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Marisa Roch wird Vizemeisterin bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft 2017 in der Europe

Die KYC-Seglerin gab alles und verpasste nur knapp den Titel. Ihren leidenschaftlichen Bericht lesen Sie hier.

Nach zwei Trainingstagen in Neustadt sollte dann auch endlich die IDM 2017 losgehen. Der erste Wettfahrttag versprach schon von der Wettervorhersage her viel Warterei und der Wetterbericht sollte recht behalten. Um 11 Uhr starteten wir bei wirklich seeehr wenig Wind das erste Rennen - selbst ich musste auf dem Traveller im Boot sitzen. Nach einem Loop wurde dann abgebrochen - natürlich, wie sollte es anders sein, lag ich in Führung zu diesem Zeitpunkt. Es ist immer so, wenn abgebrochen wird, bin ich in guter Position, und wenn dann aber ein Schweinerennen gewertet wird, dann bin ich immer hinten. Dieses „Klischee“ sollte sich an diesem Tag auch noch bestätigen.

Aber erstmal hieß es jetzt ein paar Stunden auf dem Wasser auf Wind warten. Der Wind sollte mittags komplett runtergehen und dann aus anderer Richtung langsam wieder einsetzen.

Ich finde so eine Warterei auf dem Wasser immer sehr anstrengend im Kopf. Man muss die ganze Zeit versuchen, wach zu bleiben und sich ständig konzentrieren. Aber man kann sich auch nicht weg bewegen. Zum Glück war mein Vater mit dem Schlauchboot draußen, dann konnte man wenigstens ein bisschen entspannter sitzen als im Boot.

Irgendwann kam dann langsam der frische Wind, war aber anfangs immer noch sehr instabil. Wir schafften es aber noch zwei Wettfahrten zu segeln. Davon gewann ich das erste Race und das zweite setzte ich total in den Sand. Auf der Startkreuz drehte hier der Wind so extrem nach links und leider befand ich mich rechts. Schön doof. Aber das war ja noch nicht das Ende.. unten am Gate vom Innerloop wurde Bahnänderung angezeigt. Da wunderten wir uns schon, weil die alte Luvtonne noch lag und es keine Ersatzbahnmarken gab. Das Problem war, dass die Masters auch noch auf der Startkreuz waren und die Wettfahrtleitung so keine Chance hatte, die Tonne zu verlegen. Wir waren alle verwirrt und fuhren dann doch eher Richtung der ursprünglichen Luvtonne. Auf einmal fuhr ein Schlauchboot von der Wettfahrtleitung wild pfeifend und mit einer nicht erkennbaren Flagge zwischen Tonne 1 und 2. Zu diesem Zweipunkt waren die ersten zwei Mädels aber schon um die alte Luvtonne rumgefahren. Bis wir gecheckt haben, dass das Schlauchboot mit Flagge M die Bahnmarke ersetzen sollte, war es schon zu spät. Nele und ich hatten auf der Kreuz eigentlich echt gut aufgeholt, aber durch diese Schlauchbootaktion waren die auf der linken Seite schon wieder tierisch bevorteilt und wir waren bereits über der Layline.

Sieben von uns 25 Mädels waren uns einig, dass das alles nicht so ganz richtig war und so reichten wir alle zusammen einen Antrag auf Wiedergutmachung ein - mit dem Ziel, dass die Wettfahrt annulliert werden sollte. Nach 8 h auf dem Wasser hatten wir dann auch noch eine Stunde lang die Verhandlung - und das alles ohne Abendessen. Danach mussten wir dann nochmal 1.5 h auf die Entscheidung des Schiedsgerichts warten. Unseren Anträgen wurde dann zum Glück stattgegeben, wenn auch nicht so, wie erhofft. Aber es war eine Fehlentscheidung der Wettfahrtleitung, das Schlauchboot mit Flagge M als Bahnmarkenersatz zu wählen, da Flagge M nur gilt, sofern die Tonne weg oder vertrieben ist - in unserem Fall lag die Tonne ja aber noch da. Da wir alle im Durchschnitt ca. 4 Boote verloren haben durch diese Aktion, wurden uns allen 4 Punkte jeweils in dieser Wettfahrt abgezogen. Es war nicht ganz das, was wir uns erhofft hatten, aber immerhin hatte sich der Einsatz gelohnt. Mit Platz 1 und 9 lag ich nach diesem Tag gesamt auf Platz 5.

Am nächsten Tag sollte ordentlich Wind kommen mit über 20 kn. Es wurde richtig anstrengend. Mit den Plätzen 3, 2 und 2 war ich an diesem Tag mehr als zufrieden. Mein Bootsspeed war richtig gut und meine Vorwindkurse waren der Hammer! In der letzten Wettfahrt schaffte ich es sogar innerhalb eines Vorwindkurses von Platz 6 auf den 1. vorzufahren. Leider konnte ich das nicht halten, aber trotzdem gab einem das schon etwas Selbstvertrauen. Am Ende des Tages war ich sooo fertig, dass mein Papi mich in den Hafen schleppte. Ich hatte alles gegeben, sogar Krämpfe in den Armen hatte ich bekommen. Gesamt lag ich am Ende dieses Tages nun an 1. Das hätte ich mir bei so viel Wind nicht wirklich gedacht.

Am letzten Tag sollte nochmal über 20 kn Wind kommen. Leider diesmal mehr ablandig. Am Vortag hatten wir eine richtig schöne Welle und wenn man klein ist, ist es bei viel Wind mit Welle deutlich angenehmer. In der ersten Wettfahrt schaffte ich es noch ganz gut vorne mitzuhalten und segelte einen dritten Platz. Damit war ich noch immer an 1, aber ich musste jetzt im nächsten Rennen vor Vanessa sein, um meine Führung zu halten. In der letzten Wettfahrt frischte der Wind nochmal ordentlich auf und ich hatte mein Schwert über Decks hoch und den Traveller ganz weit draußen und hing wirklich bis zum Anschlag, aber es nützte nichts. Da merkt man dann doch leider irgendwann die 17 kg und 20 cm Unterschied. Ich gab bis zum Ende nicht auf, aber nach der Wettfahrt war mir so übel vor Anstrengung und leider hatte es nichts genützt. Gratulation an Vanessa, sie ist echt auch eine saubere Serie gefahren! Immerhin war ich noch Vizemeisterin und bei diesen Bedingungen, bin ich da auch echt stolz drauf und zufrieden mit meinen Ergebnissen!

Bronze ging an Tania Tammling, der deutschen Meisterin vom letzten Jahr. Ein ganz großes Dankeschön geht an meinen Papi, der mich die Tage über auf dem Wasser betreut hat und ich so wirklich alles bis zum letzten Rest geben konnte, weil er mich dann am Ende des Tages zurück geschleppt hat! Weiter möchte ich mich bei meiner Physiotherapeutin Liske bedanken, die mich im Moment einfach super fit hält und durch die meine Knieprobleme auch immer besser werden!

Bericht: Marisa Roch

Bilder: Birgitt und Uwe Roch

Kieler Yacht-Club e.V.

Mit dem bereits von den Gründern 1887 formulierten Ziel, „die Freude am Segeln zu mehren“, steht der Kieler Yacht-Club für eine lange Tradition im Regattasegeln auf höchstem sportlichem Niveau und im anspruchsvollen Fahrtensegeln. Tradition und Zukunft des Segelsports bestimmen das HandeIn im Club. Schwerpunkte der Arbeit des KYC sind die seglerische Ausbildung Jugendlicher und Erwachsener sowie die Organisation hochrangiger Regatta-Veranstaltungen wie der Kieler Woche, MAIOR, YES sowie Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Klassen.

Mit rund 1.400 Mitgliedern ist der Kieler Yacht-Club einer der größten und mit seiner Gründung im Jahr 1887 einer der geschichtsträchtigsten Segelvereine Deutschlands. Zu den Mitgliedern des KYC zählen mehrere Welt- und Europameister und Olympiamedaillengewinner in unterschiedlichen Segelklassen.