Absegeln 2009 - Uwe Hollenbach berichtet
Zum Absegeln war ich mit unseren Töchtern Mara (12) und Enja (15) mit unserer „Snaedis“ unterwegs. Für die Kinder, die in diesem Jahr das erste Mal gesegelt hatten, wurde es am Sonntag spannend. Regatta zurück nach Schilksee. Erste Regatta für Enja und Mara, erstes Mal unter Spinacker segeln, den Spinacker bergen, mit dem Spinacker halsen …
Kurz nach 10 Uhr liefen wir aus. Am Ruder, wie bei den meisten Ablegemanövern in diesem Jahr, war Mara, die das inzwischen ganz cool machte. Hinter der Hafeneinfahrt setzen wir das Großsegel und segelten in Richtung Startlinie. Dann den Kurs zur ersten Tonne peilen, Wind schräg von achtern, Spinacker Start, bis zur Tonne würden wir nicht halsen müssen, wenn der Wind so blieb. Während Mara unter Großsegel vor der Linie auf und ab segelte, schlugen Enja und ich die Genua an und bereiteten den Spinacker zum setzen vor. Tuut! Fünf Minuten vor dem Start, Uhrenvergleich. Jetzt drückte Mara mir die Pinne in die Hand, das wurde ihr allmählich zu voll und zu eng hier. Wir hielten uns in Luv in der Nähe des Startschiffes. Tuut! Noch eine Minute. Mit dichtem Großsegel nahmen wir Kurs auf die Startlinie. Die beiden J 80 waren vor uns, die übrige Konkurrenz war entlang der Linie verteilt, aber alle noch weiter von der Linie weg. Sah alles ganz gut aus. „Soll ich noch den Spinacker los machen“, fragte Enja. Kopf und Schothorn waren noch im Sack festgebändselt. „Ja, klar!“, das hatte ich total vergessen. Dann: Spinacker hoch!
Tuut! Start! Wir waren noch ein Stück von der Linie weg. Von achtern kam eine Konkurrent mit stehendem Spinacker dichter. „Ist der Spi oben?“ „Der will nicht“, meinte Enja und zog ohne Erfolg am Fall. Bis zur Saling war er oben und jetzt hatte der Wind schon hinein gefasst. Ich drückte Mara die Pinne wieder in die Hand, „Hinter den anderen her!“ und zog mit Enja den Spinacker ganz nach oben. Dann übernahm Enja den Achterholer und ich fuhr die Spinackerschot auf dem Seitendeck stehend aus der Hand. Wir hatten freien Wind, das Boot hinter uns kam jetzt nicht mehr dichter, sackte langsam achteraus. Der „Schrat“ von Familie Brandenburg war ein Stück hinter uns. Wir waren ganz gut vom Start weggekommen.
Enja überprüfte Kurs und Distanz bis zur ersten Tonne. Alles klar, wir waren genau auf Kurs. Einige größere Boote schoben sich langsam nach vorne. Nach einiger Zeit kam die „Kuh“ von achtern auf und fuhr in Luv von uns vorbei schräg durchs Feld. Der „Schrat“ war immer noch hinter uns. Wir wunderten uns, eigentlich sollte die Luffe 37 doch schneller sein als wir. Aber unser alter Beilken Spinacker zieht anscheinend noch ganz gut. Je weiter wir aus der Eckernförder Bucht heraus kamen, umso raumer kam der Wind. Unsere Verfolger, die „Pinguin“ und der „Schrat“ kamen näher. Vor uns hatte schon ein Boot gehalst, um den Kurs zur ersten Tonne anliegen zu können. Na denn… Enja, Mara, wir wollen halsen! (Theoretisch hatten wir das gestern beim Abendessen mit meinem Arm als Mast und einem Kugelschreiber als Spibaum geübt). Papa an der Pinne fährt Großschot, Achterholer, Spischot und die beiden Backstagen, und Enja und Mara gehen aufs Vorschiff. „Papa, Du musst das Dingsda noch mal runter holen, so kommen wir da nicht dran!“ Na denn! Mara wieder an die Pinne, Papa den Spibaumschlitten etwas nach unten fahren, sodass die Kinder den Baum überhaupt ausklinken können. Dann Papa wieder nach achtern, und die Kinder halsen auf dem Vorschiff den Spinacker. Und, siehe da, der Baum ist ruck-zuck auf der anderen Seite, der Spi ist nicht eingefallen, und wir haben gegenüber unseren Verfolgern ein Stückchen gutgemacht, wie wir erstaunt beim Blick nach achtern feststellen.
Die erste Tonne kommt näher. Jetzt wird es spannend. Lassen die ersten Boote den Spinacker oben? Oder ist der Kurs zur zweiten Tonne zu spitz? Die „Kuh“ rundet als erstes die Tonne. Es sieht so aus, als ob sie zuerst den Spi wegnehmen, ihn aber ein Stück nach der Tonne wieder setzen. Auch die folgenden zwei Boote lassen den Spinacker oben. Dann die zweite Halse. Klappt „fast“ so gut wie die erste. „Papa, fahr mal ruhiger, wir fliegen hier fast mit dem Baum weg“, mosern die Kinder vom Vorschiff. Wir halsen zurück auf Backbord Bug, lassen langsam den Spinackerbaum weiter vorfallen, nehmen die Spischot dichter und Kurs auf die zweite Tonne. Für unseren Spinacker ist der Kurs zu spitz. Wir können die Höhe nicht halten, das Boot ist bockig und richtig fahren tut es irgendwie auch nicht. Auf dem „Schrat“ wird die Genua gesetzt und der Spinacker geborgen. Kurze Erklärung an meine beiden „Matrosen“, wie man einen Spinacker wieder wegnimmt. Mara übernimmt die Pinne, die sie auf dem Halbwindkurs nur mit Müh und Not im Zaum halten kann. Ich setze die Genua, Enja reißt den Spinacker aus und kommt dann nach achtern um das Fall zu fieren, und ich zerre die überdimensionale blau-gelb-rote Flagge unter Deck.
Und dann ist der „Schrat“ weg. Wir hatten zu lange gewartet mit dem Bergen. An der zweiten Tonne geht es auf die kurze Kreuz bis zur Faber+Münker Tonne. Wo die genau liegt? Wir fahren einfach hinter dem „Schrat“ her. Auf der Kreuz bemerken wir, dass eine der beiden J 80 hinter uns liegt? Müssen wir irgendwann dran vorbei gesegelt sein. Noch zwei Wenden, bei denen Mara die Pinne nimmt, Enja das Backstag, und ich das Vorsegel bediene, dann sind wir um 13:44 Uhr im Ziel. Wir lachen uns gegenseitig an. Das hat saumäßig Spaß gemacht! Und ganz so schlecht waren wir anscheinend auch nicht. Denn, bis auf zwei andere Boote hätten alle anderen Teilnehmer entweder gleich schnell oder schneller als wir sein sollen.
Gespannt warten wir die nächsten Tage auf die Regattaergebnisse. Und dann stehen die Ergebnisse im Internet: Yeah!!! Wir sind sogar Erster geworden!!! Beide Kinder sind nicht zu Hause, als ich Ihnen das Ergebnis per SMS schicke. „Das ist ja voll toll! Grins!!!“, ist Maras Kommentar. „Nicht im ernst! Das ist ja unglaublich!“, freut Enja sich über den ersten Platz.




