Mit der Kuh beim Absegeln 2010
Sonnabend, der Tag des Absegelns. Wir liefen früh aus, mit Frühstück auf See, um rechtzeitig in Eckernförde anzukommen. Wie immer, schöner Segeltag, Sonne, massig Platz mit fünf Mann auf 52 Füßen. Wir liefen gleichzeitig mit der Absegelflotte in die Eckernförder Bucht ein und kamen am frühen Nachmittag beim SCE an. Die Kuh war also wieder im Clubleben angekommen. Binnen kürzester Zeit wieder viele Yachtschüler an Bord – ganz ungewohnt, plötzlich neun, zehn Personen unter Deck zu haben. Eigentlich viel zu eng.
Am Abend dann die Preisverleihung im Clubhaus. Vorher ein reichhaltiges Buffet, das etliche der „Lütten“ in Kälte und Dunkelheit auf der Terrasse verspeisten. Nicht wegen ungebührlichen Betragens (das hätte höchstens ein Kopfbad gegeben), nicht wegen zu späten Erscheinens, sondern weil das Clubhaus überfüllt war, damit wir älteren Semester in rheumafreundlichem Trockenklima speisen konnten. Eigentlich ja ein Luxusproblem, schuld war schließlich die zu gute Beteiligung am Absegeln. Trotzdem natürlich schade und vor allem kalt. Zur Preisverleihung durfte dann auch die JA wieder komplett in den Saal. Die Yachtschulboote hatten sich wacker geschlagen, und auch dass Berend Terveer die größte Wurst mit nach Hause nehmen durfte, lag ganz bestimmt nur daran, dass sein Sohn Fynn an Bord war – der ist schließlich Yachtschulobmann. Ehrensache, dass nach der Preisverleihung im Clubhaus noch auf der Kuh ein wenig gefeiert wurde, auch die Lütten durften ins Warme, mussten zum Schlafen aber wieder auf ihre Elans.
Das war auch ganz gut so, am nächsten Morgen stand der angekündigte Wind aus Ost samt Regen im Hafen, und die Elans machten sich rechtzeitig vor dem Einsetzen des stärksten Windes auf den Rückweg – da wurde auf der Kuh noch gefrühstückt. Wir hatten uns einige Verstärkung aus Kiel einfliegen lassen, und wollten nun wenigstens an der Rückregatta nach Kiel teilnehmen. Schnell wurden Positionen verteilt, dann der Start vor der Mole des Marinehafens. Blitzblanke Kreuz aus der Bucht, dazu ein gesunder Gegenstrom. Einmal nach links raus, einmal nach rechts, überall Gegenstrom. Rätseln, wo bleibt das ganze Wasser bloß? Dann das Überholmanöver auf die beiden YS-Elans, beide waren dicht beisammen, doch eine sackte nach Lee weg.
Nach dem Überholmanöver sahen wir den Grund: die Genua war über Bord geweht, zwei Leute auf dem Vorschiff zerrten gerade die Mittelbreite über die Reling. Bei uns auf der großen Yacht war alles ganz entspannt und ziemlich trocken. Wir litten mit der elan-Crew mit, sahen aber mit großer Freude, dass sie ihr Problem schnell wieder in den Griff bekamen und konzentrierten uns wieder auf die Regatta. Wir fuhren ganz nach links raus, bis an den Ausgang der Eckernförder Bucht. Dort erwischten wir einen kapitalen Linksdreher, der uns plötzlich direkt zur Stollergrund-Tonne brachte. Sogar ein bisschen Überhöhe konnten wir verbrennen, und mit einem leichten Schrick in den Schoten rauschten wir deutlich schneller auf die Bahnmarke zu als der Rest der Flotte, der sich größtenteils rechts befand. Lediglich die needles and pins mit Uli Münker war noch bei uns und fuhr uns mit geschrickten Schoten davon. So konnten wir als zweites Schiff die Stollergrundtonne und die Kleverbergtonne erreichen. Dort ging noch einmal der schwere Spi hoch, und wir fuhren zügig Richtung Ziel. Noch eine kurze Halse, Genua umbauen auf Backbord, setzen, Spi runter, schon waren wir im Ziel vor der Strander Mole. Schöne Manöver trotz zusammengewürfelter Crew, ein netter Tag auf See – mal wieder, trotz des anfangs schietigen Wetters.
Die Rückfahrt nach Düsternbrook geschah an und für sich ereignislos, bis plötzlich unter Deck ein erschrockener Ruf an Deck drang: „Ah, ih, das war in meinem Kragen!“ Eine gefühlt 80cm lange und vier Kilo schwere Heuschrecke hatte sich wer-weiß-wie an Bord verirrt und war dem Skipper in den Kragen gejumpt. Nun sprang dieses Biest durch den Salon, konnte aber unter einer Schüssel gefangen werden. Wir verwendeten einige Meter Klebeband darauf, das Heuschreckengefängnis kopfüber auf der Salonback festzukleben und überließen unseren Passagier vorläufig seinem Schicksal. Mit Groß und GIII segelten wir gemütlich in die Förde, aßen eine Kleinigkeit und fingen schon mal langsam an, die Yacht aufzuklaren. Dann Anlegen, Segel tuchen, Heuschrecke an Land setzen, wo sie hingehört. Damit war unsere Reise nach einer Woche wieder zu Ende, wir blieben allerdings noch kurz, um auf die elans zu warten. Bald kamen sie aus dem Dunst, schön unter Spi in die Förde, wie sich das gehört. Blitzsaubere Anlegemanöver trotz vieler erschöpfter Gesichter an Bord. Für die kleinen Boote war die Kreuz von Eckernförde nicht so angenehm wie für die Kuh. Alle klitschnass, manch einer immer noch käseweiß, aber doch alle auch in dem Wissen, dass sie sich erfolgreich durch eine verdammt anstrengende Etappe gequält hatten. Keine Schäden an den Booten, wir konnten uns also getrost auf den Heimweg machen. Damit endete sie also wirklich, unsere diplomatische Mission mit anschließendem Absegeln. Bleibt noch einmal der Dank an den deutschen Botschafter in Dänemark, Dr. Christoph Jessen, der die Yachtschule in seine Tätigkeit mit einbezogen hat (und auch schon angekündigt hat, dies im nächsten Jahr zum dritten Mal zu tun) und der Dank an alle Organisatoren des Absegelns, die diese Veranstaltung wieder zu alter Größe geführt haben. Auch wenn wir natürlich hoffen, bis dahin noch ein bisschen aufs Wasser zu kommen: wir freuen uns schon aufs Ansegeln 2011!
Eure Kuh-Crew – Nils, Jan, Frederik, Mathias und Charlie
Postscriptum: Später erreichte uns die Nachricht, dass wir mit der Kuh die Rückregatta gewinnen konnten. Aufkommende Diskussionen über das Yardstick-Rating der Kuh konnten erfolgreich im Keim erstickt werden.