieder nur 2 Rennen mangels Wind. Der erste Start war ein „Black Flag“, der erste meines Seglerlebens. Später bei der GPS-Analyse stellte sich heraus, dass es höchstwahrscheinlich doch keiner war, aber diese Aufnahmen zählen nicht als Beweis. Trotzdem ließ ich mir meine gute Laune nicht verderben und fuhr noch einen 17ten Platz an diesem Tag. Und dann kamen die letzten zwei Wettfahrttage mit bangem Warten auf den Wind. Leider konnten wir an beiden Tagen nicht segeln, so dass ich am Ende 45igster von 146 Jungen und zweitbester deutscher Junge wurde.
Nach der feierlichen Abschlussfeier auf dem Festplatz vielen plötzlich alle EM-Teilnehmer über die vielen EM-Flaggen im Ort her und mein Vater konnte in letzter Sekunde auch noch eine ergattern, die nun bei uns im Garten steht. Wie an unserem ersten Tag in Polen hatte Björn uns erlaubt, dass das ganze Team wieder in einem Zimmer übernachten durfte. Wir machten allerdings natürlich die Nacht zum Tag, verabschiedeten uns von den anderen Nationen und quatschten noch bis in den frühen Morgen auf unserem Zimmer. Die Mädchen, Henry und Michi schliefen so gegen 03.00 Uhr ein, aber Gwendal und ich hielten noch bis 5.00Uhr morgens durch. So ergatterten wir noch ein wenig Schlaf, bis wir dann nach dem Frühstück alle nach Hause aufbrachen. Alles in Allem war es eine toll von den Polen organisierte EM und eine richtig geile Zeit: wir waren ein super Team, hatten viel Spaß und ich habe wieder seglerisch einiges dazugelernt (Vielen Dank für Alles an Björn und Birgitt).
Diese EM werde ich wohl nie vergessen.
Jasper Steffens


