Herbsttraining
Malcesine, Gardasee, 16.-24.10.2009:
„Jetzt kommt gleich der tolle Ausblick. In einer von den Kurven kannst du über den ganzen See blicken, das ist traumhaft schön“, motivierte mich meine Mitfahrerin die Augen offen zu halten und nach einer durchfahrenen Nacht nicht dem Schlaf auf dem Beifahrersitz nachzugeben.
Aber von vorne angefangen. Am Mittwoch morgen, dem 14.10.09, fingen Antje Schneidewind, die als Trainerin mit an den Gardasee fuhr, Luisa und ich, Philipp, mit dem Verladen der letzten beiden Trailer an. Der letzten beiden? Ja, Patrick war mit einem der blauen VSR und acht Optis schon vorgefahren, da die 29er ihre Deutsche Meisterschaft vom 09.-11.10.09 am Brombachsee bei Nürnberg hatten. So blieben „nur“ noch vier Laser, vier Optis und das Brig übrig. Nachdem alles Verladen war, ging es dann um 16.00 Uhr los nach Malcesine. Noch schnell Reifendruck und Ölstand geprüft und rauf auf die Autobahn.
Am nächsten Morgen kamen wir gegen 9.00 Uhr in Malcesine an. Vom tollen Ausblick habe ich leider nichts gesehen. „Letztes Mal als wir da lang gefahren sind ... Aber da war ich auch elf.“ Macht aber auch nichts: Wir wurden mehr als entschädigt. Neben Patrick erwartete uns strahlender Sonnenschein und ordentlicher Nordwind, sodass viele Kiter und Surfer auf dem See unterwegs waren. Für mich als Gardaseeneuling war vor allem das berühmte Klippenpanorama und das fast künstliche Licht faszinierend. Nachdem wir etwas von dem Fehlenden Schlaf nachgeholt hatten machten wir uns daran die Hänger abzuladen, die Schlauchboote zu slippen und alles für das erste Training bereit zu machen.
Freitag vormittag kam dann Familie Eisele mit dem Laseranhänger in Malcesine an und brachte damit die ersten beiden Lasersegler, die den Nachmittag gleich zum Segeln nutzten. Bis zum nächsten Vormittag waren dann auch alle anderen angereist, die gleich vom großartigen Ausblick über den Gardasee schwärmten, den ich leider bis heute nicht gesehen habe. Die Brennerüberfahrt wurde von manchen gleich zur ersten Schneeballschlacht dieses Herbstes genutzt.
Wir waren jetzt 18 Segler, 3 Trainer und viele Eltern, alle beim „Stickl“ im schönen Sporthotel einquartiert. Natürlich nutzten wir den Tag gleich zum Segeln wenn der Wind auch etwas verhalten war. Die restlichen Tage sollten wir windtechnisch aber ziemlich verwöhnt werden. So hatten wir Gardaseetypisch vormittags frischen bis starken Wind aus Nord, der dann gegen Mittag abrupt Richtung Norden wegzog und auf leichten bis schwachen Wind aus Süd drehte. Dabei schien die meiste Zeit auch noch die Sonne, so dass auch die Eltern, die sich alle ordentlich sportlich betätigten, auf ihre Kosten kamen.
Für die Lasersegler, die ja alle erst seit sechs Wochen das neue Boot segelten stand Hängetechnik ganz oben auf der Liste. Natürlich wurde die Woche über auch an Rollwenden und Rollhalsen, Unterwenden und etlichem Anderen gefeilt. Echt stark, wie ihr euer Boot nach der kurzen Zeit schon beherrscht, Jungs! Das Kompliment kam auch von Heinz Stickl, als er beim Abendbrot ein paar der Starkwindvideos mit der neuen HD-Kamera bestaunte.
Die Opti Regattagruppe hatte vor allem Manövertraining auf dem Plan stehen, was bei den verschiedenen Windbedingungen auch gut geübt werden konnte. Die Opti Regatta-Einsteiger sollten vor allem den Respekt vor starkem Wind verlieren, was glaube ich geglückt ist. Zum Thema Halsen ums Motorboot beim morgendlichen Nordwind kam am Ende des Trainings von fast allen „Das schockt voll!“. Aber auch bei wenig Wind wurde ordentlich dazugelernt. So wurden Startlinien gepeilt und ohne Ruder gesegelt, Wenden um den Mast gefahren und auch andere Übungen gemacht bei denen man öfters mal reinfallen kann, bei 18° Wassertemperatur ja auch nicht wirklich schlimm.
Der Spaß kam denke ich auch nicht zu kurz. Neben dem täglichen Baden und Surfbrett paddeln nach dem Training standen auch Optipolo und Staffelrennen, bei denen Antje im Opti auftrumpfen konnte, auf dem Programm. Fazit der Spiele war auf jeden fall, dass ein oder zwei Opti-A Segler vielleicht ihre Rückwärtsfahrtechnik überarbeiten sollten...
Insgesamt wurde wirklich viel gesegelt, für ein Trainingslager ende Oktober absolut spitze. Morgens gab man ordentlich Gas mit Wind und Wellen, was zu einigen wirklich schönen Aufnahmen geführt hat und nachmittags konnte es dann etwas entspannter zugehen und auch die eine oder andere Sporteinheit gemacht werden. So schön wie das Training war ging es auch wirklich schnell zu Ende. So kam rasch der Samstag, an dem nach einer kurzen Trainingseinheit nach dem Frühstück die letzten abreisten und dem schönen Gardasee auf Wiedersehen sagen mussten. Die Fotos und Videos werden uns aber sicherlich durch den nasskalten Kieler Winter tragen. Genauso wie das Olivenöl di Modena der Bardolino und all die anderen kulinarischen Erinnerungen an den Gardasee.
Es war wirklich ein schönes Trainingslager am Gardasee, das uns mal wieder gezeigt hat, was für eine schöne Gemeinschaft sich in den letzten Jahren entwickelt hat, unter den Kindern, genauso wie unter den Eltern, was zu einer wirklich schönen Atmosphäre führt. So wurden gemütliche Abende im Pavillon unter dem Gasstrahler verbracht während die Kinder noch die letzte Zeit, bis das Bett rief, nutzten. Unterbrochen wurde der Friede nur durch eine Nacht der Angst als zwei Großeltern auf dem Monte Baldo verschollen waren und erst am nächsten Tag wieder aufgefunden wurden, was auch die Italienischen Behörden und die Bergwacht ordentlich beschäftigt hat. Das Abendteuer hat aber zum Glück ein gutes Ende genommen und so hoffen wir, so ein schönes Trainingslager im nächsten Herbst wiederholen zu können.
Philipp Stölting, FSJler

