WM Bahamas 2010

Nachdem das endlos lange Warten auf den Container endlich ein Ende gefunden hatte,  konnten wir das tun, wozu wir ja eigentlich auf die Bahamas gereist waren:  Segeln!
 So schön entspannte Tage ohne ein produktives Ziel auch sein mögen,  nun wurde es wirklich Zeit: wir mussten auf`s Wasser,  ein 29er bei 25 Knoten Wind passt in die  karibische See so gut wie die Faust aufs Auge.
Schon der Empfang des Containers  war mindestens so eindrucksvoll wie die gesamte Insel:  ein stämmiger Bahamianer  in einem noch viel stämmigeren Truck  brachte unseren Container, der anschließend von einem  öltriefenden, weniger imponierendem Kran an die richtige Stelle auf unserem Hotelgelände gehoben wurde. Wir verloren keine Zeit, bauten sofort unsere Boote auf und gingen euphorisch wie selten zuvor auf`s Wasser, um uns mit dem Gebiet vertraut zu machen. Schon wenige Augenblicke später wurden wir mit einem wirklich gravierenden  Problem konfrontiert: die Wassertiefe ist an vielen Stellen aufgrund von Unterwasserriffs viel zu gering, die Folge waren verkratzte Schwerter und Gelcoatarbeiten.  Die folgenden Tage trainierten wir deshalb ausschließlich im abgegrenzten Gebiet, um weitere Schäden zu vermeiden.
Nach intensiver Vorbereitung in jeder Beziehung fühlten wir uns topp vorbereitet und fit für die Regatta. Nun waren wir nur gespannt auf den Verlauf des ersten Wettfahrttages, um die Nervosität zu lösen.  Natürlich lässt der erste Wettfahrttag noch keine Rückschlüsse auf das endgültige Ergebnis zu,  verläuft er jedoch gut, so kann man umso motivierter in den zweiten Renntag starten.
Es hätte leider besser laufen können:  ein Frühstart im ersten Rennen ist nicht gerade die beste Taktik, um das Punktekonto auf einem bescheidenen Level zu halten!  Was wir allerdings mit Gewissheit sagen konnten, war, dass unsere Bootsspeed  ausreichend war, um bei mittleren Winden ganz vorne mitzumischen,  der Umgang mit den drehenden Winden war uns jedoch nicht von Anfang an in den Schoß gelegt. Bei einer Luvtonne, die nicht mehr als 30 m vom Strand entfernt lag, sodass man auflief, sobald man die Layline überfuhr, konnte man diese Aufgabe nur mit vorausschauender Strategie und einer gesunden Portion Glück perfekt meistern. Dennoch gelang uns nach unserem glorreichen Frühstart noch ein 2. Und ein 7. Platz. Auf jeden Fall Motivation genug, um das Ziel topp ten  weiterhin anzustreben.
Am nächsten Tag wurde uns ein Crash mit dem Team der Cayman Islands zum Verhängnis und kostete uns einen weiteren topp 5 Platz, bescherte uns stattdessen nochmals die volle Punktzahl durch eine weitere Disqualifikation nach einer umstrittenen Protestverhandlung, die auch für den Protestierenden Text statt Zahlen in der Liste zur Folge hatte.
Jetzt hieß es tief durchatmen und nach Möglichkeit keinen Streicher mehr einfahren. Besonders mental stellte dies natürlich eine  besondere Herausforderung dar:  wir hatten noch 14 Rennen vor uns  und nur noch einen Streicher zu vergeben. Bei der Anzahl der Rennen, dem gesteckten Ziel und den vorhandenen Bedingungen, die bisher niemals so waren wie am Tag zuvor, eine gruselige Vorstellung!
Am nächsten Tag segelten wir die beste Serie over all, wir waren in den topp ten, die Luft war aber aufgrund unserer DSQ s reichlich dünn. Hätte, hätte, wäre, wäre….der blöde zweite DSQ nicht gewesen, wären wir jetzt schon in den topp 5 angekommen.
Tags darauf ersegelten wir in einer einzigen Wettfahrt  doppelt so viel Punkte wie am Tag zuvor in allen Rennen zusammen, hiermit  hatten wir also das letzte „Sch…ding“, das wir uns noch erlauben konnten, auf der Liste. Bei Bedingungen unter 5 Knoten fühlten  weder wir uns wohl noch unser Boot.  In den nächsten Rennen fuhren wir noch 3 weitere Top 10 Plätze ins Ziel und beendeten die Regatta mit dem 8. Platz.
Abschließend können wir sagen, dass die Regatta für uns viele unvergessliche und wertvolle Eindrücke aber besonders auch Erfahrungen mit sich brachte. Daher möchten wir uns ganz besonders  bei dem Kieler Yacht Club, unseren Eltern, Peter Kohlhoff und seinem Team für die neue Segelbekleidung, aber natürlich auch unserem Supercoach Patrick Böhmer bedanken, ohne die dies niemals möglich geworden wäre.
 
Justus Schmidt