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49er Team Stingele / Scheel beim Christmasrace in Palamos/ Spanien

Winterzeit ist für die leistungssportlichen Segler bekanntlich Reisezeit. Doch ob und vor allem

wann es für die 49er Segler Linov Scheel und Max Stingele zum Segeln in den Süden losgehen

durfte, war bis zuletzt ungewiss.

Fotos: Till-Jonas Gerngroß

Steuermann Max Stingele hatte sich im Oktober eine komplizierte Fraktur und einen Bänderriss im Mittelfuß zugezogen. Nach der Fehldiagnose eines alleinigen Bänderrisses wurde Max nach drei Wochen doch noch operiert. „Die Verzögerung war natürlich ärgerlich, und hat viel Zeit gekostet“, sagt Max. „Ich habe jedoch versucht, mit viel Physiotherapie möglichst schnell wieder fit zu werden. So konnte ich die Heilungszeit von vorhergesagten 2,5 Monaten auf fast sechs Wochen reduzieren.“

Ob die beiden zum Trainings- und Wettkampfblock in Palamos vom 15.-23. Dezember überhaupt fahren konnten, war bis zu aller letzt unklar. „Wir waren fest entschlossen, es auf jeden Fall zu probieren und so habe ich mich, zusammen mit 49er Segler Paul Farien, am 13. Dezember mit dem Bootstransport Richtung Süden aufgemacht“, so Vorschoter Linov Scheel.

Die anfängliche Windvorhersage mit leichten Winden korrigierte sich jeden Tag hoch, sodass es quasi unmöglich schien, dass Max mit seiner Verletzung segeln konnte. Dabei war der Wind gar nicht unbedingt das Problem, sondern viel mehr die hohe Dühnungswelle, die in Palamos bis weit in die Bucht hinein läuft. Vor der Regatta gelangen bei sehr wechselhaften Bedingungen drei halbe Tage Training mit den Clubkameraden Paul Farien und Mirco Klösel sowie anderen deutschen 49er- und 49erFx-Seglern. In den Trainingseinheiten bemühte sich das Team, sich nach der langen Pause wieder einzugewöhnen. „Vom gezielten, inhaltlichen Training waren wir natürlich noch weit entfernt. Wir sind es langsam angegangen und waren einfach nur froh, wieder auf dem Wasser zu sein.“, so Linov.

Nachdem der erste Regattatag am Montag gleich wegen zu viel Wind abgebrochen worden war, ging es  erst am Dienstag so richtig los. „Die Aufregung war schon größer als sonst - vor allem weil wieder recht viel Wind war. Wirklich sicher, ob das mit meinem Fuß so eine gute Idee war, war ich mir nicht“, lächelt Max. Umso überraschender war es, dass das Team an der ersten Luvtonne das internationale Feld anführte.

Der Trainingsrückstand zeigte sich jedoch schon auf dem ersten Gennakerschlag mehr als deutlich. In einer Halse kurz vor dem Leegate kenterte das Team und konnte sich in der folgenden Runde nur noch auf Rang 8 vorarbeiten. „Die Kenterung war natürlich ärgerlich, aber es gab uns auch Selbstbewusstsein, dass wir theoretisch ganz vorne mitsegeln können“, waren sich beide einig. Mit den weiteren Platzierungen 3,2,2 waren beide jedoch mehr als zufrieden, als sie sich am Ende des Tages auf Gesamtrang 2 wiederfanden.

Nach einer erneuten Segelpause wegen des starken Windes, standen am Donnerstag drei weitere Rennen auf dem Programm, bevor es am Freitag in das Medalrace der besten zehn Boote gehen sollte. Nach einem 6. und 3. Platz spielte sich im letzten Rennen ein Drama ab: Nach einer Kollision mit einem slowenischen Boot kurz vor dem Start, verkeilten sich die gekenterten Boote, was das Aufrichten stark verzögerte. Des weiteren nahm der Backbord Wing Schaden, brach ein Pinnenausleger und es rissen zahlreiche Gummis. Bis das Boot wieder aufgerichtet und segelbar war, hatte das restliche Feld bereits fast die Luvtonne passiert - ein Einholen war nahezu aussichtslos.

An Land ging es dann schnellstmöglich in die Vorbereitung eines Protests sowie der provisorischen Reparatur des Wings, um für das Medalrace wieder startklar zu sein. Nach langer Vorbereitung gelang es, den Protest zu gewinnen und sogar einen Antrag auf Wiedergutmachung bewilligt zu bekommen, sodass die beiden für das Rennen den Durchschnitt aller übrigen Rennen angerechnet bekommen sollten. „Wir waren super happy! Dass der Antrag auf Wiedergutmachung akzeptiert wird, hätten wir nicht gedacht und mit diesen Platzierungen hätten wir die Liste angeführt",erinnert sich Max. Im Quartier angekommen, erreichte die beiden für das Medalrace voll motivierten Sportler jedoch eine deprimierende Nachricht: Im ersten Rennen des Tages stand ein DSQ in der Liste. - „Die Wettfahrtleitung hatte gegen uns protestiert, da sie der Meinung war, dass wir eine 360° Strafe, die wir auf uns genommen hatten, nicht rechtzeitig vor dem Überschreiten der Ziellinie beendet hatten. Sondern 2 Meter zu spät.“ Ungläubig machten sich die beiden zusammen mit ihrem Trainer Till-Jonas Gerngroß zurück zum Jury Office und fragten nach einem Reopening der Verhandlung. Doch auch eine Neuverhandlung half nicht. Die Disqualifikation stand fest, und so starteten beide als Drittplatzierte in den letzten Regattatag.

Da alle Boote nach Punkten im Gesamtklassement sehr nahe bei einander lagen, war am Medalrace-Tag noch alles drin. Nach vier Stunden warten, ging es schließlich aufs Wasser. Bei viel Wind abgelegt, kam der Wind am Startschiff aus allen Richtungen und in allen Stärken, sodass das Medalrace kurzzeitig auf der Kippe stand. Den Start gewinnend, musste sich das Kieler Team bei den sehr drehenden Winden voll und ganz auf die Verteidigung konzentrieren. „Das war für uns sehr schwierig, da vor allem auf dem Downwind die Boote in Böen an beiden Seiten reihenweise an uns vorbeigefahren sind“, schildert Linov.

Das Medalrace als 6. beendend rutschten die beiden auf Gesamtrang 4. „Wir finden es natürlich Schade, das Podium so knapp zu verfehlen, haben aber mit unserem ersten Medalrace und den internationalen Protestverhandlungen viel für die kommende Saison mitnehmen können. Dass wir bei den vorherrschenden Bedingungen so gut klar kommen würden, hätten wir nicht gedacht. Vielen Dank an Patrick Böhmer und Till-Jonas Gerngroß, dass sie uns für die Trainingsmaßnahme in Ihre Gruppe aufgenommen haben“, fassen beide abschließend zusammen.

Jetzt geht es für das Team Stingele / Scheel erstmal ins Athletiktraining und die Prüfungsvorbereitung, bevor im Februar die Saisonvorbereitung in Palma beginnt.

Kieler Yacht-Club e.V.

Mit dem bereits von den Gründern 1887 formulierten Ziel, „die Freude am Segeln zu mehren“, steht der Kieler Yacht-Club für eine lange Tradition im Regattasegeln auf höchstem sportlichem Niveau und im anspruchsvollen Fahrtensegeln. Tradition und Zukunft des Segelsports bestimmen das HandeIn im Club. Schwerpunkte der Arbeit des KYC sind die seglerische Ausbildung Jugendlicher und Erwachsener sowie die Organisation hochrangiger Regatta-Veranstaltungen wie der Kieler Woche, MAIOR, YES sowie Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Klassen.

Mit rund 1.400 Mitgliedern ist der Kieler Yacht-Club einer der größten und mit seiner Gründung im Jahr 1887 einer der geschichtsträchtigsten Segelvereine Deutschlands. Zu den Mitgliedern des KYC zählen mehrere Welt- und Europameister und Olympiamedaillengewinner in unterschiedlichen Segelklassen.